Tag 15 - Weiter nach Vientiane Brückenschläge


Was verbindet Thailand und Laos? 1754 Kilometer Grenze – und nur eine einzige Brücke über den Mekong. So sind nicht nur wir, sondern auch Schmuggler per Boot unterwegs.

Sie tragen ein halbes Dutzend Wäschespinnen. Und einen Stapel Fahrradreifen. Und Kanister voller Benzin. Unter den Arm klemmen sie sich noch Glasflaschen mit klarer Flüssigkeit, es wird wohl schwarz gebrannter Reisschnaps sein. Hektisch schleppen sie Elektrogeräte hinauf zum Ufer, Pappkisten mit Mixern und Kochern, jedenfalls verspricht das die Verpackung. Erst als sie das sonore Brummen unseres Motors hören, halten die Schmuggler kurz inne. Doch das Schnellboot der Zöllner klingt anders – keine Gefahr. Und so arbeiten sie weiter, schnell muss es gehen, bis auf der schlecht einsehbaren Sandbank im Niemandsland zwischen Thailand und Laos das eine der beiden Boote beladen und das andere entladen ist.Kalter Kaffee aus der Thermoskanne weckt noch viel besser als warmer, weil es einen beim Trinken so richtig schüttelt. Vielleicht haben wir die Schmuggelei im größeren Stil deshalb zum ersten Mal entdeckt, weil wir heute noch früher als sonst mit unserem RIB gestartet sind und das laotische Dörfchen Ban Phoung bereits kurz nach Sonnenaufgang verlassen haben. Pirogen mit einigen Kisten zu viel für ein normales Fischerboot haben wir gestern schon gesehen, aber richtig geschmuggelt wird im Schutz der Nacht, wenn der Zoll nicht so genau hinschauen kann oder für genügend thailändische Baht wegsieht.

Opium als wichtiges Exportgut

Schon ein Preisunterschied von ein paar Cent macht die Schmuggelei hier am Mekong attraktiv - Thailand und Laos liegen nicht einmal fünf Minuten auseinander, wenn man einen guten Motor hat. Grenzpatrouillen gibt es keine oder sie verstecken sich so gut, dass nicht nur wir, sondern auch die Einheimischen sie nicht sehen. Und im armen Nordosten Thailands und dem noch ärmeren Laos finden sich immer Menschen, die sich für ein überschaubares Risiko für Transporte zur Verfügung stehen - was auch immer dann an Bord ist."Wenn schon nicht als legale Achse für den Handel, so ist der Fluss immerhin für den Schmuggel von Drogen interessant", sagt Expeditionsleiter Andy Leemann. Opium taucht zwar in keiner laotischen Handelsbilanz auf, soll aber eines der wichtigsten Exportprodukte des Landes sein. Obwohl eigentlich ebenfalls verboten, wandern auch Edelhölzer wie Teak und Mahagoni über die Grenze nach Thailand, wo man an den geplünderten Wäldern schon lange keinen Raubbau mehr betreiben darf. Still und heimlich schiffen sie die Frachter auf dem Mekong ins Land.

Schwimmende Staubsauger

Für den meisten Lärm auf dem Fluss, und das einmal ganz legal, sorgen die Schiffe, die mitten auf der Grenze im Mekong Kies und Sand schürfen. Die schwimmenden Staubsauger, mal mit laotischer, mal mit thailändischer Flagge, funktionieren auch als Verladestation und kippen das geförderte Gestein gleich auf Lastwagen.1754 Kilometer trennen Laos und Thailand, auf einem Großteil der Strecke fließt der Mekong als natürliche Grenze. Trotz der Nähe der beiden Länder gibt es nur eine einzige Brücke. Kurz nach der Stadt Nong Khai fahren wir unter ihr durch: "Freundschaftsbrücke" heißt der Koloss aus Stahl und Beton, den die australische Regierung vor gut zehn Jahren finanziert hat und unter der wir mit den verbliebenen Dosen Chang-Bier auf die Freundschaft anstoßen. Bleibt alles im Plan, dann soll ab 2006 eine zweite Brücke die beiden Städte Mukdahan in Thailand und Savannakhet, Laos, verbinden. Wir haben sie erst gestern gesehen, als wir nach den drei Tagen Zwangspause mit neuem Getriebe weiter gefahren sind.

Strom statt Edelsteine

"Der Mekong trennt immer noch mehr, als dass er verbindet", sinniert Andy Leemann und erzählt von den Hoffnungen der französischen Abenteurer, die glaubten, hier auf Edelsteine, Gold, Silber und Gewürze zu stoßen und nach vielen Strapazen nur ein paar arme Bauern fanden. Was es an festen Verbindungen aber häufig gibt sind keine Brücken, sondern Hochspannungsleitungen. "Laos kann Thailand zwar nicht viel bieten", sagt Andy. "Was aber im Nachbarland gerne sehen wird ist Strom, den brauchen die Thais für ihre boomende Wirtschaft." Den Mekong haben die Laoten zur Stromerzeugung zwar noch nicht gezähmt, verschiedene Zuflüsse sind aber schon mit Staudämmen kontrolliert. Erst vor ein paar Tagen stand in der Zeitung ein Jubel-Artikel über das Nam-Theun-II-Projekt. Mit Geldern der Weltbank werden 450 Quadratkilometer Wald überflutet und mehr als 10000 Menschen umgesiedelt, um noch mehr Energie erzeugen zu können. Im eigenen Land darf sich kaum Protest dagegen rühren, auch wenn die zunehmende Kontrolle über das Wasser die Menschen beunruhigt. Die Fischer am Mekong erzählen von Veränderungen im Wasserstand, die sie sich nicht natürlich erklären können. Manchmal zwei Meter in nur einer Nacht - das gab es früher nicht. Sie deuten den Fluss hinauf, in Richtung China. Dort liegt das weit größere Problem.Denn dort nehmen die Chinesen den Mekong gleich mit mehreren Dämmen in die Zange – und weitere sind im Bau. Ob wir sie am Ende der Expedition sehen können, wenn wir es bis nach China schaffen?

Von Helge Bendl

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