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Erstmals seit acht Jahren: Bahn verzichtet auf Preiserhöhung - im Fernverkehr

Die Ticketpreise bei der Deutschen Bahn bleiben stabil. Zum Fahrplanwechsel im Dezember verzichtet der Konzern erstmals seit 2002 auf eine Erhöhung der Tarife im Fernverkehr. Berufspendler jedoch müssen erneut tiefer in die Tasche greifen.

Gute Nachricht für die Bahn-Kunden: Die Deutsche Bahn verzichtet zum ersten Mal seit acht Jahren auf eine Fahrpreiserhöhung im Fernverkehr. Zum Fahrplanwechsel, der für den 12. Dezember vorgesehen ist, bleiben die Ticketpreise für ICE-, Intercity- und Eurocity-Verbindungen unverändert, wie der DB-Konzern am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilte. Auch an den Kosten für die Bahncard ändere sich nichts.

Preise im Nah- und Regionalverkehr steigen

Die schlechte Nachricht: Im Nah- und Regionalverkehr steigen die Fahrpreise im Schnitt um 1,9 Prozent. Der Personenverkehr-Vorstand der Deutschen Bahn, Ulrich Homburg, sagte, im Nahverkehr habe die Bahn im Gegensatz zum Fernverkehr nicht die Möglichkeit, völlig eigenständig über die Preise zu entscheiden. 60 Prozent der Einnahmen der Bahn im Regionalverkehr kämen aus der Zusammenarbeit mit Verkehrsverbünden. Dort stünden Preiserhöhungen von im Schnitt 2,4 Prozent an. Dieses Preisniveau wolle die Bahn nicht unterlaufen, um keinen Preiswettbewerb zu befeuern.

Zuletzt hatte es mehrmals Forderungen gegeben, die Preise wegen einer Serie von Pannen in den vergangenen Monaten nicht zu erhöhen. So waren etwa im Sommer bei extremer Hitze Klimaanlagen in ICEs ausgefallen. Homburg sagte jedoch, der Verzicht auf Preiserhöhungen stehe nicht in Zusammenhang mit der Pannenserie. Vielmehr wolle die Bahn neue Kunden gewinnen.

Auch Spezialfahrkarten werden teurer

Mit der allgemeinen Preiserhöhung im Regional- und Nahverkehr werden auch Spezialfahrkarten wie das Schöne-Wochenende-Ticket teurer, teilte die Deutsche Bahn mit. Das Schöne-Wochenende-Ticket koste am Schalter künftig zwei Euro mehr. Momentan verlangt die Bahn noch 39 Euro. Die Preise für Ländertickets steigen um einen Euro, wie der Konzern mitteilte. Die Preise für die Bahncard bleiben dagegen in diesem Jahr stabil.

In den vergangenen Jahren hatte die Bahn ihre Preise oft mit dem Verweis auf gestiegene Energiekosten erhöht. In der Krise aber waren die Preise gefallen, auch die Stromkosten für Industriekunden. Trotzdem hatte der Konzern die Preise im Krisenjahr 2009 erhöht.

Die Bahn glaube, trotz eines im Wirtschaftsaufschwung zu erwartenden Anstiegs der Strompreise auf höhere Fahrkartenpreise im Fernverkehr verzichten zu können, sagte Homburg. Nötigenfalls werde der Konzern jedoch auf höhere Stromkosten reagieren. Wenn die Strompreise anzögen, werde es "sicherlich auch wieder" zu Preissteigerungen bei Fahrkarten im kommen, sagte Homburg.

Kritik vom Verkehrsclub

Der ökologische Verkehrsclub VCD kritisierte die Preiserhöhung im Nah- und Regionalverkehr als ungerechtfertigt. VCD-Bahnreferentin Heidi Tischmann sagte: "Mehr als 90 Prozent aller Bahnreisenden sind im Nahverkehr unterwegs. Das umweltfreundliche Verkehrsverhalten darf nicht durch Anhebung der Fahrpreise bestraft werden."

joe/DAPD/AFP/DPA / DPA

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