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Watercon Canyon in den USA geschlossen Der gefährliche Kult um Bären-Selfies


Die Selfie-Seuche schlägt wieder zu. Nun musste der Watercon Canyon in den USA  geschlossen werden. Der Grund? Die Besucher sind ganz verrückt nach Bären-Selfies.
 
 

Ein Selfie mit dem Kolosseum/Eiffelturm/Pyramiden im Hintergrund? Bah, voll langweilig. Das hat inzwischen jede Oma. Aber ein Grizzly in voller Größe - das ist was anderes. Die Gier nach einem herausragenden Selfie treibt bizarre Blüten. Im Nationalpark Watercon Canyon stöbern Besucher systematisch Tiere auf, um ein cooles Selfie mit einem Bären im Hintergrund zu machen. Deswegen musste der Nationalpark nun geschlossen werden. Eine drastische Maßnahme, denn der Park zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen in Colorado. 

Matt Robbins, der Sprecher von Colorado Parks and Wildlife, ist darüber nicht amüsiert. "Wir sagen, das ist schon eine dämliche und gefährliche Entwicklung. A.) sich wilden Tieren so sehr zu nähern und B.) ihnen auch noch den Rücken zuzukehren, insbesondere wenn es sich um Raubtiere wie Bären handelt."

 Auch wenn nicht jedes Selfie gleich zu einem Unglück führt, verändert die Fotosucht das Verhalten der Bären. Gewöhnt an die Nähe der Menschen verlieren sie ihre Scheu, Nahrung in der Nähe von Menschen zu suchen. Das traditionelle Konzept des Parks, die Sphären von Menschen und Tieren getrennt zu halten, wird damit ausgehebelt. "Die Situation hier ist nicht gut für die Sicherheit unser Besucher und auch nicht für das Wohlergehen der Tiere", klagt der Sprecher. Die Tiere ziehen immer den Kürzeren. Im Sommer wurde ein Wanderer in den USA weitab der Wege von einer Bärin zerfleischt, weil das Muttertier ihre Jungen schützen wollte. Unter Tierfreunden gab es einen nationalen Aufschrei, als die Bärin danach erschossen wurde und auch die Jungtiere getötet werden sollten. Für die National Parks ist das eine schwierige Situation. Egal was sie tun, werden sie massiv kritisiert.

Immer wieder führt der Selfietrend zu unglücklichen Situationen. Erst vor kurzem wurde das massenhafte Ei-Ablegen von Meeresschildkröten massiv gestört, weil sich die Zuschauer nicht wie früher am Rande des Strandes aufhielten, sondern für ein tolles Foto sogar auf den Tieren surfen wollten. Vor wenigen Wochen stürzte in Norwegen eine Touristin von einem spektakulären Felsüberhang, als sie das Gleichgewicht beim Posieren vor der Kamera verlor. Das Bären-Selfie-Problem plagt übrigens nicht nur die USA. Im abgelegenen und menschenleeren Kamtschatka im fernen Osten Russlands wurde erst kürzlich eine Warn-Broschüre veröffentlicht, weil auch die Russen allzu gern mit Bären posieren. 


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