Stiftung Warentest Hotelbewertungs-Portale nicht zuverlässig


Acht Hotelbewertungs-Webseiten hat Stiftung Warentest getestet, sechs von ihnen übernahmen getürkte und übertriebene Bewertungen ungeprüft. Nützlicher sind die Portale, um Leidgenossen zu finden für eine Sammelklage.

Manche Hotelbewertungs-Portale im Internet fallen nach Angaben der Stiftung Warentest leicht auf Manipulationen herein. Zu diesem Fazit kamen die Tester, nachdem sie acht Portale unter die Lupe genommen hatten.

Eine von den Experten gefälschte und "völlig überzogene" Bewertung eines mittelmäßigen Hotels auf Mallorca sei von sechs Portalen einfach übernommen worden, berichtet die Stiftung in ihrer Zeitschrift "test". Bemerkt worden sei die übertriebene "Lobhudelei" nur von "holidaycheck.de" und "hotelkritiken.de". Auf den Bewertungs-Webseiten können sich Urlauber über Hotels äußern, dabei Tipps geben und ihre Kritik vortragen.

Weder zuverlässig noch umfassend

Noten gab es für die acht getesteten Portale nicht. Allerdings halten die Warentester nur eine für "wirklich brauchbar", und zwar die in der Schweiz produzierte Seite "holidaycheck.de". Dort sei nicht nur der Schwindel aufgefallen, sondern auch ein zweiter Test am besten verlaufen: Die Experten suchten nach Beurteilungen für zehn beliebte Hotels in Deutschland, Spanien, der Türkei und der Dominikanischen Republik. Als einziges Portal habe "holidaycheck.de" zu allen zehn Häusern Beurteilungen abrufbar gehabt, insgesamt 976. Andere Portale kannten nur zwei bis vier der gesuchten zehn Häuser.

Grundsätzlich seien die Bewertungsportale eine gute Gelegenheit, etwas über in Frage kommende Urlaubsdomizile zu erfahren: Die Bilder und Kommentare anderer Reisender böten einen besseren Eindruck von dem Haus als nur die Katalogbeschreibung. Auf die Kataloge der Veranstalter könne sich der Verbraucher "oft nicht verlassen". Die Anfälligkeit für Manipulationen lasse aber "am Nutzen der meisten Bewertungsseiten Zweifel aufkommen", urteilen die Tester - und dass, obwohl die Anbieter der Portale bis auf eine Ausnahme alle beteuerten, ihre Einträge genau zu überprüfen.

Schlechte Bewertung kein Stornogrund

Bereits im Sommer 2006 war ein Test der in Hamburg erscheinenden Reisezeitschrift "Geo Saison" zu dem gleichen Ergebnis gekommen wie die Stiftung Warentest. Damals waren die erfundenen und an die Portale geschickten Schönfärbereien fast überall veröffentlicht worden.

Als Beweismittel für reiserechtliche Prozesse oder als Grund für die Stornierung einer Hotelbuchung eignen sich die Bewertungen auf den Portalen nicht, da es sich um subjektive Eindrücke einzelner Urlauber handelt. Wenn es darum geht, wegen Reisemängeln von einem Veranstalter Geld zurückzufordern, könne es aber helfen, sich mit Autoren von Hotelbewertungen in Verbindung zu setzen, rät Sabine Fischer von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam. Wenn diese Autoren zur gleichen Zeit am gleichen Ort waren und Ähnliches erlebt haben wie die klagenden Urlauber, könnten sie vor Gericht eventuell als Zeugen aussagen.


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