Durchgefallen 700 Meter hoher Wolkenkratzer auf Ground Zero


Sieben Star-Architekten haben ihre Entwürfe zum Wiederaufbau von Ground Zero vorgestellt. Fünf sind gescheitert, darunter Sir Norman Foster mit seinem 700 Meter hohen Doppelturm.

Aus dem Häusermeer von Manhattan wird bald wieder der höchste Turm der Welt emporragen, jedenfalls wenn New York den Visionen international führender Architekten zustimmt. Einer dieser Pläne sieht den Bau eines knapp 700 Meter hohen Wolkenkratzers auf Ground Zero vor. Das vor 15 Monaten von Terroristen zerstörte World Trade Center (WTC) war nur 417 Meter hoch; das mit 451 Metern derzeit höchste Gebäude der Welt steht in Kula Lumpur. Zu den in New York präsentierten Entwürfen gehört auch eine Struktur mit der Gestalt eines Phönix. Ein anderer Bau gleicht der Doppelhelix, der Form des genetischen Bausteins DNA.

Der in Berlin ansässige Star-Architekt Daniel Libeskind möchte an Stelle des WTC einen 590 Meter hohen Turm errichten, dazu ein Museum und einen «Platz für Reflexionen», auf dem das Sonnenlicht jedes Jahr am Morgen des 11. September ohne Schatten einfallen soll. In Berlin schuf Libeskind das Jüdische Museum.

Sieben aus 400
«Wir wollen unsere Skyline um mächtige Symbole anreichern», sagte der Präsident der Gesellschaft für den Wiederaufbau von Südmanhattan, Lou Tomson, während der dreistündigen Präsentation, bei der jeder Architekt seine Ideen persönlich erläuterte. Die unter dem Kürzel LMDC bekannte Gesellschaft hatte neun Entwürfe von sieben der einflussreichen Vertreter zeitgenössischer Architektur unter mehr als 400 Vorschlägen ausgewählt.In die engere Wahl kamen außer Libeskind dessen Kollegen Richard Meier, Steven Holl, Rafael Vinoly, Peter Eisenman, Greg Lynn, Norman Foster, Charles Gwathmey, Ben van Berkel und Shigeru Ban. Die «New York Times» merkte am Mittwoch in einem Kommentar an, dass seit der Planung des UNO-Hauptquartiers 1947 nicht mehr so viele berühmte Architekten sich mit New York befasst hätten.Erste Entwürfe abgelehnt
Die Entwürfe einer ersten Runde im Juni waren von der New Yorker Bevölkerung als einfallslos und langweilig abgelehnt worden. Der Gewinner dieser Runde soll bis zum 31. Januar bekannt gegeben werden.

Meier, der unter anderem das Getty Museum in Los Angeles entworfen hat, will außer Büro-, Hotel- und Wohnfläche auf Ground Zero eine «Memorial Plaza» mit einer Kette von 2800 Lichtern auf dem benachbarten Hudson River bauen - ein Licht für jedes Opfer der Terroranschläge auf das World Trade Center.Die Gruppe United Architects hat fünf futuristische Gebäude vor Augen, die zusammen eine Art Schleier um eine Gedenkstätte in ihrer Mitte ergeben sollen. Besucher des Memorials würden durch diesen «Schleier» hindurch in den Himmel schauen. Foster hat die Idee eines «Twinned Tower», eines zweigeteilten Wolkenkratzers mit drei Verbindungsebenen. Auf der mittleren soll ein Stadion mit Blick auf den Hudson entstehen. Die oberste Ebene hat das Team um Foster für eine Gedenkstätte an die Opfer des 11. September reserviert.Viele Entwürfe schließen Museen, Konferenzzentren und Theater ein. Andere schlagen einen «Park der Helden» oder eine Grünanlage mit dem Namen «Die Hängenden Gärten von Babylon» ein. «Wir haben hier Ideen, die nicht nur in unserer Zeit, sondern alle Zeit befriedigen sollen», erklärte LMDC-Vorsitzender John Whitehead. «Sie sollen auch unsere Kinder und ihre Kinder noch ansprechen.»


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