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"Emirates Palace": Wie aus Aladdins Wunderlampe

Royales Ambiente verheißt das Emirates Palace in Abu Dhabi - als offizielles Gästehaus des superreichen Emirats. Da zugleich Hotel, kann sich auch jeder Normalsterbliche hier verwöhnen lassen. Gerade erst hat sein Spa eröffnet: eine orientalisch-opulente Oase zum Relaxen.

Von Ulrike Wirtz

Schon das Haupttor zum Emirates Palace ist 40 Meter hoch und 36 Meter breit. Damit bleibt Abu Dhabis Triumphbogen nur wenig hinter dem L'Arc de Triomphe in Paris zurück, der es auf 49 Meter Höhe bei 45 Meter Breite bringt. Also riesig diese Pforte zur Luxusherberge im größten der Vereinigten Arabischen Emirate VAE.

Ob das Pariser Wahrzeichen Wimberley Allison Tong & Goo, die englischen Architekten des Emirates Palace, als Vorbild diente, ist nicht bekannt. Sie arbeiteten jedenfalls mit passenden Proportionen. Der Palast misst immerhin auf seiner Längsachse 1,3 Kilometer - nur das Gebäude, nicht das Grundstück. Das hat, noch ein Superlativ, eine Million Quadratmeter. Ein kleines Haupttor passt hier gar nicht.

Ein majestätisches Bauwek

Majestätisch thront der nicht enden wollende Bau in mattem Bordeaux auf der Halbinsel, über die Abu Dhabi in den Persischen Golf hineinragt. Majestätisch auch die Zahl der Kuppeln, die den Palast ganz in orientalischem Design zieren. 114 sind es, von klein bis riesig, die größte hat 42 Meter Durchmesser.

Winzig wie ein Puppenhaus wirkt im Vergleich dazu der alte Scheichpalast im Zentrum. Der stammt aus der Zeit, als das Emirat noch mit dem Tauchen nach Perlen und dem Handel damit mäßige Einkünfte generierte.

Dann machten immense Ölvorkommen Abu Dhabi immens reich, was auch beim Repräsentieren zum Quantensprung führte. Die Erfolgsstory begann mit Scheich Zayed, Herrscher von 1966 bis 2004. Auf ihn folgte Khalifa II. Der wird gedacht haben, bei seinem offiziellen Gästehaus müsse derart Glanz und Gloria erlaubt sein.

Schließlich beherbergt der Khalifa im Emirates Palace seine offiziellen Staatsbesucher. Schließlich erlaubt er auch gut zahlenden Reisenden, sich dort einzumieten. Dann ist da noch der vergleichsweise arme Nachbar Dubai mit seiner Renommierbleibe Burj Al Arab. Da kann sich Abu Dhabis Ruler nicht lumpen lassen.

Er behält jedoch die Zufahrt durch den mit Kuppel, Rundbögen und Zinnen verzierten Steinklotz den Staatsgästen vor. Deren Limousinen rollen vom Tor auf eine steile Rampe, die auf der fünften Etage in Terrassen mündet - mit Platz satt für diverse Länderspiele.

Auch Merkel war schon bei Aladdin

Das alles geschieht fernab vom übrigen Hotelbetrieb und erlaubt dem hohen Besuch, ungesehen in seine Gemächer zu entschwinden. Zuvor passiert er marmorne Gänge mit Wänden, die in Gold und Silber glänzen, mit üppigen Kristalllüstern und gewaltigen Fauteuils, die einfach zum Probesitzen verführen. Kanzlerin Merkel war schon hier, ebenso US-Außenministerin Rice und viele mehr.

Dieses Entree lernt Otto-Normal-Gast nicht kennen. Der nimmt den Eingang weiter links, der bis auf den Schlagbaum unspektakulär ist. Dann aber geht es vorbei an Hunderten von Wasserfontänen, bevor der Wagen unter einem gewaltigen Vordach stoppt. Auch nicht schlecht und Auslöser mancher Ahs und Ohs.

Vier Autos passen hier spielend nebeneinander, hintereinander passt ein ganzer Fuhrpark. Allein der hoteleigene umfasst diverse Rolls Royce Phantoms, Maybachs und Siebener BMWs - alle in weiß. Auch sonst fährt an Automarken alles vor, was sehr gut und sehr teuer ist.

Aber nur keine Berührungsängste: Wer im simplen Taxi kommt, wird ebenso first class von den Doormen empfangen. Diese Dienste tun hoch gewachsene Massai wie Harrison aus Kenia. Er hatte mir mit charmantem Lächeln galant die Taxitür geöffnet, parlierte in bestem Englisch: "Ich arbeite seit 2003 im Hotel und war schon in der Bauphase dabei. 2006 haben wir aufgemacht. Unser Team hat jetzt 1000 Leute aus 50 Nationen."

Das Luxus-Labyrinth

An der Rezeption empfängt den Gast dann außer dem üblichen Personal ein guter Geist von der Abteilung Guest Relation. Der steht jedem, der eincheckt, zur Seite, ist weiblich, hübsch und trägt eine Art Frack zu schwarzem kurzem Rock. Der Frack schimmert in Bordaux-Blau, hat knöchellange Rockschöße und sitzt figurbetont auf Taille.

