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Was mich bewegt: Wie ich mit einem Ticket für Köln nach München flog

stern-Autorin Franziska Reich erinnert sich an ein Erlebnis, das angeblich so selten ist wie ein Sechser im Lotto. Und das sie an den Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen zweifeln lässt.

Als blinder Passagier im falschen Flieger: Eigentlich dürfte das angesichts strengster Sicherheitskontrollen nie passieren.

Als blinder Passagier im falschen Flieger: Eigentlich dürfte das angesichts strengster Sicherheitskontrollen nie passieren.

Vor drei Tagen hätte ich noch behauptet: Die Sicherheitskontrollen an Deutschlands Flughäfen sind übertrieben. Diese Fragen nach Flüssigkeiten, diese Behandlung als potenzielle Terror Drohne … Nervig. Doch vergangenen Mittwoch wurde ich plötzlich: blinder Passagier. Auf einem Flug der Air Berlin.

Nach einem ganz normalen Sicherheitscheck. Mit einem ganz normalen Strichcode auf dem Ticket für den Flug nach Köln, das auf das Lesegerät gelegt wurde, welches auf Grün sprang. Ich setzte mich auf 25 B, aß ein Rosinenbrötchen und las. Plötzlich die Stimme des Piloten: "Wir beginnen mit dem Landeanflug auf München."

Wieso München? Was war mit Köln? Die Stewardess murmelte: "Das darf eigentlich nicht sein." Ich rief: "Ist aber so." Keine Reich, Franziska auf der Passagierliste, aber eine Reich, Franziska an Bord. Seither grübele ich. Vor allem über das Ausmaß des Irrglaubens an unsere Sicherheitssysteme. Wäre der Flieger abgestürzt, hätte sich ein ganzes Land gefragt: "Welchen Sprengstoff trug sie im Absatz?" Air Berlin kann sich das alles nicht erklären, das passiere praktisch nie, sei so selten wie ein Sechser im Lotto.

Ich aber grübele weiter. Denn an diesem Tag fiel auch das Zentralsystem der Lufthansa aus, Tausende Ebay-Konten wurden gehackt, und mein Handy entlud sich mysteriös rasant. Erleichtert Technik unser Leben? Bringt sie uns in Gefahr? Und warum, verdammt, habe ich die einzige Chance auf einen Lotto-Sechser mit einem Irrflug verspielt?!

Die Kolumne "Was mich bewegt" ...

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Franziska Reich / print

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