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Bilanz der Schlichtungsstelle: Immer mehr Passagiere beschweren sich über die Bahn

In diesem Jahr haben sich so viele Reisende wie nie an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) in Berlin gewandt. Auch die Schlichtungsanträge von Fluggästen haben enorm zugenommen.

Die Zahl der Anträge von Bahnreisenden bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) kletterte 2017 sogar um 16 Prozent, nachdem sie in den letzten drei Jahren stets leicht zurückgegangen war. 

Die Zahl der Anträge von Bahnreisenden bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) kletterte 2017 sogar um 16 Prozent, nachdem sie in den letzten drei Jahren stets leicht zurückgegangen war. 

Immer mehr Reisende kennen ihre Rechte. Besonders Kunden der Bahn machen ihren Anspruch auf Entschädigung bei Zugausfall und Verspätungen geltend: Wenn der Zug 60 Minuten oder mehr Verspätung hat, erhält man 25 Prozent des Fahrpreises zurück. Ab zwei Stunden Verspätung sogar 50 Prozent. Doch nach dem Ausfüllen des Fahrgastrechte-Formulars hören manche der Betroffenen nichts. Deshalb kann man sich in Streitfällen kostenlos an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) in Berlin wenden.

Die dort eingegangenen Beschwerden von Bahnreisenden haben in diesem Jahr deutlich zugenommen. Das geht aus den Zahlen der Einrichtung über das zu Ende gehende Jahr hervor. Bis zum Stichtag 11. Dezember gingen 2655 Schlichtungsanträge zu Fahrten mit der Deutschen Bahn und ihren Wettbewerbern ein. Das ist im Vorjahresvergleich ein Anstieg von 16 Prozent nach drei Jahren in Folge mit leicht sinkenden Fallzahlen.

Insgesamt zählte die Schlichtungsstelle bis vor einer Woche 14.636 Anträge. Das waren bereits mehr als im Rekordjahr 2016, in dem 13.626 Fälle zusammenkamen. "Wir erwarten im Gesamtjahr weit mehr als 15 000 Schlichtungsanträge, und damit im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um rund 15 Prozent", sagte Heinz Klewe, der Geschäftsführer der Stelle. Seiner Ansicht nach ist die Entwicklung vor allem darauf zurückzuführen, dass sich unter den Reisenden die Vorteile der SÖP-Schlichtung herumsprächen. Sie sei kostenfrei und habe "hohe juristische Qualität".

Genervte Bus- und Flugreisende

Etwa drei Viertel aller Beschwerden beziehen sich auf Flugreisen, knapp ein Fünftel auf Bahnfahrten, der kleine Rest auf Fernbusse und den öffentlichen Nahverkehr. Bis 11. Dezember trafen 11.108 Schlichtungsanträge zu Flugreisen bei der SÖP ein.

Nach der Insolvenz von Air Berlin seien zahlreiche Anrufe von verärgerten oder ratlosen Kunden bei der Schlichtungsstelle eingegangen, sagte Klewe. "Wir konnten nur die Lage den zum Teil sehr aufgebrachten Verbrauchern telefonisch erläutern."

Die steigende Zahl der Beschwerden über Fernbusunternehmen ist laut SÖP auch darauf zurückzuführen, dass immer mehr Menschen den Fernbus nutzen. Die Anträge auf Schlichtung eines Streits nahmen um 40 Prozent zu.

Die SÖP ist von der Bundesregierung als Schlichtungsstelle für Bahn, Luftverkehr, Fernbus und Schiff anerkannt. Zum größten Teil geht es um eine Entschädigung bei Verspätungen oder Ausfällen von Flügen und Bahnfahrten. Rund 360 Verkehrsunternehmen beteiligen sich mittlerweile an dem Schlichtungsverfahren, das sie selbst finanzieren. 

Zu Jahresbeginn kamen zahlreiche Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs hinzu, zum Beispiel die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), die Stadtwerke Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) und die Stuttgarter Straßenbahn (SSB).


tib mit Agenturen

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