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Twitter-Zwischenfall beim Billigflieger: Easyjet verwehrt kritischem Passagier das Boarding

Kein Verständnis für Kritik zeigt Easyjet. Einen Fluggast, der sich per Twitter über eine Verspätung beschwerte, wollte der Billigflieger nicht mitfliegen lassen. Nur durch einen Trick kam er an Bord.

Raue Sitten herrschen bei der britischen Fluggesellschaft Easyjet. Statt sich für einen unpünktlichen Flug zu entschuldigen und eine hilfreiche Auskunft zu erteilen, fischte das Bodenpersonal einen Passagier aus der Warteschlange am Gate, der sich zuvor per Twitter über die Verzögerung seines Fluges geärgert hatte. Er sollte nicht an Bord dürfen, das Personal verweigerte ihm den Flug, wie die Zeitung "Independent" berichtet.

Der britische Fluggast Mark Leiser wollte am Dienstagabend mit Easyjet von Glasgow nach London fliegen und mit dem Zug weiter nach Portsmouth in Südengland reisen. Doch am Gate wurden den Passagieren mitgeteilt, dass sich der für 21.20 Uhr geplante Abflug um mehr als eine Stunde verzögern wird.

Der britische Universitätslehrer fragte daraufhin die Mitarbeiter am Gate, wann der letzte Zug von London-Gatwick in die Innenstadt fährt. Als Antwort auf seine Frage bekam er die Information, dass Easyjet nur zwischen zwei Orten hin und her fliege und nicht für die ganze Reisekette verantwortlich sei, wie der "Independent" berichtet. Auch ein Militärangehöriger, der nach Portsmouth wolle, würde seinen Anschluss verpassen, habe ihm die Airline-Angestellte gesagt.

Easyjet-Mitarbeiter liest Tweets in Echtzeit

Nach dem kurzen Wortwechsel zückte Passagier Leiser sein Smartphone und twitterte: "Flug um 90 Min. verspätet. Soldat verpasst letzten Anschluss. Easyjet weigert sich die Kosten zu erstatten, um nach Portsmouth zu kommen."

Anscheinend muss der Glasgower Flightmanager an seinem Arbeitsplatz über einen Internetzugang verfügt und den Tweet gelesen haben. Denn kurze Zeit später fischte ihn ein Easyjet-Mitarbeiter vor allen Leuten aus der Warteschlange am Gate, fragte, ob er Gepäck aufgeben habe, und verweigerte ihm den Flug.

Leisers nächster Tweet lautete: "Manager von Easyjet sagt, ich könnte nicht an Bord, weil ich Easyjet auf Twitter vor dem Boarding kritisierte." Während andere Passagiere bereits an Bord gingen, wurde Leiser vom Manager belehrt: "Wenn sie Tweets wie diese senden, glauben sie doch nicht, noch an Bord zu kommen", heißt es im Medienbericht.

In letzter Minute an Bord

Eine derartige Behandlung ließ der Twitterer nicht auf sich sitzen. "Ich war keine Bedrohung, sondern nur kritisch. Ich nenne es freie Meinungsäußerung", erwiderte Leiser dem Mitarbeiter am Gate, der daraufhin wissen wollte, ob er etwa Anwalt sei? In der Tat: Leiser zückte seinen Ausweis. Erst als der Mitarbeiter sah, dass es sich bei dem Passagier um einen Hochschullehrer für Recht an der Universität Strathclyde in Glasgow handelte, ließ er den Kunden in letzter Minute an Bord.

Nach der verspäteten Landung in Gatwick erfuhr der Twitterer, dass er die letzte Verbindung nach Downtown London gar nicht verpasst hatte, denn die Flughafen-Züge verkehren die ganze Nacht durch. Auf Nachfrage bedauerte Easyjet den Zwischenfall. Einem Passagier sei wegen Aktivitäten in sozialen Netzwerken noch nie das Boarding verweigert worden - nur wegen störendem Verhalten.

Inwischen twitterte Leiser das Thema seiner nächsten Vorlesung - der Titel lautet: "Free speech & social media".

tib

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