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Kreuzfahrten: Ab Hamburg: Hurtigruten bricht als erste Reederei im Juni zu Kreuzfahrten auf

Ausnahme von der Regel: Während weltweit Cruise-Unternehmen noch immer versuchen ihre Crews nach Hause zu fliegen, nimmt Hurtigruten schon wieder den Betrieb auf. Allerdings mit Einschränkungen.

Die "MS Fridtjof Nansen" passiert den 20 Kilometer langenHjørundfjord, einem Arm vom größeren Storfjord in Norwegen

Die "MS Fridtjof Nansen" passiert den 20 Kilometer langenHjørundfjord, einem Arm vom größeren Storfjord in Norwegen

Mit ihrer Entscheidung treiben die Norweger andere Reedereien vor sich her: Jetzt heißt es Leinen los für einige der Schiffe von Hurtigruten. Seit dem 16. Juni schippert das erste Postschiff der norwegischen Reederei wieder mit Passagieren an der norwegischen Küste nach Norden und zurück. Allerdings sind diese Fahrten, die bei einem internationalen Publikum beliebt sind, auf norwegische Gäste beschränkt.

Doch schon ab dem 26. Juni bricht das neuste Flottenmitglied von Hurtigruten zu Schiffsreisen ab Hamburg auf. Die erst im Dezember vergangenen Jahres von der Kleven Verft an die Reederei abgelieferte "MS Fridtjof Nansen" verlegt ihren Abfahrtshafen an die Elbe und nimmt Gäste aus Deutschland ohne komplizierte Fluganreise bis Bergen an Bord.

Das 140 Meter lange Expeditionsschiff wird bis zum 4. September insgesamt sechs 14-tägige Reisen unternehmen und "Kurs auf die norwegische Küste" nehmen, heißt es vorsichtig in einer Presseerklärung. Das Schiff läuft also nicht Häfen in Norwegen an, sondern fährt durch die Fjord- und Inselwelt Norwegens.

Neuer Typus von Kreuzfahrt

Neben den Einfahrten in den Geiranger- und Trollfjord steht eine Umrundung des Nordkapps an. Fest steht am neunten Tag der Reise: "In Gjessvær gehen wir vor Anker und genießen vom Deck aus die Sicht auf das quirlige Treiben auf den Vogelklippen."

Auf Nachfrage des stern sind auf diesen Reisen keine Landgänge vorgesehen. "Ob Anlandungen möglich sind, wird erst kurzfristig und während der Reise entschieden. Allerdings seien "Zodiac-Fahrten während der Reise geplant, ebenso wie Kajak-Ausflüge von Bord."

Es handelt sich um einen neuen Typus von Kreuzfahrt im Corona-Zeitalter: dem ohne Landausflüge, ohne Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten und Begegnungen mit der einheimischen Bevölkerung. Das Cruise-Publikum bleibt also unter sich. Im Vordergrund steht eher die Begegnung mit der Landschaft vom Schiff und Wasser aus.

Eigentlich sollte der Neubau schon im Frühjahr mit Reisen entlang der norwegischen Küste ab Hamburg starten. Doch durch die Pandemie wurden im März alle Kreuzfahrten vorzeitig beendet und Reisen bis Ende Juli von den meisten Reedereien abgesagt.

Ein Kreuzfahrtschiff fährt durch einen sehr engen Kanal mit behauenen Felswänden

Hurtigruten hat einen besonderen Weg eingeschlagen, da die Reederei Massenmärkte der Mitbewerber mit Schiffen, die mit mehreren Tausend Passagieren unterwegs sind, nicht bedient, sondern in einer Nische operiert. Neben den klassischen Postschiffreisen von Bergen nach Kirkenes und zurück gehören auch Nordlandfahrten bis Spitzbergen und Grönland sowie in unserem Winter Fahrten in die Antarktis zum Programm.

Die "MS Fridtjof Nansen" ist neben der erst ein Jahr alten und baugleichen "Roald Amundsen" der zweite Neubau eines Hybridschiffes für Hurtigruten. Statt einer Maschine mit Welle und Schraube sorgen zwei starke Elektropods im Heck für den Vortrieb. Deren Elektromotoren beziehen ihre Energie nicht nur aus den vier Rolls-Royce-Motoren, sondern auch aus Akkus, die überschüssig erzeugte Energie in zwei Batterieräumen auf Deck speichern können.

Neues Flaggschiff von Hurtigruten: "MS Roald Amundsen": So sieht das erste Hybrid-Expeditionsschiff der Welt aus
MS Roald Amundsen

Fest vertäut am Kai vom Cruise Center in Hamburg-Altona: Die erst vor wenigen Tagen an die Reederei Hurtigruten ausgelieferte "Roald Amundsen" mit einem sehr ungewöhnlichen Bug-Design - ein Entwurf des norwegischen Schiffsdesigners Espen Øino.

Daher kann dieser Schiffstyp bei sehr langsamer Fahrt bis zu einer halben Stunde ausschließlich elektrisch und damit fast lautlos fahren, was besonders in sensiblen Fahrtgebieten wie Arktis und Antarktis vorteilhaft ist.

Weniger Passagier an Bord

Im Vergleich zu anderen Expeditionsschiffen gilt die "Nansen" als groß, bis zu 530 Passagiere können in den 264 Kabinen unterkommen. Doch durch die neue Hygieneregeln wurde die maximale Gästezahl auf 350 reduziert. Auch sind zusätzliche Essensitzungen in den Restaurants und ein erweiterter á-la-Carte-Service geplant.

Die Preise für diese Kreuzfahrten sind allerdings kein Schnäppchen. Sie beginnen bei 4790 Euro pro Person in der Doppelkabine.

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