Euro auf Allzeithoch Macht der starke Euro Amerika billig?


Der Euro hat am Mittwoch gegenüber dem Dollar sein Allzeithoch erreicht. Vor allem für Deutsche, die es in die USA zieht, hat das konkrete Auswirkungen. stern.de hat überprüft, welche Urlauber wie von dem Euro-Boom profitieren.
Von Jessica Braun

Im Grauman's Chinese, dem historischen Kino auf dem Hollywood Boulevard, läuft gerade "Halloween". Der Weg hinein führt über Zementplatten mit den Handabdrücken der Stars. Für Cineasten ist ein Abend dort der wahre Luxus. Für europäische USA-Touristen ist ein Kinoabend im Grauman's Chinese gerade so günstig wie nie. Der Grund: Es steht schlecht um den Dollar und gut für den Euro. Verantwortlich dafür sind der unerwartete Einbruch am Arbeits- und die anhaltende Krise am Immobilienmarkt in den USA. Mittlerweile hat der Euro ein Rekordhoch von 1,3882 Dollar erreicht. Nicht nur für Kurzentschlossene ist deswegen jetzt der richtige Zeitpunkt, ihre USA-Reise zu planen.

"Bei uns verändern sich die Preise für Hotelzimmer oft im Stundenrhythmus", so Markus Nierhaus von der Online-Zimmervermittlung HRS. HRS ist ein Broker für freie Zimmer. Hotels aus aller Welt offerieren ihre Betten auf der Website, legen selbst ihre Preise fest. "Viele Hotels orientieren sich mit ihren Preisen an denen ihrer direkten Konkurrenten", sagt Nierhaus. Abhängig von Angebot und Nachfrage, werden diese dann korrigiert. Oft nach unten. Der spontane Wochenendtrip nach New York kann so schon um einiges billiger werden, wenn man direkt bucht. Denn nicht nur die Zimmer werden günstiger. Der starke Euro wirkt sich auch auf die Flugpreise aus, weil die Flughafensteuern nicht mehr so zu Buche schlagen. Wer sich seine Reise jetzt selbst im Baukastenprinzip zusammenstellt, hat also deutliche Vorteile.

Pauschalreisende profitieren erst in der nächsten Saison

Da die Pauschalreiseveranstalter ihre Preise mit Veröffentlichung der Kataloge festlegen, kommen Reisende, die dort schon gebucht haben, nicht mehr in den Genuss von Preissenkungen. Der neue Kurs beeinflusst jedoch bereits jetzt die Kalkulation für die Sommerkataloge: "Unsere neuen Kataloge kommen im November heraus," so Anja Braun von der TUI-Konzernkommunikation, "Der Eurokurs wirkt sich dabei aber nicht nur auf Reisen in den US-Dollar-Raum aus, sondern auch auf Fernziele mit anderer Währung wie Südafrika." Günstiger werden vor allem die Gebiete, deren Währungen an den Dollar gekoppelt sind. Also auch Asien - dort insbesondere Thailand - , oder die Karibik. Boris Raoul, Geschäftsführer von FTI dazu: "Bei kurzfristig gebuchten Reisen schlägt sich der aktuelle Eurokurs schon jetzt positiv nieder. Wir haben reagiert und beispielsweise für das südliche Afrika die Preise bei über 60 Prozent unseres Angebots gesenkt."

Elektronik in den USA meist günstiger

Doch selbst, wer seinen USA-Trip schon vor Monaten bezahlt hat und jetzt mit gepackten Koffern an der Tür steht, kann sich über den guten Wechselkurs freuen. "Alle Reisenden profitieren derzeit vor Ort in den Zielgebieten bei den Nebenkosten," so Boris Raoul. Egal ob beim Essen im Restaurant, beim Kauf von Theaterkarten oder beim Bummel durch die Geschäfte - überall sind Schnäppchen drin. Besonders der Kauf von elektronischen Geräten lohnt sich. Wenn einen das Shoppingfieber packt sollte man aber beachten, dass auf Waren, deren Wert 175 Euro übersteigt, beim deutschen Zoll sogenannte Einfuhrabgaben fällig werden. Der Versuch, diese zu umgehen, kann teuer werden. Und die gesamte Reise damit auch.


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