Schnäppchen-Wochen New York haut auf die Pauke


"Paint the Town" ist die jährlich wiederkehrende Sparaktion in New York. Auf deutsch übersetzt heißt das etwa "Hau auf die Pauke". Und die Deutschen tun es. Bei Rabatten um die 50 Prozent sogar bis auf den letzten Cent.
<em>von Jens Maier</em>

Tüten, Tüten, nichts als Tüten - wohin das Auge blickt. Die Hände sind voll, die Augen weit aufgerissen. So schieben sich deutsche New York-Besucher derzeit durch die Straßen der Metropole. Grund für die Shopping-Euphorie: Der günstige Dollarkurs macht selbst die mit Designer-Läden gespickte Fifth Avenue zur Schnäppchen-Meile. Und noch bis Ende Februar läuft zusätzlich die Sparaktion "Paint the Town". Touristen erhalten dann zahlreiche Vergünstigungen, die in Hotels, Restaurants, Museen, für Broadway-Aufführungen sowie Sightseeing-Touren gelten.Der Höhepunkt des Kaufrausches dürfte aber während der "Tax-Free-Week" erreicht sein, die mit steuerfreien Einkäufen lockt. Vom 31. Januar bis 6. Februar erheben große Geschäfte keine Mehrwertsteuer - normalerweise 8,625 Prozent - auf Kleidungsstücke und Schuhe, die weniger als 110 Dollar kosten. Zusammen mit dem schwachen Dollar und den ohnehin günstigeren Preise für Konsumwaren in den USA lassen sich damit teilweise über 50 Prozent sparen. Herrscht in heimischen Gefilden eher Kaufzurückhaltung, schlagen deutsche Besucher in den bekannten Konsumtempeln des Big Apple richtig zu.

Man spricht deutsch

Und in der Tat: Man spricht deutsch auf den Straßen Manhattans. "Ich habe mir einen Last-Minute-Flug übers Internet gebucht und bin nur zum Shoppen hier", erzählt Oliver aus Hamburg. Er ist auf der Jagd nach Designer-Schnäppchen: Hemden von Prada, Schuhe von Louis Vuitton und Jeans von Calvin Klein stehen auf seiner Einkaufsliste. Einen Apple iPod Mini für 249 Dollar hat er schon erstanden, macht umgerechnet 190 Euro. "In Deutschland hätte ich dafür mindestens 60 Euro mehr bezahlt", brüstet sich der 27-Jährige stolz.Wie Oliver reisten im letzten Jahr fast 40 Millionen Touristen an, die Auslastung der Hotels liegt bei über 90 Prozent. Die Lufthansa-Flüge nach New York sind zu 87 Prozent ausgebucht. Keine Frage, der Big Apple boomt. Und gerade deutsche Besucher vergessen jenseits des großen Teiches gerne das Gejammer zu Hause und lassen den ein- oder anderen Dollar ohne Augenbrauenzucken springen. Tütenweise wird das Zeug in die Hotels geschleppt. Und die Ausrede ist immer die gleiche: "Ist ja alles so schön billig."Ob die Rechnung aufgeht, bleibt fraglich. Flugpreise und Hotelkosten schlagen mit einigen hundert Euro zu Buche. Der derzeit billigste Flug nach New York ist ab 369 Euro zu haben (Singapore-Airlines). Wer nicht privat unterkommt, muss in Manhattan mindestens 80 Euro pro Nacht für ein halbwegs anständiges Hotelzimmer hinblättern. Macht für zwei Tage New York summa summarum 530 Euro – mindestens! Taxikosten von und zum Flughafen, der abendliche Drink in der Bar und der Snack im Bistro um die Ecke nicht eingerechnet.

Rechnet sich die Reise?

Geht man von einer durchschnittlichen Ersparnis von 30 Prozent aus, müssten Waren im Wert von mindestens 2300 Dollar in den leer mitgebrachten Koffern der US-Touristen verschwinden, damit sich die Sache halbwegs rentiert. Dann freuen sich die deutschen Zöllner am Flughafen ebenso auf Besuch wie die freundlichen Damen in der Parfüm-Abteilung von Macy’s.Doch was soll die Rechnerei. Am Ende wird das Gefühl über den Verstand siegen. Das Gefühl nämlich, alles viel günstiger als zu Hause bekommen zu haben, auch wenn man sich hier die blauen Pradas verkniffen hätte. Und spätestens wenn der Schock der Kreditkartenabrechnung einen vier Wochen später einholt, sollte man die guten Stücke aus dem Karton holen.


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