Gefängnis-Hotels "Haben Sie noch eine Zelle frei?"

Früher logierten die Gäste auf Staatskosten im "Hotel Alcatraz", zwar nicht freiwillig, dafür aber inklusive Vollpension und Haussport. Heute können sich Urlauber selbst in das ehemalige Gefängnis einbuchen, dass nun ein Hotel ist.

Häftlinge hätten das Zimmer billiger bekommen. Aber vom Aufenthalt für eine Nacht konnten sie nur träumen. In der ehemaligen Justizvollzugsanstalt Kaiserslautern sollen künftig Hotelgäste schlummern, für 45 Euro pro Übernachtung inklusive Zellenpyjama, Gefängnisfrühstück und beschränkter Aussicht aus kleinen Gitterfenstern. Im Mai soll das Knast-Hotel eröffnen. Nach Angaben des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA ist es das erste und einzige in Deutschland.

Der Mann, der die Reisenden in Deutschland hinter Gitter bringen will, ist Michael Koll. "Die Leute können hier ein richtiges Knast-Feeling bekommen", sagt der Rechtsanwalt aus Kaiserslautern. In dem Bau, der künftig "Hotel Alcatraz" heißt, soll es drei Trakte mit Zellenzimmern geben. Darin: ein originalgetreues Gefängnisbett, ein Waschbecken und eine Toilette - ohne Trennwand. Die Gemeinschaftsduschen liegen im Gang, es wird eine Bar und eine Lobby geben. "Es ist wie im Gefängnis. Der Unterschied ist, dass die Leute wieder rauskommen", erklärt Koll. Wer es nicht ganz so heftig wolle, könne sich eines der normalen Zimmer nehmen.

Wenn das Strandhotel zu langweilig wird

Vor zwei Jahren kaufte Koll zusammen mit seinem Juristen-Kollegen Andreas Kirsch das Gefängnis vom rheinland-pfälzischen Landesbetrieb Liegenschaften- und Baubetreuung. Rund zwei Millionen Euro investierten die Geschäftsleute in den ersten Bauabschnitt. Ein zweiter soll folgen, wenn sich das Modell lohnt. Die ersten Buchungen seien schon eingegangen, erzählt Koll. "Klar gibt es Menschen, die sagen, da will ich nicht rein, weil Schwerverbrecher drin saßen. Doch die Leute wollen heute auch was erleben. Manche wollen solch eine Nacht vielleicht jemandem zum Geburtstag schenken."

Die Schwerverbrecher aus Kaiserslautern sind mittlerweile in eine modernere Haftanstalt im rheinhessischen Wöllstein gezogen, das Gefängnis schloss im September 2002. "Oft sind Justizvollzugsanstalten baufällig und die Verhältnisse nicht mehr tragbar. Dann werden die Häftlinge verlegt und die Bauten verkauft", sagt die Sprecherin des rheinland-pfälzischen Justizministeriums. Auch in Mainz stehe ein Gefängnis leer, "das soll aber kein Hotel werden", betont die Sprecherin.

Der Hotelverband DEHOGA erklärt sich den abstrusen Wunsch, im Gefängnis zu schlafen, mit dem wachsenden Erlebnishunger der Reisenden. "Wir beobachten, dass immer mehr so genannte Themenhotels entstehen. Vielen Menschen sind Standardhotels heute zu unspektakulär", sagt DEHOGA-Sprecherin Stefanie Heckel. In alten Kohlehallen oder auch in Bordellen, wie in Hamburg, seien Hotels entstanden, die eine junge oder szenige Zielgruppe ansprechen.

Pilates statt Hofgang

Im Ausland ist das Schlafen in Ex-Gefängnissen bereits ein Renner: Im "Jailhotel Löwengraben" im Schweizer Luzern liegen die Gäste auf Pritschen und dünnen Matratzen und lugen durch kleine Fenster. "Für Menschen mit Klaustrophobie ist das sicher nichts. Aber wir sind gut gebucht. Vor allem von Leuten, die nur ein Bett brauchen und sich nicht lange in den Zimmern aufhalten", sagt Mitarbeiterin Olivia Peter.

Auf schicke Suiten statt Gitterfenster setzt dagegen das Liberty- Hotel in Boston an der US-Ostküste: Im Frühsommer sollen in dem Gefängnis aus dem 19. Jahrhundert die ersten Gäste empfangen werden. Im britischen Oxford lockt das Hotel Malmaison in historischem Knastgemäuer ebenfalls mit Luxus: Statt mit einem Auslauf im Gefängnishof können sich die Gäste hier in Pilates-Kursen fit halten.

Annette Reuther/DPA DPA

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