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Skifahren im Grünen: Kunstschnee in Kitzbühel: Saisoneröffnung bei 20 Grad plus

Ignoriert Kitzbühel die Klimaerwärmung? Bei sommerlichen Temperaturen hat der mondäne Wintersportort Tonnen von Kunstschnee auf die Pisten gesprüht und muss dafür heftige Kritik einstecken.

Strahlender Sonnenschein, 20 Grad und eine Pistenraupe auf der Kunstschneepiste: Saisoneröffnung in Kitzbühel.

Strahlender Sonnenschein, 20 Grad und eine Pistenraupe auf der Kunstschneepiste: Saisoneröffnung in Kitzbühel.

DPA

Der Jahrhundertsommer reicht bis tief in den Oktober hinein, auch in den österreichischen Alpen. Die spätsommerliche Wärme lockt daher zu Wanderungen oder zu einem Bad im Bergsee. Doch der Fremdenverkehrsverband Kitzbühel vermeldet stolz auf der Homepage: "Bereits am 13. Oktober 2018 wurde die Skisaison 2018/19 am Resterkogel eröffnet."

Der Alpenort, der für das Hahnenkammrennen weltbekannt ist, habe "mit dem Schnee aus den im Frühjahr angelegten Depots rund 1,6 Kilometer Piste mit einer Schneehöhe von 100 Zentimeter ausgebracht", zitiert die "Tiroler Tageszeitung" eine Sprecherin der Bergbahnen.

Nein, in Kitzbühel hat es in den vergangenen Tagen nicht geschneit, zumindest nicht auf natürlichem Wege. Der Löwenanteil des Weiß auf der schmalen Piste, die sich durch die grüne Berglandschaft schlängelt, stammt von Schneekanonen, die die Hänge besprüht haben. Der Schnee bestehe zu 80 Prozent aus Kunst- und zu 20 Prozent aus Naturschnee der vergangenen Saison.

Nur wenig Schnee von gestern

Im Internet geht der frühe Saisonstart von Kitzbühel zum Teil nach hinten los. "Einfach nur schrecklich!", schreibt eine Userin auf web.de. "Wie degeneriert ist das denn!? Noch schlimmer, die degenerierten Menschen, die das in Anspruch nehmen. Die arme Natur!"

Noch weniger Verständnis zeigen die Tiroler Grünen. Ihr Sprecher bezeichnet das Spektakel mit dem Kunstschnee für einen "massiven Imageschaden für den gesamten Tiroler Tourismus".

Die künstliche Schneise durch die grüne Berglandschaft: Skipisten-Präparierung am Resterkogel in den Kitzbüheler Alpen.

Die künstliche Schneise durch die grüne Berglandschaft: Skipisten-Präparierung am Resterkogel in den Kitzbüheler Alpen.

"Es sind Aktionen wie diese, die dem Tourismus enorm schaden. Denn diese Bilder gehen in die ganze Welt", sagt Georg Kaltschmid. "Für Skipisten bei 20 Grad hat niemand Verständnis, weder die Einheimischen, die auf den Tourismus generell immer schlechter zu sprechen sind, noch die Gäste, die hierher kommen um die Natur zu genießen und das Ursprüngliche zu erleben."

Eine andere Userin ruft sogar zum Boykott auf. "#Wiekrassistdasdenn?" fragt Userin Christine auf Twitter. Für sie gibt es nur eine Konsequenz: "Gibts nur eine Reaktion. Wer macht mit? Kein #Schiurlaub mehr in #Kitzbühel und auch kein #Bergwandern im Sommer."

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Die Jungfraubahn am Fuße der verschneiten Eiger Nordwand.

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