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Alm-Tourismus: Tödliche Kuh-Attacke: Österreich stellt nach Todesfall Verhaltenskodex für Wanderer auf

Den Angriff einer Kuh auf eine Wanderin in Österreich endete tödlich. Um künftig die Gefahren für Spaziergänge auf Almen zu verringern, stellte die Regierung Österreichs nun neue Regelungen für Anwohner und Touristen auf.

Österreich stellt nach Todesfall Verhaltenskodex für Wanderer auf

"Es geht um das gute Miteinander von Landwirtschaft und Tourismus auf Österreichs Almen", so Österreichs Kanzler Kurz

Getty Images

Wer in den österreichischen Alpen wandert, sollte künftig, auch im eigenen Interesse, einen Verhaltenskodex beachten. Dieser wird aus Leitlinien bestehen, die die österreichische Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) für den Beginn der neuen Almsaison ankündigte.

Anlass des am Montag vorgestellten "Aktionsplans für sichere Almen" ist eine tödliche Kuh-Attacke auf eine deutsche Wanderin 2014, die mit ihrem Hund unterwegs war. Eine Kuh sah durch den Vierbeiner ihr Kalb bedroht und schaltete auf Angriff. Dieser endete für die Wanderin tödlich. Der Landwirt wurde daraufhin zur Zahlung einer Schadenersatzsumme an die Hinterbliebenen verurteilt. Laut dem erstinstanzlichen Urteil muss er dem Witwer und dem Sohn der Verstorbenen rund 180.000 Euro sowie eine monatliche Rente an die beiden in Höhe von insgesamt rund 1.500 Euro zahlen. Der gesamte Streitwert des Prozesses lag bei rund 490.000 Euro, wie der österreichische Sender "ORF" auf seiner Website berichtete.

Gutes Miteinander auf Österreichs Almen

Wer sich nicht an den Verhaltenskodex halte, für den habe das im Schadensfall rechtliche Konsequenzen, meinte Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Dass auch er bei der Präsentation des Aktionsplanes mitwirkte, immerhin begleitet der Kanzler auch in Österreich das zweithöchste Amt im Staat, unterstreicht die Bedeutung der Vorhaben für die österreichische Regierung. "Es geht um das gute Miteinander von Landwirtschaft und Tourismus auf Österreichs Almen", sagte Kurz während der Präsentation.

Der Verhaltenskodex solle ähnlich wie die zehn FIS-Regeln, also die Regeln, die für Skifahrer gelten, die Eigenverantwortung in den Mittelpunkt stellen. "Jeder, der auf den Almen unterwegs ist, muss sich bewusst sein, dass er selbst Verantwortung trägt", sagte Köstinger.

Zu gefährlichen oder gar tödlichen Zwischenfällen war es vor allem dann gekommen, wenn Wanderer Hunde dabei hatten und die Mutterkühe ihre Kälber beschützen wollten. Einem Hundeverbot auf Almen erteilte Köstinger jedoch eine Absage. 

Für die 25.000 Betriebe, die in Österreich in der Almwirtschaft tätig seien, habe das Urteil große Verunsicherung geschaffen, hieß es. Nun soll zusätzlich auch der Versicherungsschutz für Landwirte verbessert werden.

Bürgerliches Gesetzbuch wird ergänzt

Wie die Zeitschrift Top Agrar auf ihrer Website berichtet sind konkret drei Maßnahmen vorgesehen:

  • Es wird einen Verhaltenskodex für Wanderer auf Almen und Weiden geben. Dieser wird den Abstand von Wanderern zu Mutterkühen und das Verhalten der Wanderer mit Hunden festlegen.
  • Ein Ratgeber für Alm- und Weidewirtschafter wird ausgearbeitet. Dieser beinhaltet Punkte wie Hinweistafeln, Einzäunungen, Abgrenzungen etc.
  • Im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch Österreichs wird ein Passus ergänzt, wonach im Schadensfall auf einer Alm der Verhaltenskodex herangezogen wird, sodass sich Haftungsfrage leichter klären lassen.

Ähnliche gesetzliche Regelungen für Deutschland sind einstweilen nicht vorgesehen. Wie ein gutes Miteinander zwischen Mensch, Rind und Vierbeinern aussehen kann, stellte jüngst der bayerische Bauernverband in einem Flyer zusammen. Er trägt den Titel "Hund und Kuh auf Du und Du" und kann hier heruntergeladen werden.

Quellen: "ORF" / Top Agrar / DPA 

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km

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