Entführung in Ägypten Kein Badeurlaub mehr am Roten Meer?


Im Herbst wird der Winterurlaub gebucht. Aber nachdem fünf deutsche Urlauber im Süden Ägyptens verschleppt wurden, sind viele bei ihrer Reiseplanung verunsichert. Kann ich jetzt noch nach Ägypten fliegen?
Von Till Bartels

Das Land der Pharaonen gehört zu den klassischen Reiseländern. Hier wurde 1869 die Pauschalreise erfunden, als Thomas Cook für britische und amerikanische Touristen Anreise und Unterkunft organisierte, um die Pyramiden zu besuchten. Seitdem wächst der Tourismus und gehört in Ägypten zu den wichtigsten Einnahmequellen. Im letzten Jahr reisten zwölf Millionen Touristen aus der ganzen Welt zum Nil. Ein Rekordjahr.

Aber Attentate und Entführungen sorgen in den letzten Jahren immer wieder für schwankende Besucherzahlen: 1997 wurden bei einem Anschlag in der Nähe von Luxor 62 Personen getötet. 2005 explodierten auf der Sinai-Halbinsel in Naama Bay mehrere Bomben. Die Attacken der islamischen Terroristen trafen gezielt den aufstrebenden Tourismus.

Ägypten reagierte mit Sicherheitsmaßnahmen: Touristenbusse fahren bei Ausflügen im Konvoi mit Militärbegleitung, Straßenkontrollen stehen auf der Tagesordnung. Alle großen Pauschalhotels in den Tourismushochburgen in Hurghada und Sharm el Sheikh lassen sich nur durch Sicherheitsschranken mit Metalldetektoren betreten. Das Auswärtige Amt rät wie bei allen Reisen in nordafrikanische Länder: "Auch deutsche Staatsangehörige sind einem wachsenden Anschlags- und Entführungsrisiko ausgesetzt. Überlandfahrten im Saharagebiet sind zunehmend mit Risiken behaftet."

Die jüngste Entführung bedroht nicht den Massentourismus am Roten Meer. Nicht mitten in Kairo, Abu Simbel oder in der künstlichen Ferienstadt El Gouna wurden Touristen gekidnappt, sondern in der einsamen Wüste Gilf al-Kebir im Südwesten des Landes. Bei den am Freitag während einer Wüstensafari im ägyptisch-sudanesischen Grenzgebiet verschleppten Urlaubern geht es nicht um politische Motive der Kidnapper, sondern um Lösegeldforderungen.

Eine Million Deutsche in Ägypten

"Bei uns war gestern die Hölle los", sagt Martina Bier vom Ägyptischen Fremdenverkehrsamt in Frankfurt. Sie spricht von keiner Krisensituation, sondern von einem typischen Montag, wenn die Leute besonders viel Prospektmaterial anfordern. "Kein einziger hat bei uns angerufen, der verunsichert war oder seine Reise nach Ägypten stornieren wollte."

In der Vergangenheit, wenn touristische Ziele in der Türkei oder Ägypten von Anschlägen betroffen waren, profitierte meist Spanien mit den Kanaren von der Situation. Aber die Deutschen haben zu differenzieren gelernt. Die aktuelle Entführung hat keinen terroristischen Hintergrund, sondern einen kriminellen. Negative Auswirkungen auf das Reiseverhalten in Richtung Ägypten wird es kaum geben, der Herbst sei gut gebucht, so das Stimmungsbild bei den Veranstaltern.

Der Bade- und Tauchurlaub in Ägypten ist nicht bedroht. Nur bei Reisen mit Expeditionscharakter in den Südwestzipfel des Landes kann es zu Einschränkungen kommen. Das Auswärtige Amt rät dringend von Reisen in die Wüstengebiete im Südwesten Ägyptens ab. Das trifft allerdings nur auf einen Bruchteile von Touristen zu, auf wenige hunderte. Denn insgesamt reisten 2007 erstmals über eine Million Deutsche nach Ägypten. Pyramiden und Pharaonengräber lassen sich weiterhin besichtigen. Und wir wissen: Ein Restrisiko reist immer mit, in Ägypten und anderswo.


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