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Dubai: Deutschland ist schon verkauft

Vor Dubais Küste wird die Welt verschachert - in Form einer aufgeschütteten Inselgruppe. Ein Österreicher hat die Insel Germany erworben und will es dort in einer klimatisierten Straße täglich regnen lassen.

Von Claus Hecking, Dubai

Das neue Deutschland ist noch dünn besiedelt. Eine Möwe spaziert im Landesinneren umher, an der Küste haben sich ein paar Krebse niedergelassen, doch vom Menschen ist weit und breit keine Spur. Dabei gibt es nirgends im alten Deutschland so sonniges Klima und so unberührte Strände wie hier auf Germany, 20 Bootsminuten vor Dubais Küste.

Josef Kleindienst aus Mistelbach bei Wien ist der neue Eigentümer von Germany, einer der künstlichen Inseln von "The World", dem wohl elitärsten Bauprojekt der Gegenwart. Vier Jahre lang haben Schwimmbagger Sand im Golf aufgeschüttet. 1,4 Milliarden Euro hat der Auftraggeber, der staatliche Immobilienkonzern Nakheel, dafür bezahlt. Jetzt ist das Projekt fertig, jetzt formen die 300 Sandhaufen zusammen den Grundriss einer neun mal sieben Kilometer großen Weltkarte - und jeder für sich einen Staat oder eine Region der Erde.

Eine Insel ab 15 Millionen Dollar

"Dubai hatte einfach nicht mehr genug Strand", sagt Hamza Mustafa. "und die Investoren haben nach exklusiven Projekten wie diesem hier gehungert." Der "Director The World", wie sich der Mittdreißiger auf seiner Visitenkarte nennt, hat jede der bislang angebotenen Inseln an den Mann gebracht, für Beträge zwischen 15 und 400 Millionen Dollar. "Der Preis richtete sich nach der Nachfrage", sagt Mustafa. Und einige Inseln waren extrem begehrt.

Um Taiwan etwa lieferten sich Investoren aus National- und Rotchina eine monatelange Bieterschlacht; am Ende gelang es einem taiwanischen Superreichen mit einer Millionenofferte, seine Heimat vor der Besetzung zu bewahren. Australien wurde hingegen von der Landkarte getilgt: Seine kuwaitischen Eigentümer haben es in Oqyana umbenannt. Die ganz großen politischen Konflikte vermeidet Nakheel von vornherein: Israel existiert in "The World" ebenso wenig wie Palästina, Korea ist sicherheitshalber wiedervereinigt. Und die Insel an der Stelle, wo Tibet liegen müsste, heißt Lhasa.

Deutschland auf 38.647 Quadratmetern

Kleindienst ist vergleichsweise billig davongekommen. Zwischen 20 und 22 Millionen Dollar soll er für die 38.647 Quadratmeter Germany bezahlt haben. So hatte der Immobilien-Tycoon auch noch genug Geld für Austria übrig. Im Juni werden ihm die zwei Sandhaufen übergeben, ab Herbst darf er sie bebauen, ganz ohne Planfeststellungsverfahren. Und so unterschiedlich wie Österreich und Deutschland sehen auch Kleindiensts Konzepte für seine beiden Inseln aus.

Auf dem ganz und gar gebirgslosen Austria will der 44-Jährige das "Empress Sissi" errichten, ein Luxushotel im Zeichen der berühmten Kaiserin. "Es soll Hospitality symbolisieren: die berühmte österreichische Gastfreundschaft", sagt Kleindienst.

Deutschland hingegen stehe "für andere Werte: Technologie und Umweltschutz". Und so soll nun auf Germany ein kleines Forschungszentrum für erneuerbare Energien gebaut werden, mithilfe des Fraunhofer-Instituts - und offenbar auch der Berliner Politik. "Neulich hat uns eine Delegation von Bundestagsabgeordneten besucht, die wollen uns bei dem Projekt unterstützen", erzählt Kleindienst. Zwischen 50 und 60 Prozent von Germanys Energieversorgung sollen dem Plan zufolge aus Solaranlagen kommen, die Module überall auf der Insel aufgestellt werden.

Regelmäßiger Regen für die Emirate

Dass ein bisschen Greentech nicht reicht, um die Touristen in Scharen nach Germany zu locken, weiß Kleindienst. Und so hat er sich eine besondere Attraktion ausgedacht: eine künstlich klimatisierte Straße. "In dieser Gasse wird es Temperaturen wie in Europa haben und auch immer wieder regnen", sagt der Deutschlandchef. "Die Araber lieben das. Wenn es hier regnet, gehen die Menschen auf die Straße und tanzen."

Welt-Boss Mustafa ist von Kleindiensts Ideen angetan. Er hat beide Konzepte bewilligt; gefiele ihm ein Plan nicht, könnte er die Bebauung einer Insel stoppen. "Der Erfolg von The World hängt davon ab, was die Investoren draus machen", rechtfertigt Mustafa sein Vetorecht. "Dieses Projekt ist für Dubai besonders wichtig, denn es ist einzigartig."

Aber wohl nicht mehr lange. Nakheel plant bereits "The Universe", eine noch größere, noch teurere Insellandschaft in Form von Sonne, Mond und Sternen. Die Welt ist Dubai nicht genug.

FTD

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