Städtereisen Berlin In 30 Stunden durch die Hauptstadt


Keine Metropole ist bei Städtereisen in Deutschland so beliebt wie Berlin. Doch in welcher Reihenfolge sollen Berlinbesucher welche Attraktion bestaunen? Wir haben ein Wochenende im Stundentakt durchgeplant und geben konkrete Tipps - von Ausgehen bis Unterkunft.
Von Roland Brockmann

Samstag, 10 Uhr: Ankunft

Sie sind mit dem Flugzeug gelandet? Flugtechnisch ist die Hauptstadt auch zwanzig Jahre nach Mauerfall noch immer geteilt: Vom Airport Schönefeld bringt sie die S-Bahn günstig in 40 Minuten über den alten Ostteil in die Neue Mitte. Bei Ankunft in Tegel nehmen sie den Flughafenbus TXL, der es in gut dreißig Minuten ins Zentrum schafft. Taxis sind in beiden Fällen kaum schneller. Sie sind mit dem Auto gekommen? Parken Sie außerhalb des Zentrums und vertrauen Sie auf gutes Schuhwerk und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Die U- und S-Bahnen fahren am Wochenende rund um die Uhr. Am besten besorgen Sie sich ein 48-Stunden-Ticket. Bei gutem Wetter erkundet man Berlin am besten mit dem Rad): schnell genug, um vorwärts zu kommen, ohne am Wegesrand etwas zu verpassen (z. B.

11 Uhr: Check-in

Einchecken im Hostel & Hotel Circus am Rosenthaler Platz. Genau gegenüber liegt das russische Café Gorki Park. Wer jetzt schon eine Stärkung braucht, bekommt hier auch Borscht oder Pellmeni. Entlang der Rosenthaler Straße geht es ab. Richtung Hackescher Markt erwacht der Konsumrausch. Wo vor zehn Jahren noch leere Plätze, illegale Bars und besetzte Häuser das Bild bestimmten, locken heute schicke Boutiquen und Cafés. Doch Starbucks und Nike-Shops gibt's auch woanders; deshalb trinken Sie ihren Espresso im Café Cinema, dem ältesten Café am Hackeschen Markt (Rosenthaler Straße 39). Leicht heruntergekommen, aber charmant. Durch die Fenster blicken sie direkt auf das Treiben. Gleich nebenan liegt einer der letzten unberührten Hinterhöfe von Mitte: Statt restaurierter Art-déco-Kacheln wie in den bekannten Hackeschen Höfen leuchten hier alte Graffitis auf bröckelndem Putz. Tipp für die Nacht: Die alternative Bar Eschloraque im selbstverwalteten Haus Schwarzenberg, 2. Hinterhof).

12 Uhr: Museumsinsel

Dem allgemeinen Trubel in Mitte weichen Sie aus, indem Sie durch den Monbijoupark in Richtung Spree laufen. Über die Brücke erreichen sie die Museumsinsel. Entlang des Ufers ist am Wochenende Flohmarkt. Links liegt das Pergamon-Museum, aber die große Attraktion ist das Neue Museum, das Mitte Oktober 2009 nach zehnjähriger Restaurierung neu eröffnete.

13 Uhr: Im Doppeldecker

Am Ende der Museumsinsel landen Sie neben dem Berliner Dom auf der Straße "Unter den Linden". Hier steigen Sie nicht in einen der Touristenbusse, sondern in einen regulären Linienbus der BVG. Mit etwas Glück erwischen sie einen Frontplatz in der oberen Etage des Doppeldeckers: Die Line 100 verbindet den berühmten Alexanderplatz mit dem Bahnhof Zoo - und damit Ost mit West. Unterwegs sehen Sie nicht nur das Brandenburger Tor, sondern auch den Reichstag und das Schloss Bellevue.

13:30 Uhr: Bahnhof Zoo bis SO 36

Seit Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs ist der Bahnhof Zoo ein eher verlassener Ort. Sie schlendern in 15 Minuten zum Kaufhaus des Westens am Wittenbergplatz. Hier legt auch die Linie 1 der U-Bahn ab. Die andere Ost-West-Achse ist durch das gleichnamige Musical aus den Achtzigern berühmt. Die gelben U-Bahn-Wagen fahren nach drei Stationen überirdisch als Hochbahn in Richtung Klein-Istanbul - sprich Kreuzberg SO 36 mit seiner zentralen Oranienstraße, an dessen Anfang das legendäre SO 36 liegt: einst eine der Gründerstätten des deutschen Punk & New Wave. Heute dominieren in der "O-Straße" türkische Imbisse und Reisebüros. Dennoch hat das Viertel, etwas im Schatten der Neuen Mitte, seinen Multikulti-Charme bewahrt.

