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Pamplona: Stiere jagen Touristen

Das Stiertreiben von Pamplona ist beinahe so umstritten wie berühmt. Während die Einheimischen zumeist noch wissen, was sie tun, riskieren viele Touristen ihre Gesundheit oder sogar ihr Leben.

Zehntausende Einwohner von Pamplona und Touristen aus der ganzen Welt haben am Donnerstag in der spanischen Stadt den Beginn des traditionellen Festes zu Ehren des Lokalpatrons San Fermin gefeiert. Wie in jedem Jahr gab eine Rakete den Startschuss für die neuntägigen Feiern, deren Hauptattraktion die umstrittenen Stierrennen sind. Bei den Stiertreiben ("encierros") werden von diesem Freitag an jeden Morgen je sechs Kampfstiere durch die Gassen der Altstadt bis in die Arena gejagt. Es werden bis zu eine Million Besucher aus aller Welt erwartet. Feierlustige aus Spanien, dem Rest Europas und auch aus den USA und Australien drängen sich in den engen Gassen der Altstadt, viele traditionell in weiß und rot gekleidet.

Spiel mit dem Tod

Das Stiertreiben von Pamplona dauert in der Regel kaum mehr als zwei Minuten, gilt jedoch als lebensgefährlich. Auf der 825 Meter langen Strecke zur Stierkampfarena stürzen und verletzen sich in jedem Jahr zahlreiche Teilnehmer auf dem Kopfsteinpflaster. Das letzte Opfer war der Amerikaner Matthew Tassio, der 1995 von einem Stier durchbohrt wurde.

Neu ist in diesem Jahr das "Hatz-O-Meter", ein von der örtlichen Universität entwickeltes Computerprogramm. Damit können potenzielle Teilnehmer das Risiko ermitteln, das Fest auf einer Trage zu verlassen. Es ist eine Art Test, bei dem bestimmte Fragen nach sportlicher Leistungsstärke, Kenntnisse der Grundregeln oder psychischer Einstellung beantwortet werden müssen. Auf einer Skala von 0 bis 10 erfährt der Nutzer dann, ob er geeignet ist oder sich das Ganze lieber aus sicherer Entfernung von den Holzabsperrungen aus anschauen sollte. Auch über Internet kann der Test gemacht werden.

Mutprobe oder Tierquälerei?

Auch in diesem Jahr wird das Stiertreiben wieder von Protesten der Tierschützer begleitet. Für den Deutsche Tierschutzbund ist die Hatz eine als Kulturtradition getarnte Tierquälerei. "Wer das Stiertreiben in Pamplona oder irgendwelche anderen Stierkämpfe als fröhliches und traditionelles Ereignis feiert, verschließt die Augen vor Tierleid und dem äußerst grausamen Umgang mit den Tieren", hieß es in einer Erklärung. Auch die spanische Regierung müsse endlich aufwachen und dieses Spektakel nicht länger dulden.

Buntes Treiben mit Ernest Hemingway

International bekannt wurde das Treiben durch den Roman "Fiesta" von Ernest Hemingway aus dem Jahr 1926. Als der amerikanische Schriftsteller (1899-1961) in den 20er Jahren erstmals die Stierhatz von Pamplona miterlebte, hatte sich kaum mehr als eine Hand voll Fremde dorthin verirrt.

Dass das Spektakel heute bis zu eine Million Menschen anzieht, darunter zahllose ausländische Touristen, hat die Kleinstadt vor allem dem US-Schriftsteller zu verdanken: In seinem Roman «Fiesta» setzte er der Stierhatz 1926 ein literarisches Denkmal. Heute erinnert eine Bronze-Büste vor der Arena an Hemingway. Überall in der Stadt gibt es Souvenirs mit seinem Bild zu kaufen.

AP/DPA / AP / DPA

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