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Eröffnung des höchsten Gebäudes der Welt: Hoch, höher, Dubai

Der Superlativ in der Wüste ist eingeweiht. Neben einem pompösen Feuerwerk gab es für das höchste Gebäude der Welt gleich am ersten Tag einen neuen Namen - aus Burj Dubai wurde Burj Chalifa.

Von Swantje Dake

Fassungslos steht man zu seinen Füßen. Legt den Kopf weit in den Nacken und sieht die Spitze doch nur mit Mühe. Geblendet von der Fassade, die glitzert und glänzt. Und weil der Dunst über Dubai nicht selten das Ende des Giganten verschluckt. Vor 50 Jahren stand hier nur ein einziges Haus aus Beton. Und nun das: Das höchste Gebäude der Welt, bislang "Burj Dubai" genannt. Das gigantische Bauwerk in der Wüste ist jetzt eröffnet. "Wir erblicken den Triumph der Vision Dubais, das scheinbar Unmögliche zu schaffen und neue Limits zu setzen", sagt Mohammed al-Abbar, Chef der Projektfirma Emaar Properties. Zurückhaltung? Nie gehört. Understatement? Ja, warum denn?

Heute jährt sich zum vierten Mal der Machtübernahme von Scheich Mohammad Ben Rasched el Maktum. Ein perfektes Datum für die Einweihung des neuen Superlativs. Der nicht nur mit einem opulenten Feuerwerk gefeiert wird, sondern auch einen neuen Namen erhält: "Burj Chalifa", benannt nach dem Herrscher von Abu Dhabi und dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Scheich Chalifa bin Said al-Nahjan. Kürzlich half das Nachbaremirat Dubai aus einer finanziellen Klemme. Als Dank gab es nicht nur den Namen, sondern auch eine zurückhaltende Feier. Abu Dhabi gibt sich konservativer, liebt es traditioneller. Statt Popstars und grellbunte Shows gab es arabische Tänze und einen Kinderchor. 6000 Gäste bestaunten Feuerwerk, Wasserfontänen und Lichtinstallationen.

Erst der Mythos, dann die Fakten

Wer anstrebt, einen Superlativ zu bauen, muss mit Fakten protzen. Doch die Dubaier Bauherren knausern - auch eine Art, den Mythos zu überhöhen. Über exakte Höhe und die Anzahl der Stockwerke waren die Architekten zu Stillschweigen verpflichtet. Heute, am Tag der Eröffnung, will man mit diesen Zahlen glänzen. Es sind nicht die vielfach kolportierten 818 Meter oder die 824,55 Meter, die ebenfalls durch das Internet geisterten. Es sind 828 Meter geworden. Wobei es kaum eine Rolle spielt, ob es 160 Stockwerke oder mehr als 200 Etagen sind. Wichtig ist nur: Der Burj Chalifa ist das höchste Gebäude der Welt, das höchste freistehende Bauwerk, er hat die meisten Etagen, hier gibt es das am höchsten gelegene bewohnte Stockwerk und den längsten Aufzugweg. Und der bislang höchste Turm, der Tower 101 im taiwanesischen Taipeh, verkümmert zu einem erbärmlichen Abklatsch.

Im Inneren des Turms der Türme

Wenig ist über das bekannt, was sich hinter der funkelnden Fassade befindet. Es wird 900 Luxusappartements geben, darunter einige mit dem Label "Ultraluxus" deklariert. Was das heißt? Nun ja, es wird nicht preisgünstig sein. Denn die Drei-Zimmer-Wohnung im 63. Stock, die für 1,8 Millionen Euro zu haben ist, ist nur die "Luxusvariante". Ferner wird es ein Hotel geben mit 160 Zimmern und Suiten und mehr als 140 Wohnungen, von Giorgio Armani designt, ein weltweites Novum. Hinzu kommen: das vierstöckige Fitnessareal, eine Aussichtsplattform auf Etage 124 in 442 Meter Höhe, zwei Außenpools im 43. und 76. Stock, deren Wasseroberfläche mit der Terrassenkante abschließt, der Aussicht wegen. Es eröffnet ein Restaurant im 122. Stockwerk, die Büros verteilen sich bis in die 160. Etage. Dutzende Aufzüge schnellen in die Höhe. Nie von ganz unten nach ganz oben, nur in Etappen ist der Aufstieg zu meistern. So um die 8000 Bewohner sind zu erwarten. Und die Kosten? Pah! Als ob das so wichtig sei. 1,8 Milliarden US-Dollar stehen im Raum.

