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Wurstfest in New Braunfels: German Gemütlichkeit in Texas

Es geht um die Wurst: Die Bewohner des texanischen New Braunfels feiern Anfang November das größte deutsche Volksfest Amerikas. Sie halten die Wurzeln ihrer deutschen Vorfahren hoch. Statt angezapft wird angebissen, auch der Große Opa ist eine US-Erfindung, und stellenweise nimmt die Deutschtümelei ein wenig überhand.

Von Axel Gerdau

Die Blaskapelle spielt auf. Bärtige Männer in Lederhosen heben ihre Bierkrüge und junge Mädchen im Dirndl laufen zurück ins Festzelt, als die ersten Töne erklingen. "Ein Prosit der Gemütlichkeit", schallt es aus hundert Kehlen. Draußen dreht sich ein Riesenrad im Abendlicht und vom Karussell hallt Kinderlachen herüber. Der Duft von Bratwurst liegt in der Luft. Deutscher Frohsinn - mitten in Texas.

Das Städtchen New Braunfels, 30 Minuten nördlich der Millionenmetropole San Antonio gelegen, feiert das größte deutsche Volksfest der USA. Mehr als 120.000 Besucher werden in diesem Jahr zum "Wurstfest" kommen, angelockt von Volksmusik, Weißbier und, natürlich, Wurst. "Wir haben 1961 ganz klein angefangen mit einem Treffen der Dorfschlachter", sagt Bürgermeister und Wurstfest-Präsident Bruce Boyer stolz. Er wirbt: "Heute können Sie deutsche Lebenslust in Amerika nirgendwo besser feiern als hier."

Deutsche Wurzeln seit 1845

Ein wichtiger Ort in der deutsch-amerikanischen Geschichte ist New Braunfels auf jeden Fall. 1845 ließen sich hier die ersten deutschen Siedler im fast noch menschenleeren Texas nieder. Ihre Überfahrt und Unterbringung wurde von einem Mainzer Adelsverein organisiert, der in Zeitungen mit einem Neuanfang in der Neuen Welt warb - und damit gutes Geld verdiente. Allein in den ersten fünf Jahren zogen 4000 Deutsche in das Dorf, das über die Jahre hinweg zu einer Stadt mit 50.000 Einwohnern gewachsen ist.

Bis zum Ersten Weltkrieg wurde dort in den Schulen, Kirchen und im Rathaus fast ausschließlich Deutsch gesprochen, ähnlich wie in den umliegenden Kommunen, die gemeinsam auch als "German Belt" bekannt sind. Doch lange wird das Texas-Deutsch, ein Mischdialekt der im Verlauf von 150 Jahren entstanden ist, wohl nicht mehr überleben, sagt Sprachwissenschaftler Hans Boas von der Universität von Texas: "Die letzte deutschsprachige Zeitung erschien 1954 und Schulkinder lernen heute hauptsächlich Spanisch. Das ist praktischer an der Grenze zu Mexiko."

Geld aus Germany

Pragmatisch ist auch das Ziel vom "Wurstfest", das im kommenden Jahr sein 50. Jubiläum feiert. Natürlich wollen die Veranstalter an die deutschen Wurzeln ihrer Heimatstadt erinnern und dabei viel Spaß haben. Aber gleichzeitig denken Sie an die lokale Wirtschaft. Mehr als 10 Millionen Dollar sollen Besucher aus dem ganzen Land 2009 für Geschenkartikel, Hotelzimmer sowie Speis und Trank ausgeben. Geld, das gerade während der amerikanischen Wirtschaftskrise dringend gebraucht wird. Egal wie Deutsch Texas in Zukunft sein wird, gilt daher in New Braunfels wohl auch weiterhin: "The best times are the 'Wurst' times."

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