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Münchner Oktoberfest: Hohe Promi-Dichte, wenig Glamour

Hollywood lässt sich auf dem Oktoberfest nicht blicken, dafür aber lässt es die hiesige Prominenz so richtig krachen. stern.de begegnete auf seinem Wiesn-Streifzug Trachtenmuffeln, Wiederholungstätern und gebürtigen Dirndl-Königinnen.

Von Sylvie-Sophie Schindler

München hat keinen Knut. Stattdessen Promis, die zwar nicht mehr ganz so hell glänzen wie zu besten Bussi-Bussi-Zeiten, aber die man immerhin angucken kann wie Tiere im Zoo. Auf dem Münchner Oktoberfest hocken sie in ihren Boxen, eng an eng. Würde man Tiere so dicht zusammenpferchen, man bekäme sofort Ärger mit Tierschutzorganisationen. Doch nach Klagewut steht vor allem den Herren nicht der Sinn. Es funkelt in den Augen von Boris Becker, Wladimir Klitschko und Co: Nirgendwo sonst dürfen sie so vielen Dekolletees erlaubterweise so nah sein. Hot-Spots für Stars und Sternchen sind die Wiesn-Zelte "Hippodrom" und "Käfers Wiesn-Schänke". Die so genannten "Adabeis" inszenieren sich so, dass man sie garantiert nicht übersieht - das Motto der Damen: je niedriger der Promi-Status, desto höher quillt der Busen. Die wirklich hohen Viecher hingegen lassen die Finger von derlei Sperenzchen, sie haben sich in die hintersten Ecken zurückgezogen oder feiern lieber gleich woanders: Die einflussreichsten Strippenzieher mit den dicksten Portemonnaies beispielsweise tafeln immer am zweiten Wiesn-Freitag im Augustinerzelt.

Haute-Couture-Dirndl und sündteure Lederhose, die Uniform der bayerischen Schickeria-Feierwütigen, sind natürlich obligat. Es gibt längst ein Überangebot an Dirndl-Designern, die um die Gunst der Prominenten werben, unter anderem Lola Paltinger, Michaela Keune, Angelika Zwerenz und Daniel Fendler. Doch nicht jede Dame, die auf dem roten Teppich gut ankommt, macht im Dirndl bella figura. Während Schauspielerinnen wie Christine Neubauer, Uschi Glas und Michaela May so wirken, als seien sie praktisch im Dirndl zur Welt gekommen, nimmt man GZSZ-Mimin Nina Boot und "Dschungel-Zicke" Caroline Beil das Trachten-Outfit nicht so richtig ab. "Venusfalle" Sonja Kirchberger versuchte erst gar nicht im Dirndl zu punkten, sondern zeigte sich beim Wiesn-Treff der "Bavaria Film" im dunkelblauen Hosenanzug und ein bisschen ängstlich. Es war ihr erstes Mal auf dem Oktoberfest, sie knabberte auf ihrer Unterlippe und verriet: "Bei großen Menschenansammlungen fühle ich mich immer etwas unwohl." Auch Pierre Brice hatte keine Lust sich zu verkleiden. Er gehört zur exotischen Spezies, die mit Krawatte um den Hals den Maßkrug heben. Besser noch als faule Kompromisse einzugehen. "Tatort"-Kommissar Dominic Raacke beispielsweise ist ein Lederhosen-Abstinenzler, hatte sich aber ein kariertes Hemd angezogen. "Das habe ich noch irgendwo im Schrank gefunden", sagte er. "So sehe ich zumindest ein bisschen nach Wiesn aus."

Mehr Mut zur Tracht

Nicht Fisch, nicht Fleisch. Bei Schauspielerinnen wie Anja Kruse kommt derlei Trachtenmuffeligkeit gar nicht gut an. "Ich wünsche mir von den Männern mehr Mut zur Tracht. Lederhosen sind richtig sexy", sagte sie. Wer also auf der Wiesn auf Freiersfüßen wandelt, braucht gar nicht erst in Jeans aufzukreuzen. Die Neu-Singles John Friedmann ("Erkan &Stefan") und Filmproduzent Oliver Berben wissen das natürlich und setzen neben einem feschen Lederhosen-Outfit auch mordsmäßig ihren Charme ein. Heiße Zeiten also für alle, die vom Partyluder zur smarten Promibegleiterin avancieren wollen. Ex-Partygirl Verena Kerth ist dieser Sprung längst geglückt. Immer noch lächelt sie an der Seite von "Titan" Oliver Kahn, wie vergangenen Sonntag bei der Feier des FC Bayern im Käfer-Zelt. Absicht oder Versehen: Mit ihrer hippen Mega-Sonnenbrille erinnerte die Blondine an Peinlichkeiten-Queen Paris Hilton. Letztere blieb heuer übrigens der Wiesn fern. Noch letztes Jahr warb Paris Hilton im güldenen Dirndl auf dem Oktoberfest für Dosen-Prosecco, was die Münchner Fremdenverkehrschefin Gabriele Weishäupl komplett auf die Barrikaden gingen ließ: Werbung ist auf der Wiesn ein absolutes Tabu.

Auch wenn sich Quotengaranten wie Veronica Ferres und Newcomer wie Hannah Herzsprung und Karoline Herfurth heftig bemühen: der Glamour-Faktor auf der Wiesn liegt quasi bei Null. Nach Hollywood braucht man gar nicht erst zu schielen. Dort findet man das weltweit größte Bierfest wohl nicht so sexy. Wenigstens: In der Vergangenheit feierten schon Siegfried und Roy, Kaiserin Soraya, Prinz Albert von Monaco, Gunter Sachs, Roman Polanski und Arnold Schwarzenegger mit. Und manche, mit denen man gar nicht mehr gerechnet hat, kommen plötzlich wieder. Beispielsweise Howard Carpendale. Der Altstar hatte auch auf der Wiesn ein Comeback. "Zehn Jahre lang habe ich nicht mitgefeiert", erzählte der Schlagersänger, während er seinem Sohn Wayne zuprostete und schwärmte: "Die Stimmung ist einfach toll." Den absoluten Abwesenheits-Rekord aber hält Peter Maffay: der Rocksänger hat sich sage und schreibe 25 Jahre lang nicht auf der Wiesn blicken lassen. Wie er das geschafft hat? "Mein Terminkalender hat es nie zugelassen", verriet er beim legendären "Almauftrieb" im Käfer-Zelt, bei dem es 750 exklusive Partygäste krachen ließen.

Doch wie ist es eigentlich mit den Prominenten, die sich Tag für Tag auf der Wiesn blicken lassen? Ist ihr Terminkalender weniger voll? Erstaunlich jedenfalls ist die gute Kondition der Dauergäste. Als hätten sie wochenlang trainiert, um durchzuhalten. Doch nach dem Ende des Wiesn-Feier-Marathons am kommenden Sonntag dürfen Prominente gar nicht erst auf lange Pausen hoffen. Schon bald ist ihre Anwesenheit auf den unzähligen vorweihnachtlichen Charity Dinners gefragt. Wer prominent ist, muss eben feiern können.

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  • Sylvie-Sophie Schindler