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Thailands Elefanten: Verehrt und verbannt

Die thailändischen Elefanten - eine der größten Touristenattraktionen des Landes - stehen vor einer ungewissen Zukunft. In den Städten will die Regierung sie nicht haben, in der Wildnis herrscht Futtermangel.

Wenn Wanpen zum Pinsel greift, kann sie sich der Aufmerksamkeit hunderter Zuschauer sicher sein. Keine 20 Minuten dauert es, bis auf der Leinwand vor ihr ein bunter Blumenstrauß entsteht. Von der Tribüne brandet Beifall auf, wenn die fünf Jahre alte Elefantendame ihr Malwerkzeug beiseite legt; umgerechnet bis zu 20 Euro zahlen Besucher des Mae Sa-Elefantencamps nahe Chiang Mai in Nord-Thailand für Werke Wanpens. Als dressierte "Künstlerin" muss sich die graue Riesin wie um ihre Zukunft nicht sorgen, ebenso wie die anderen 74 behüteten Dickhäuter in Mae Sa. Ihren über 4000 zahmen und wilden Artgenossen anderswo geht es indes weit schlechter.So dachte erst kürzlich Bangkoks Gouverneur Samak Sundaravej laut über eine besonders rabiate Methode nach, die schätzungsweise 100 "Straßenelefanten" in der Millionenmetropole loszuwerden. "Ich würde den Premierminister gerne fragen, ob wir die Tiere erschießen können, damit ihre Führer es künftig nicht mehr wagen, sie hierher zu bringen", gab er zu Protokoll. Von ihren Führern - den Mahouts - häufig aus dem armen Nordosten des Königreichs nach Bangkok gebracht, dürfen Touristen die Dickhäuter gegen Entgelt füttern.

Lukrativer Verdienst

Für die Tiere heißt das oft Qual: Immer wieder werden sie von Autos angefahren oder fallen in Straßengräben. Die Behörden ärgern aber vor allem die von den Elefanten verursachten Verkehrsstaus. Die Regierung kündigte unlängst wieder einmal an, die Kolosse ein für alle mal aus Bangkok zu verbannen. Doch schon früher sind solche Pläne im Sande verlaufen. Die Mahouts kamen trotzdem, alleine schon wegen des lukrativen Verdienstes von umgerechnet um die 800 Euro im Monat. In ihren Dörfern hingegen müssen Führer und Tiere untätig herumsitzen: Einst als genügsame Arbeiter in der Forstwirtschaft geschätzt, gelten seit einem Abholzungsverbot von 1989 die meisten der mehr als 2000 zahmen Jumbos in Thailand als arbeitslos. Staatliche Auswilderungsprogramme scheiterten am Geld.

Futtermangel bedroht die Dickhäuter

An Alternativen mangelt es. "Hat man schon darüber nachgedacht, was passiert, wenn man sie aus Bangkok wirft? Im Nordosten gibt es für sie doch nichts zu fressen", fragte der Sprecher der 'Elefanten-Stiftung Thailand', Pittaya Homkrilas, schon vor drei Jahren. Wenig scheint sich geändert zu haben. Die zahmen wie auch die rund 2000 wilden Dickhäuter seien inzwischen vom Aussterben bedroht, da das Futter immer knapper werde, sagte Suriya Ruampattana, Chef eines Elefanten-Dorfes in der Provinz Surin, anlässlich des 'Nationalen Elefanten-Tages' am 13. März. Illegale Rodungen und die Umwandlung von Waldflächen in Plantagen raubten ihnen die Lebensgrundlage. Statt die Dickhäuter aus Bangkok zu verweisen, sollte sich die Regierung eher um die Not von Tier und Führer kümmern, fordert Suriya.

Musizieren und Fußballspielen gegen das Aussterben

Auch Anchalee Kalmapijit, Direktorin des Mae Sa-Elefantencamps, sieht politischen Handlungsbedarf. Gesetzesschutz für jene Tiere, die das Landeswappen zieren, gebe es nicht: "Ein Elefant hat einen Stellenwert wie ein Auto - jeder kann einen haben und mit ihm machen, was er will. Auch töten", sagt die Chefin des 1976 gegründeten Camps, wo die Tiere vor Urlaubern nicht nur malen, sondern auch Fußball spielen, musizieren und nicht zuletzt auch den Nachwuchs der bedrohten Spezies sicher stellen. Um die künftigen Elefanten-Generationen sollte sich der Staat nach Anchalees Meinung ebenfalls kümmern. "Man muss über neue Gesetze nachdenken, aber das wird wohl Jahrzehnte dauern. Bis dahin gibt es keine Elefanten mehr."Hungernde und arbeitslose Dickhäuter in Camps unterzubringen und ihnen Kunststücke für Touristen beizubringen, ist ihrer Ansicht nach auch nicht immer eine Lösung - schon jetzt tummelten sich zu viele schwarze Schafe in der Branche, sagt Anchalee Kalmapijit, deren Elefantenstation von der Regierung ausgezeichnet wurde. "Es gibt Camps, in denen die Tiere auch umgebracht werden", berichtet sie.

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