Tui Cruises Jedem sein Schiff


Monatelang suchte ein namhafter Reisekonzern öffentlichkeitswirksam nach einem Namen für sein Kreuzfahrtschiff, Arbeitstitel "Mein Schiff". Heute gab Tui bekannt, auf welchen Namen das Schiff getauft wird.
Von Swantje Dake

11.000 Leser eines Münchner Promimagazins haben sich für den Touristikkonzern den Kopf zerbrochen. Gebt dem Schiff einen Namen! Das Projekt, das als "Mein Schiff" anfing, sollte ja nicht so enden. Angeblich trudelten 30.000 Namensvorschläge ein. Nun hat die Jury ihren folgenschweren Beschluss gefasst: Das größte deutsche Kreuzfahrtschiff wird im Mai auf den Namen "Mein Schiff" getauft. Feierlich kann es ja trotzdem noch werden.

„,Mein Schiff' war nicht nur einer der meist genannten Namen, sondern überzeugte die Jury schlussendlich aufgrund der Deutschsprachigkeit und Konzeptkonformität", lässt Tui heute zur Begründung verlauten. Tui-Cruises-Chef ist ganz aus dem Häuschen: „Dieser Name ist deutschsprachig, einzigartig in der Kreuzfahrt und drückt unseren Kerngedanken der Individualität und des Freiraums aus.“ Ist gleichzeitig praktisch: Die Kataloge, mit denen man seit Monaten die Fahrten durch Ostsee, Mittelmeer und Karibik bewirbt, muss man so nicht einstampfen.

Man spricht Deutsch

Der Reisekonzern setzt auf den deutschen Gast: An Bord und auf den Ausflügen wird Deutsch gesprochen. "Es urlaubt sich auf Deutsch entspannter", so die Philosophie von Tui-Cruises-Chef Richard Vogel. Damit hat der deutsche Kreuzfahrtgast daheim "mein Haus", "mein Auto", "mein Hund" und im Urlaub "mein Schiff", was allerdings nicht unter "meiner Flagge" fährt, sondern unter maltesischer, die kostengünstiger ist.

Damit auch niemand den Namen übersehen kann, zieht er sich in schnörkeliger Schreibschrift quer über den maritimblauen Rumpf. Und gleich nebendran stehen Begriffe, die der Deutsche mit Urlaub zu verbinden hat: Sonnenaufgang, Mitternachtssonne, Ruhe, Meeresrauschen. Ferienemotionen auf blankem Stahl. Man mag sich gar nicht vorstellen, was in karibischen Gefilden los sein wird, wenn Lotsen und Hafenarbeiter vor dem Bug stehen und die Buchstaben zu kryptischen Lauten zusammensetzen.

Neubau ausgeschlossen

Seit ungefähr einem Jahr gibt es Tui Cruises, die Kreuzfahrtsparte des Touristikkonzerns aus Hannover. Ein Schiff, so der kühne Plan, sollte schon alsbald in See stechen. Ein Neubau war damit ausgeschlossen, zu lange hätten Planung und Bau gedauert, frühestens 2011 hätten die Leinen gelöst werden können. Also kaufte das Unternehmen zusammen mit der US-Reederei Royal Caribbean Cruises ein Gebrauchtschiff, Baujahr 1996. Es fährt bislang unter dem Namen "MS Galaxy" für die amerikanische Reederei Celebrity Cruises.

Nachdem das Kaufobjekt gefunden ward, brauchte es einen Projektnamen. "Mein Schiff" wird seit Herbst mit einem Katalog beworben. Gezeigt werden kann es noch nicht, schließlich ist es ja noch gar nicht das Tui-Schiff. Außerdem wird es noch umgebaut. Amerikaner stehen auf Glücksspiel, Deutsche deutlich weniger, also wird das Casino kleiner. US-Kreuzfahrer stört das Selbstbedienungsrestaurant nicht, der Deutsche bleibt gern am Tisch sitzen und lässt sich bedienen, also werden auch die Restaurants neu gestaltet. Die klebrigen Duschvorhänge werden durch Glaswände ersetzt, Balkons werden angebaut. So musste sich der potentielle Kreuzfahrer mit Bildern von Füßen an der Reling, Hängematte an Deck und Ausschnitten vom Bug zufrieden geben.

Am 26. März wird "MS Mein Schiff" noch als "MS Galaxy" in Bremerhaven ankommen und innerhalb von nur fünf Wochen auf der Lloyd-Werft zum Tui-Schiff umgebaut. Am 15. Mai wird das 263 Meter lange Schiff in Hamburg getauft, dann geht's auf Tour durch die Ostsee und nach Spitzbergen.


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