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Entführung in Ägypten: Wenn das Risiko mitreist

Seit den Anschlägen in den neunziger Jahren erhöht die ägyptische Regierung die Sicherheit im Land. Im stern.de-Interview erklärt Peter-Mario Kubsch, Geschäftsführer des Touristikunternehmens Studiosus Reisen, wohin Touristen sicher reisen können - und welche Gebiete sie meiden sollten.

Herr Kubsch, hat sich die Sicherheitslage für Touristen in Ägypten in den letzten Jahren verändert?

Die Sicherheit in Ägypten ist je nach Region unterschiedlich. Im Niltal hat sich die Lage in den letzten Jahren stabilisiert. Grund ist die starke Präsenz der Sicherheitskräfte und der auch hier überall geltenden Vorschrift, Überlandfahrten nur im Konvoi unter Polizeischutz durchzuführen. Auch für große Teile der Sinai-Halbinsel besteht aktuell keine erhöhte Gefahr. Dies gilt sowohl für die wichtigen Badeorte im Süden als auch für das Katharinenkloster.

Im Gegensatz dazu ist die Situation im Norden der Halbinsel seit mehreren Jahren sehr angespannt. Die Lage in der Sahara hat sich in den letzten Monaten zunehmend verschlechtert. Es gab in mehreren nordafrikanischen Ländern Hinweise auf eine zunehmende Entführungsgefahr. Fehlende Grenzkontrollen und die mangelnde Präsenz der Sicherheitskräfte in den Weiten der Wüste ermöglichen es kriminellen und terroristischen Gruppen, auch grenzüberschreitend tätig zu werden.

Wie sicher kann man sich jetzt als Tourist in Ägypten fühlen?

Für Touristen, die sich in den gut erschlossenen Landesteilen zwischen Rotem Meer und dem Niltal sowie zwischen Abu Simbel und Kairo bewegen, hat sich die Sicherheitslage durch die Entführung in der Wüste des Gilf Kebir nicht verändert. Auch wenn es seit zwei Jahren keine neuen Vorfälle mit terroristischem Hintergrund gab: Grundsätzlich sind neue terroristische Aktionen nicht vollkommen auszuschließen. Im Gegensatz zu vielen anderen Reisezielen gibt es in Ägypten jedoch nur eine sehr geringe Alltagskriminalität. Raubüberfälle und selbst Taschendiebstähle kommen sehr selten vor.

Wie sehen die Sicherheitsmaßnahmen genau aus?

Nach dem Attentat in Luxor 1997 oder den Anschlägen wie 2005 in Sharm el Sheikh hat die ägyptische Regierung auf die Terrorgefahr durch islamistische Organisationen reagiert: Die Sicherheitskräfte haben ihre Präsenz in allen touristischen Zielen im Land massiv verstärkt: Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten, alle Hotels und die Anlegestellen der Nilkreuzfahrtschiffe sind von Polizeikräften bewacht. Überlandfahrten wie beispielsweise von Assuan nach Abu Simbel oder nach Luxor sind nur im Konvoi und mit Polizeibegleitung gestattet.

Wie sicher sind Regionen abseits der touristischen Hauptziele?

Grundsätzlich sind für alle Wüstenexpeditionen eine Registrierung beim letzten Checkpoint und eine Sicherheitsbegleitung vorgeschrieben. Für das von Touristen seltener besuchte Nildelta und die Mittelmeerküste gilt die gleiche Sicherheitseinschätzung wie für Kairo und das Niltal. In abgelegenen Wüstengebieten besteht seit längerer Zeit ein Entführungsrisiko. Es gab Anhaltspunkte dafür, dass sich das Risiko im internationalen Kontext in der Sahara in den letzten Monaten weiter erhöht hat.

Welche Touristen reisen in die Wüste des Gilf Kebir?

Die Wüste des Gilf Kebir ist sicher ein Spezialgebiet für Abenteuer- und Expeditions-Veranstalter. Es war aber auch das seit längerem bestehende Entführungsrisiko, das uns dazu bewogen hat, auf Reisen in diese abgelegene Region Ägyptens zu verzichten.

Interview: Leonie Seifert

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