Malediven Mehr Freiheit für das Insel-Paradies


Der neu gewählte Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed, will alle bislang geltenden Bewegungseinschränkungen für ausländische Touristen aufheben.

Kaum ein Tourist weiß, dass der Autokrat Maumoon Abdul Gayoom seit November 1978 die Malediven regiert. Dem am längsten herrschenden Machthaber Asiens wurden diktatorische Züge vorgeworfen.

Jetzt kündigte Nasheed (41), der die Maledivische Demokratische Partei (MDP) anführt, eine weitreichende Demokratisierung an. Der frühere politische Gefangene hatte sich am Mittwoch in einer Stichwahl gegen den 71-jährigen Gayoom durchgesetzt.

"Wir werden das Land ohne Restriktionen öffnen", so Nasheed. Die meist westlichen Touristen dürfen sich bislang nur auf Hotelinseln, in der Hauptstadt Malé oder auf bestimmten Besucherinseln in den Atollen aufhalten. Grund war die befürchtete Verfremdung der Kultur des muslimischen Landes. Diese Einschränkungen machten in einer zunehmend vernetzten Welt keinen Sinn mehr, sagte Nasheed.

Tourismus als Haupteinahmequelle

Gayoom akzeptierte Nasheeds Wahlsieg und kündigte eine geordnete Übergabe der Amtsgeschäfte binnen zehn Tagen an. Nasheed sagte, er hege keinen Groll gegen Gayoom. "Vergeben ist sehr wichtig." Es werde "keine Hexenjagd" geben. Seine Regierung werde Menschenrechte und Grundfreiheiten respektieren.

Nasheed sagte, er sei sich der Abhängigkeit vom Tourismus, der größten Einnahmequelle der Inselkette, sehr bewusst. "Deutschland ist einer unserer größten Tourismusmärkte." Mit einer demokratischen Regierung in Malé sei es Urlaubern nun möglich, mit einem "besseren Gewissen" auf die Malediven zu reisen. Durch die Öffnung der von Einheimischen bewohnten und bislang abgeschotteten Inseln wolle man Besuchern ermöglichen, "ein Teil von uns zu sein" und die Kultur besser kennenzulernen. Seine Regierung wolle das Land außerdem stärker für Handel und ausländische Investitionen öffnen.

Der kleine Staat am Äquator mit seinen rund 385 000 Einwohnern besteht aus 1190 Koralleninseln, von denen rund 200 bewohnt sind. 87 Inseln sind Touristen-Resorts. Tourismus und Fischerei sind die Haupteinnahmequellen der Bewohner. Die Malediven sind bei westlichen Urlaubern - und wegen ihrer Korallen- und Fischvielfalt besonders bei Tauchern - sehr beliebt.

DPA


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