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Luftverkehrsabgabe: Steuer treibt Fluggäste ins Ausland

Das war absehbar: Von der neuen Abgabe auf Flugtickets in Deutschland profitieren vor allem grenznahe Airports in den Niederlanden.

Von Jennifer Lachman und Jens Tartler

Die im Januar eingeführte Steuer auf Flugtickets hat an deutschen Billigflughäfen die Passagierzahlen absacken lassen. Am Drehkreuz von Ryanair , Hahn, wurden in den ersten sechs Monaten 12,8 Prozent weniger Passagiere gezählt als in der Vorjahresperiode. Der Flughafen Berlin-Schönefeld, den Easyjet und Germanwings ansteuern, schaffte nur ein kleines Plus von 1,4 Prozent - weit hinter dem Durchschnittswachstum von bundesweit rund fünf Prozent. Das geht aus Zahlen des Flughafenverbands ADV hervor, die der "Financial Times Deutschland" vorliegen.

Die Zahlen sind der erste belastbare Indikator, wie die Passagiere auf die Steuer von 8 bis 45 Euro je Ticket reagieren. So zeichnet sich ab, dass in Regionen, die an Belgien oder die Niederlande grenzen, viele Deutsche eine längere Anfahrt zu einem ausländischen Flughafen in Kauf nehmen, um die Steuer zu umgehen.

Eindhoven etwa zählte in den ersten sechs Monaten mit 1,2 Millionen Passagieren knapp 30 Prozent mehr. Der 80 Kilometer entfernte Flughafen Weeze am Niederrhein verlor hingegen 2,7 Prozent. Allerdings hatte beispielsweise Ryanair auch vorsorglich Strecken gestrichen, die schwach gebucht waren. "Es zeigt sich ein immer deutlicherer Schaden, der durch die Luftverkehrsteuer entsteht", sagte ADV-Geschäftsführer Ralph Beisel.

Air Berlin hatte den Schaden im ersten Quartal auf 30 Millionen Euro beziffert, die Lufthansa auf 15 Millionen Euro. Dem Marktführer kommt zugute, dass Passagiere, die an den Drehkreuzen Frankfurt und München nur umsteigen, keine Steuer zahlen. Die beiden Flughäfen sorgten für Wachstum: Bundesweit starteten und landeten im ersten Halbjahr 92,6 Millionen Menschen, ein Plus von 8,1 Prozent.

FTD

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Jennifer Lachman und Jens Tartler