16 Uhr: Espresso in Friedrichshain

Inzwischen fährt die U-Bahn Linie 1 wieder über die Spree bis zur Warschauer Straße - und schon sind Sie wieder im Ostteil der Stadt: Friedrichshain, dem neuen Kiez der Studenten, seit Mitte und Prenzlauer Berg zu teuer wurden. Hier atmet man noch den Geruch von Kohleheizung und den Geist von Autonomie. Viele kleine Kneipen liegen in der Simon-Dach-Straße. Schließlich landen Sie per S-Bahn wieder in Mitte. Der ganze Trip hat nicht viel gekostet. Und sie haben zumindest einen ersten Eindruck gewonnen. Zeit sich auszuruhen und Pläne für die Nacht zu schmieden, die in Berlin nicht vor 23 Uhr beginnt.

20 Uhr: Essen und Trinken

Im nicht mehr ganz so geheimen "Alten Europa" (Gipsstraße 11) treffen sich jetzt Kreative bei deutscher Küche: günstig und gut in betont einfachem Ambiente - die Barkeeper kennen die aktuellen Ausgeh-Adressen.

22 Uhr: Hören und Tanzen

Wer es etwas origineller mag, kann gleich um die Ecke in Clärchens Ballhaus aufs Tanzparkett. Gemischtes Publikum, von älteren Stammgästen aus DDR-Tagen bis zu Neuberlinern, die hier zu den Rhythmen der Ballhauskapelle klassische Tanzschritte üben. Das Weekend bietet in einem Hochhaus am Alexanderplatz 5 feinsten Dancefloor und Elektrosound - vor allem aber einen berauschenden Blick über die Stadt. Es lohnt sich, bis zum Sonnenaufgang durchzuhalten.

Sonntag, 11 Uhr: Frühstück in die Kastanienallee

Die klassischen Frühstückslokale liegen im Ostteil der Stadt entlang der Kastanienallee, wegen seines hippen Publikums auch "Castingallee" genannt. Vom Hotel aus ein kurzer Spaziergang entlang des Weinberg Parks - allerdings bergauf. Müde Geister fahren zwei Stationen mit der Tram (M1). Eines der ältesten Cafés ist das Schwarzsauer - Frühstück bis 17 Uhr!

13 Uhr: Wo stand die Mauer?

Zeit, sich die Reste der Mauer anzuschauen, die vor zwanzig Jahren fiel. Der längste erhaltene Teil erstreckt sich als Open-Air-Galerie über einen Kilometer parallel der Spree (Startpunkt: Mühlenstraße, S-Bahn Warschauer Straße). Der legendäre Grenzübergang Checkpoint Charly (U-Bahn Kochstraße) ist sehr touristisch aufbereitet: Mit dem Mauermuseum und Statisten in Soldatenuniformen posieren fotogerecht vor Sandsäcken und US-Flagge. Die versteckteren Spuren der Mauer zeigt ein Plan der Berliner Stadtverwaltung.

15 Uhr: Altes Zeitungsviertel

Von Checkpoint Charly aus führt die Friedrichstraße geradewegs zurück nach Mitte. Aber vielleicht wollen Sie sich vorher noch etwas stärken? Tipp: Das Ristorante Sale e Tabacchi gleich um die Ecke (Rudi-Dutschke-Str. 23) liegt im Haus der Tageszeitungs-Redaktion.

16 Uhr: Wohnungsbars

Im Sommer bieten sich die Strandbars an, in der kalten Jahreszeit die berühmten Wohnungsbars in Mitte oder Prenzlauer Berg - improvisierte und halbprivate Treffs mit Nachbarschaftscharme. Adressen können hier nicht geliefert werden. Nur so viel sei verraten: Eine liegt gar nicht weit von ihrem Hostel, und hat am Sonntagnachmittag geöffnet. Wem das zu kompliziert ist, geht ins Sankt Oberholz am Rosenthaler Platz: Hier treffen sich die kreativen Freiberufler, die auch am Sonntag vor ihrem Laptop hocken. Von hier aus ist gar nicht mehr weit zurück bis zur Hostel, wo Ihr Gepäck für die Rückreise wartet.


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