Am Vulkan Erta Ale Krater-Frühstück


Eine Landeplatz-Befeuerung der besonderen Art war das: Unser Helikopter parkt direkt neben dem Vulkan-Krater des Erta Ale. Die brodelnde Lava erhellt den Abend-Himmel.

Das Wochenende im Norden Äthiopiens war unvergesslich. Am Samstag sind wir am Nachmittag über Makale zu einem der wenigen aktiven Vulkanen auf diesem Planeten geflogen, dem Erta Ale. Der Erta Ale ist einer der wenigen Vulkane weltweit, in dessen Caldera sich ein aktiver Lavasee befindet. Der Krater hat einen Durchmesser von 50 m und ist 85 m tief, auf halber Höhe befindet sich eine Terrasse, die aus erstarrter Lava entstanden ist. Und diese Terrasse diente und als Helikopter-Landeplatz.

Volles Risiko

Wir sind gegen 17 Uhr gelandet - keine ganz unproblematische Angelegenheit für Roberto, unseren Piloten, da es wahrscheinlich einer der ersten, wenn nicht der allererste Helikopter war, der jemals hier gelandet ist. Und da die Oberfläche am Kraterrand fast ausschließlich aus Lava besteht, bilden sich beim Abkühlen oft Blasen, die von oben wie eine ganz normale Gesteinsformation aussehen. Es ist jedenfalls möglich, dass man ahnungslos auf so einer Blase landet und - bums - alles in sich zusammenbricht. Aber wir hatten Glück und haben festen Untergrund gefunden.

Das Risiko hat sich gelohnt, denn der Sonnenuntergang am Kraterrand war atemberaubend. Über dem Krater hing im Dunkeln ein intensiver roter Schimmer. Die brodelnde Lava im Inneren glühte tief rotorange und sorgte auch am Kraterrand für extreme Hitze von 40 bis 50 Grad. Wer da reinfällt, wird gekocht. Die Nacht haben wir auf Matratzen unter freiem Himmel geschlafen. Man hörte die kochende Lava aus dem Krater brodeln.

Am anderen Tag sind wir bereits vor Sonnenaufgang aufgestanden und haben ein kleines Frühstück am Kraterrand zu uns genommen. Leider waren ein paar Wolken am Himmel, was die Möglichkeit noch gute Fotos zu machen stark beeinträchtigte. Gegen 8 Uhr startete unser Helikopter dann wieder und wie sind nach Lalibela geflogen, wieder mit Zwischenstopp in Makale zum Auftanken.

Das Altötting Äthiopiens

Lalibela oder Neu-Jerusalem ist eine heilige Stadt und Wallfahrtsort in Äthiopien. Das kleine Dorf mit ca. 8000 Einwohnern hat elf Kirchen, die komplett aus einem Felsen geschlagen sind. Von oben angefangen haben im 12. Jahrhundert tausende von Arbeiter zunächst die Außenwände freigelegt, dann Fenster und Türen geschlagen und dann mit der Aushöhlung der Innenräume begonnen. Das ganze hat "nur" 23 Jahre gedauert. Lalibela ist damit der wichtigste christliche Ort Afrikas.

Mit unserem Abflug in Lalibela sind die ersten 14 Tage unseres Abenteuers um. Vor genau zwei Wochen haben wir Hamburg im Regen verlassen. Luftlinie von Addis Ababa, der äthiopischen Hauptstadt: 5580 Kilometer. Und bis Kapstadt sind es noch einmal über 5000. Somit haben wir mehr als die Hälfte der Strecke hinter uns. Doch vor uns liegen noch ganze sechs Wochen, denn wir werden uns ab jetzt wesentlich mehr Zeit nehmen und im Zickzack die restlichen Länder erkunden.

Michael Poliza

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