Hoch ja, aber bitte schnell

Koste es, was es wolle. Schnell musste es gehen. In nur zwei Wochen stand der Entwurf der Architekten des Chicagoer Büros von Skidmore, Owings & Merrill (SOM), deren Spezialität Hochhäuser sind. Baubeginn war im September 2004. Bis zu 14.000 Arbeiter haben den Burj Dubai hochgezogen. Die meisten von ihnen billige Gastarbeiter aus Indien, Pakistan und Bangladesch. In Zwölf-Stunden-Schichten wurde rund um die Uhr geschuftet, bei teilweise unmenschlichen Temperaturen. Es gab Phasen, da brauchten sie nur drei Tage für ein Stockwerk. Ende 2008 sollte das Bauwerk fertig sein. Dann wurde die Eröffnung mehrfach verschoben, Begründungen gab es nicht. Nun soll der Pomp ein wenig zurückgenommen, dafür die Sicherheit erhöht worden sein.

Für die Technik, die Statik und die Bauweise werden sich die wenigsten Bewohner und Bewunderer interessieren. Ganz zu schweigen von den Emissionen und dem Energieverbrauch. Ärgster Feind des Giganten: der Wind, der in der Wüste ganz ordentlich pusten kann. Daher hat Architekt Adrian Smith die wendeltreppenartige Fassade ersonnen. Sie soll an eine Lilie erinnern, aber in erster Linie ist sie praktisch, denn die umlaufenden Stufen brechen den Druck des Windes. Die Spitze soll so maximal 1,20 Meter schwanken. Für den Feuernotfall soll es feuerfeste Räume geben, die den Flammen mindestens drei Stunden standhalten. Den Käufern der Appartements bleibt überlassen, ob sie diese Information beruhigt.

Aus deutschen Landen

Zumindest wurde für den Bau viel getüftelt. 330.000 Kubikmeter Beton und 31.400 Tonnen Stahl wurden verbaut. Nur eine der viele Aufgaben für die Ingenieure: Wie bekommt man Beton in diese Höhe, ohne dass er auf dem Weg hart wird? Noch dazu bei Temperaturen um 40 Grad. Erstens: Man betoniert nur nachts. Zweitens: Ein deutscher Chemiekonern entwickelt einen Stoff, der Beton erst sehr weich und dann sehr hart werden lässt. Und ein deutscher Pumpenhersteller liefert noch nie zuvor benötigte Hochleistungspumpen.

Rund drei Dutzend deutsche Unternehmen trugen zum Zustandekommen dieses Wunderwerks bei. Tiefbauarbeiten aus Bayern, ein Schalungssystem für Betondecken aus Baden-Württemberg, Sonnenschutzglas aus Sachsen-Anhalt, Scharniere aus Nordrhein-Westfalen, wie auch das Parkett - natürlich deutsche Eiche. Toiletten, Küchengeräte und das Porzellan im Armani-Hotel sind ebenfalls aus deutscher Hand.

Doch der Glanz des Burj Chalifa soll nicht von Dauer sein. Das nächste größte Gebäude der Welt ist schon in Planung. Der "Al Burj Dubai", zu Deutsch: "Der Turm Dubais", entsteht in der Nachbarschaft. 900 Meter sind hier die Wunschvorstellung. Und dann war da noch ein Turm in den Startlöchern. Mehr als einen Kilometer in den Himmel wollte die Firma Nakeel bauen lassen. Diese beiden Höhenflüge der Bauherren am Persischen Golf sind vorerst gestoppt. Das Geld ging aus. So könnte die weltweite Finanzkrise die Halbwertzeit des Burj Chalifa ein wenig verlängern.

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