Raffles-Hotel Im Bett mit Legenden


Das Raffles Hotel in Singapur gehört zu den Ikonen der internationalen Spitzenhotellerie. Noch heute kann man in zehn Suiten den Geist von Weltstars hautnah erleben.
Von Oliver Jacobi

Es gibt ohne Zweifel eine Menge fantastischer Hotels in der Welt. Immer neue Superlative machen eine Bewertung nicht leichter und eine Empfehlung scheint manchmal schier unmöglich. Wellness-Tempel , Spa-Oasen, nie gesehene Quadratmeterzahlen, Gold und Lametta. Höher, schneller, weiter. Aber es gibt noch einige wenige Plätze, die zudem eine Historie aufweisen, Geschichten erzählen von vergangenen Zeiten und großen Persönlichkeiten. Ohne dabei im Muff von angestaubter Nostalgie zu versinken.

Singapur ist eine kleine Insel der Glückseligen in einer Welt der Ultra-Consumers. Lifestyle pur. Wenn man ihn so versteht. Aber es gibt jenseits dessen einen guten Grund Singapur zu besuchen: Das Raffles Hotel. Das ist nicht erst seit gestern so. Die Haute Voleé hat dieses Haus schon seit jeher zum must have auserkoren. Hier gaben sich "the rich and the famous" die Türklinke, der Hochadel hielt Hof. Es muss etwas dran sein an der Hotellegende Raffles, die bis heute Maßstäbe setzt. Der Kolonialbau lässt vermuten, aus welcher Zeit er stammt. Er hat einiges herüberretten können in die eher nüchterne Gegenwart von Singapur. Und entführt in eine verträumtere Vergangenheit. Ein lebendiger Klassiker.

Treffpunkt von Hollywood und Weltliteratur

Ava Gardner war zu ihrer Zeit die schönste Frau von Hollywood. Ihre dramatische Rolle in den Fünfzigern als "Barfüssige Gräfin" im gleichnamigen Film war auch für den gestandenen Megastar der Traumfabrik eine Herausforderung. Erholt hat sie sich in den weichen Kissen eines altmodischen Messingbetts im Raffles. Ein solches steht auch heute in der Ava Gardner Suite. Zeitgenössisches Interior mit sensationellen Spitzenvorhängen und Photos von der Erscheinung der glutäugigen Schönheit lassen den melodramatischen Glamour für kurze Zeit wieder aufleben. Charlie Chaplin war wahrscheinlich keine Schönheit im Sinne von Errol Flynn oder Gregory Peck. Wie kaum ein anderer hat er seine Zeit und das Zelluloid geprägt. Die Charakterrolle in "The little tramp" wurde in jeder Generation neu entdeckt, zeitloser Humor und Pathos machen ihn unsterblich. Auch Charles Chaplin fand seinen Weg in das Raffles. Fotos eines gemeinsamen Fotoshootings mit seinem Bruder im Jahre 1933 lassen den unvergesslichen Komiker für ein paar Nächte auferstehen. Auch literarische Schwergewichte suchten Obdach im Raffles. Pablo Neruda, Nobelpreisträger für Literatur. Was kaum jemand weiß: Neruda war von 1931 an fünf Jahre lang Konsul von Chile in Singapur. Und damals schon fasziniert vom Raffels. Heute erinnern in der ihm gewidmeten Suite seltene Drucke an das Werk dieses Ausnahmedichters. Der Geist seines Wortes ist jenseits seiner Werke wohl kaum so greifbar wie im Raffles. Auch den Namen des Pulitzer-Preis-Gewinners James A. Michener trägt hier eine Suite. Seit er als Soldat der US Navy 1949 das erste Mal das Hotel besuchte, fand er immer den Weg dorthin. "Jung sein und ein Zimmer im Raffles zu haben war "life as it´s best". Heute findet der Gast in der Suite eine große Auswahl der Werke von James Michener sowie ein Schreibpult, das dem Original nachempfunden wurde, auf dem er seine bekanntesten Romane mit der Feder aufs Papier gebracht hat. Weitere Suiten lesen sich wie das "who is who" internationaler Eliten. Somerset Maugham, Noel Coward, Andre Malraux oder John Tompson sowie Joseph Conrad und Rudyard Kipling haben in Suiten des Raffles eine immer währende Heimat gefunden. Heute können Bewunderer und Fans die Atmosphäre ihres Schaffens genießen. In einem Hotel, das auf recht einzigartige Weise Zugang zu dem Lebenswerk dieser Künstler gewährt. Auch für hochwohlgeborene Zielgruppen hatte das Raffles von jeher magische Anziehungskraft. Kurios, dass das Hotel bevorzugte Location für deren Geburtstagsparties war. Von Kaiser Wilhelm und Königin Wilhelmina bis zu King Edward und Königin Alexandra. Die fantastischen Dinners waren seit Sylvester 1900 einer der Schlager im Raffles und weltweiter Anziehungspunkt. Vom Krönungs-Dinner bis zur opulenten Gala eines Pferderennens oder einer musikalischen Orgie auf Sterne-Niveau schufen sich die Macher im Raffles ein unverwechselbares Markenzeichen.

Ein Mekka für Feinschmecker. Taittinger trifft Michelin

Dies zieht sich bis in die heutige Zeit durch. Gäste haben die Auswahl zwischen 13 Restaurants. Besonders zu empfehlen sind das Doc Cheng's, ein gelungener Mix aus den Küchen von Ost und West, der klassische Raffles Grill und das Royal China at Raffles. Ein Highlight ist das 11. "Raffles Hotel, Wine Food & Art Experience" vom 15 bis zum 19 Februar diesen Jahres. Kochen werden Michelin Sterneköche wie Alains Soliveres vom "Taillevent" in Paris mit drei Sternen oder die Zwei-Sterne-Chef Jacques und Laurent Pourcel vom" Le Jardin des Sens" in Montpellier. Annie Féolde von der "Enotecca Pinchiorri" in Florenz ist sicher einer der kulinarischen Höhepunkte. Das Drei-Sterne-Restaurant in der Toscana hat schlicht Kultstatus. Für einen edlen Tropfen sorgen Schwergewichte wie Pierre-Emanuel Taittinger oder Serena Sutcliffe M.W., eine der internationalen Autoritäten in Sachen Rebsaft. Aber auch die deutsche Winzerin Katharina Prüm vom Weingut J.J. Prüm in Wehlen. Wer sich heute noch als König fühlen will, sollte buchen. Wer das Besondere bucht, schnuppert auch noch ein Stück Luft von Hollywood oder Weltkultur in der passenden Suite. Für weitere Informationen: www.raffles.comTelefon: ++65 6337 1886Fax: ++65 6339 7650


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