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Queensland nach der Flut Brisbane bangt um Besucher


Aufgrund des Hochwassers haben Australien-Besucher ihre Reisepläne geändert und umgehen Queensland. Nach der großen Flut folgt die Touristenflaute. Das verunreinigte Regenwasser gefährdet auch das weltberühmte Great Barrier Reef.

Die Stadt Brisbane im Nordosten Australiens ist nicht nur Hauptstadt des Bundesstaates Queensland, sondern auch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Touristen aus aller Welt. Die Metropole mit 1,5 Millionen Einwohnern gilt als das Tor zu Traumstränden, wildem Hinterland, tropischen Regenwäldern und dem Great Barrier Reef. Aber das Hochwasser, das die Stadt vergangene Woche heimsuchte, hat Tonnen von übelriechendem Schlamm und Unrat hinterlassen, Hotels beschädigt, Cafés zum Schließen gezwungen und Brisbanes Kunstbezirk außer Betrieb gesetzt.

"Wir sind auf Rucksacktouristen angewiesen, aber die haben derzeit Angst", sagt Lindsey Frazer vom Spezialanbieter Wicked Travel. "Sie wollen nicht zur Fraser Island oder zu den Whitsunday Inseln oder zur Gold Coast, weil sie befürchten unterwegs stecken zu bleiben." Im Cloud-9-Hotel ist die Zahl der Gäste deutlich gesunken. "Als das mit dem Hochwasser losging, war unser Haus ausgebucht, aber jetzt ohne Strom sind die Leute verängstigt", sagt der Mann am Empfang, Andrew Josey.

In Brisbanes Transit Centre sind Läden und Reiseschalter geschlossen. Urlauber drängeln sich, versuchen aktuelle Informationen über Zustand von Straßen und Verkehrsverbindungen zu bekommen. Balazs Czimmmermann aus Ungarn musste zu seinem Bedauern die von ihm geplante Fahrt zur idyllischen Fraser-Insel streichen. Auch sein ursprüngliches Quartier musste er wegen der schlimmen Flut verlassen.

Bedrohtes Weltnaturerbe

Queensland Hauptattraktion, das Great Barrier Reef, liegt am Rande des Überschwemmungsgebietes. Die von der Unseco als Weltnaturerbe anerkannte Naturschönheit lockt jedes Jahr rund zwei Millionen Touristen. Sie besteht aus rund 2900 Einzelriffen und ist Lebensraum für rund 14.000 Arten von Meerestieren. "Sobald die Wassermassen ins Meer ablaufen, wird es entlang des Riffs zu einer dramatischen Verschlechterung der Wasserqualität kommen", warnt Nick Heath von der Naturschutzorganisation WWF. Das Süßwasser schwemmt den für das Ökosystem giftigen Schutt ins Meer.

Der Chef des Australian Institute of Marine Science, Ian Poiner, ist noch aus einem weiteren Grund alarmiert. Das viele Süßwasser werde im Meer zum Tod von zahlreichen Fischen führen. "Die aktuellen Hochwasser sind größer, schmutziger und dadurch gefährlicher als in der Vergangenheit", sagte Heath. Das liege mitunter an der Abholzung der Wälder und der übermäßigen Landnutzung. Andere Forscher sind trotz der kritischen Lage optimistisch. Alison Jones von der Central Queensland Universität erwartet die vollständige Erholung der Riffe.

Nicht ganz Queensland ist betroffen

Gerade erst hatte die US-Talkshow-Diva Oprah Winfrey Episoden ihrer populären Show in Australien aufgenommen. Die australische Regierung zahlte dafür Millionen in der Hoffnung, die berühmte Talkerin werde Werbung für den fünften Kontinent machen und massenweise Touristen anlocken. Doch die verheerenden Überschwemmungen machten dem einen Strich durch die Rechnung.

Auch der starke australische Dollar wirkt sich negativ aus, wie John Lee, Geschäftsführer vom Tourism & Transport Forum, bemerkt. Viele einheimische Touristen animiere das zusätzlich, ins Ausland zu reisen statt ins überschwemmte Queensland. Die Überschwemmungen seien zwar dramatisch gewesen, gerade auch in Brisbane, aber nicht der gesamte Bundesstaat Queensland sei betroffen, sagt Daniel Gschwind, Chef von Queenslands Tourismusindustrierat. Die Tourismusattraktionen Goldcoast, Whitsundays und Cairns zum Beispiel hätten die Katastrophe unbeschadet überstanden.

Die Tourismusindustrie beschäftigt 200.000 Menschen und ist die zweitgrößte Exportindustrie nach dem Kohlebergbau. Dass die Branche sich wieder erholt, ist deshalb lebenswichtig für die gesamte Region. "Wir waren schon mit vielen tragischen Dingen konfrontiert wie der Lungenkrankheit Sars, der Schweinegruppe oder Terrorismus - und auch damit gehen wir locker um", gibt sich Gschwind optimistisch.

tib/AFP/DPA DPA

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