Kempinski Peking Die Luxus-Kommune im Schatten der Mauer


Chinas ungewöhnlichstes Hotelprojekt, das sogar auf der Biennale in Venedig vorgestellt wurde: Vor den Toren Pekings haben zwölf asiatische Architekten ein Ensemble von Design-Pavillons entworfen. Mit privatem Zugang zur Chinesischen Mauer.
Von Andreas Srenk

Nichts deutet auf das besondere Hotel, wenn man das hügelige Shuiguan-Tal fährt. Anderthalb Autostunden nördlich von Peking stehen in einem acht Quadratkilometer großen Grünareal 32 Villen und zehn Chalets mit je sechs bis acht Zimmern. Kein Gebäude gleicht dem anderen. Die Philosophie des Zusammenlebens in jeder Villa lautet: Wer nicht gleich das ganze Haus für sich und seine Freunde anmietet, trifft in den Wohnzimmern der Commune by the Great Wall automatisch auf andere Gäste.

Eine junge chinesische Geschäftsfrau, Zhang Xin, hatte vor elf Jahren die Idee, einen asiatischen Country Club als Gegenmodell zu westlichen Anlagen dieser Art ins Leben zu rufen. Als komfortables Refugium für den heimischen Geldadel. Die resolute Frau beauftragte zwölf asiatische Architekten und ließ ihnen viel Raum zur freien Gestaltung. Der Tokioer Kengo Kuma, der für das Frankfurter Museum für angewandte Kunst das Teehaus gestaltete, entwarf die "Bamboo Wall" im japanischen Stil mit Tatami-Matten, Raumteilern aus Bambus und tiefergelegten Badewannen.

Andere wie der Venezolaner Antonio Ochoa, der in China lebt, klotzten mit einer riesigen Dachterrasse auf dem "Cantilever House". Wer dort steht, blickt auf die Chinesische Mauer, zu der ein steiler Trampelpfad hinter dem Haus hinaufführt. Welches Hotel kann von sich behaupten, seinen Gästen einen Privatzugang zu dem grandiosen Bauwerk zur Verfügung zu stellen? Hier genießt abends der Hotelgast fast allein den Postkarten-Sonnenuntergang, während sich wenige Kilometer weiter Tausende von Touristen über die öffentlich zugänglichen Abschnitte der "Great Wall" schieben.

Durch die Abgeschiedenheit der Anlage erlebt man das, was die meisten Hotelprospekte versprechen, aber selten einlösen: himmlische Ruhe. Verlässt man seine Villa, um im zentralen Clubhaus zu frühstücken, empfangen einen auf dem fünfminütigen Spaziergang herbstliches Blätterrauschen und Vogelgezwitscher. Trifft man auf einen der 400 Angestellten, kann es leicht passieren, dass man in ein kleines Gespräch hineingezogen wird. "Fühlen Sie sich wohl hier?" Ja, gar nicht wie in einem gewöhnlichen Hotel.

Bohnenmilch zum Frühstück

Das zentrale Clubhaus wirkt wie ein Landsitz an der amerikanischen Westküste: viel poliertes Edelholz, große Fenster, mächtige Tische und bequeme Stühle. Das Frühstück ist eine Mischung aus westlicher Biokost mit frisch gepressten Säften und chinesischen Köstlichkeiten, die allerdings früh am Morgen für den westlichen Magen gewöhnungsbedürftig sind. Wer steht schon auf Bohnenmilch?

Am Abend werden nordchinesische, kantonesische und Szechuan-Spezialitäten serviert. Wer einmal die "Topfkleber", gefüllte Teigtaschen, oder einen scharfen Feuertopf probiert hat, möchte in Deutschland kein China-Restaurant mehr aufsuchen. Dazu empfiehlt Hoteldirektor Yves Wencker einen chinesischen Wein. "Die heimischen Tropfen sind oft von guter Qualität", sagt er. Er muss es wissen, denn Wencker wuchs im Elsass auf. Der Service im Hotel und Restaurant ist unaufdringlich, die Atmosphäre entspannt. Niemand steht hinter einem Pfeiler und lauert auf ein Handzeichen des Gastes. Trotzdem ist immer jemand zur Stelle, wenn man etwas braucht.

Ein Hotelkozept als Kunstprojekt

Wencker, der fast auf allen Kontinenten in der Hotellerie gearbeitet hat, wurde 2005 von Kempinski in die "Commune" geschickt, als die Hotelgruppe das Management übernahm. "Mich reizte es, in einer Art lebendem Design- und Architekturmuseum zu arbeiten. Das ganze Projekt ist so anders als alle Hotels, in denen ich bisher war. Das Konzept wurde sogar auf der Biennale in Venedig ausgezeichnet, das einzige Mal, das einem Hotel diese Ehre zuteil wurde." Ein Architekturmodell dieser Anlage ist als erstes chinesisches Dauer-Ausstellungsstück sogar im Pariser Centre Pompidou zu sehen.

Wer steigt an einem so außergewöhnlichen Ort ab? "60 Prozent der Gäste sind Chinesen. Hier gibt es inzwischen viel Geld. Der Rest kommt aus den USA, Großbritannien, Frankreich und aus Deutschland." Dass es sich nicht nur um Geschäftsreisende handelt, die hier zu Strategie-Konferenzen zusammenkommen, zeigt der sehr große Kinderklub, in dem der Nachwuchs mehrsprachig betreut wird. Allen Gäste werden von der Commune by the Great Wall Ausflüge in die exotische Natur, chinesische Kochkurse angeboten. Wer möchte, kann auch Chinesisch lernen. Keine schlechte Investition in die Zukunft.


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