Die Damen erledigen für den Neuankömmling die Formalitäten, organisieren sein Gepäck und geleiten ihn zum Zimmer. Das ist nicht nur Luxus, sondern schlicht nötig beim ersten Kontakt mit dem weitläufigen Haus. Gut, dass an jeder wichtigen Ecke Sicherheitsleute postiert sind und immer wieder beim Navigieren helfen.

Die imposante Größe des Palasthotels bringt einen weiteren Nachteil mit sich, zumindest für Bequeme. Denn die Wege gerade auch innen sind weit, sehr weit - nicht nur für die Gäste. "Unser Team von Guest Relation läuft mindestens zehn bis zwölf Kilometer pro Arbeitstag. Wie gesagt, das Haus ist allein 1,3 Kilometer lang", sagt Gerhard Bosse, Hotelmanager im von Kempinski geführten Emirates Palace. Lauffaule können sich über 140 Lifte und diverse Rolltreppen freuen. Letztere tragen vom Lobbylevel zu Parterre hinab und wieder hinauf.

In Parterre geht es zum Strand, der nur Hausgästen zugänglich ist. Der Sand blitzt weiß auf unter der Wüstensonne, das Meer schillert je nach Lichteinfall azurblau oder jadegrün. Aufs riesige Areal mit Palmen und Rasen passte gut noch ein Golfplatz. "Das ist nicht vorgesehen", erwidert Manager Bosse. Aber sicher nicht, weil es an Geld fehlt.

680 Quadratmeter große Suiten

Das Interieur strotzt nur so vor Marmor und Mosaiken, alles Handarbeit. Güldene Ornamente schmücken die Kapitelle voluminöser viereckiger Marmorsäulen. Und erst diese 42 Meter breite und 60 Meter hohe Kuppel, die der größte Dom der Welt sein soll. Hier ist der Mittelpunkt des Palastes, seine Hauptkreuzung sozusagen.

Von hier geht es zu den 400 Zimmern und Suiten, zu diversen Restaurants, ob mit libanesischer oder italienischer Gourmet-Küche, zum Ballsaal und ins Auditorium mit 1100 Sitzen. Im September gastiert hier Weltstar Lionel Ritchie.

Dass das Ambiente nicht unangenehm protzig wirkt, liegt am luftigen Raummaß. Und gerade auch an der gekonnten Farbwahl innen, die sich vor allem zwischen hellbeige, terrakotta und braun bewegt. Trotzdem wird manchem Gast je nach individuellem Geschmack das alles von allem zu viel sein. Trotzdem lässt sich das ertragen, denn Prunk und prächtiger Service tun bekanntlich nicht weh.

Auch die Gästezimmer sind vom Feinsten, selbst die kleinsten sind schon 55 Quadratmeter groß. Natürlich kein Vergleich zu den Palace Suiten im sechsten und siebten Stock mit ihren 680 Quadratmeter.

Und die Gemächer der sechs Herrscher aus den Emiraten, die mit Abu Dhabi die VAE bilden? "Rulers Suites" steht am Liftknopf zum achten Stock, doch ohne Zugangscode kein Zutritt. Deren Suiten seien auch nur jeweils 680 Quadratmeter - so jedenfalls Bosse.

Das Spa für Jedermann

Ob Zimmer oder Suite, ob Staatsgast oder Hotelgast - alle werden von Butlern verwöhnt, 40 an der Zahl. Zu denen gehört Song aus Südkorea. Er besorgt zum Beispiel einen der 110 Laptops, die Hausgäste gratis entleihen können, und stellt den kostenlosen Wireless-Zugang her.

Er packt auf Wunsch den Koffer aus, organisiert ein opulentes Blütenbad und richtet die Raumbeleuchtung ein. Die wird über ein Hightech-Teil gesteuert, das einfach zu oft macht, was es will. Das frustriert, weil es unter anderem auch Fernseher und DVD managt. "Wir arbeiten an einer einfachen Lösung", tröstet Song. Er ordert auch den Golfcart, falls ein Transport draußen zu einer der beiden Pool-Landschaften gewünscht ist. Wie gesagt, manche Wege sind sehr weit.

Der Butler arrangiert auch Termine im Anantara Spa. Nur verwöhnen lassen - das lässt sich dort besser jeder selbst. Das Spa fehlte bisher, hat endlich Ende Juni aufgemacht und ist, wie könnte es anders sein, ein Traum in orientalisch-elegantem Design - wie aus Aladins Wunderlampe gezaubert und gemanagt von MSPA International, der renommierten Spa-Company aus Thailand.

Auch die Herrscherfamilien lassen sich im Anantara massieren, ölen, im Hammam schrubben und so fort. Sie kommen nur nachts, wenn kein anderer mehr Zutritt hat zum Spa. Sie nehmen dann auch den Eingang für Jedermann.

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