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Outdoor-Schuhe: 10 Tipps für Wanderschuhe: Du sollst wandern... aber wie?

Ein wichtiger Begleiter in den Bergen und den Wäldern: der Wanderschuh. Doch wie finde ich den passenden? Und was mache ich, wenn er trotzdem mal schmerzt? Zehn Fragen und Antworten rund um Schritt und Tritt.

Von Klaus Dahlbeck

Von Strandwanderung bis Klettertour: Für jeden Trip gibt es den passenden Outdoor-Schuh.

Von Strandwanderung bis Klettertour: Für jeden Trip gibt es den passenden Outdoor-Schuh.

Getty Images

1. Welchen Schutyp brauch ich?

Der menschliche Fuß besteht aus 26 Knochen, 33 Gelenken und mehr als 100 Muskeln, Bändern und Sehnen. Dieses Meisterwerk der Evolution will gut geschützt sein. Wie, das hängt vom Einsatzzweck, der Klimazone und dem Untergrund ab. Wer einen Klettersteig bezwingen will, braucht etwa Sohlen mit hoher Steifigkeit. Schon ein loser Stein am Hang kann eine unerfreuliche Wirkung entfalten. Der Schuh sollte außerdem knöchelhoch sein, um das Sprunggelenk zu schützen. Wer auf matschigen Pfaden unterwegs ist, braucht dagegen flexible, leicht verwringbare Sohlen mit griffigem Profil. Sonst verhalten sich die Schuhe am Hang starr wie Abfahrtsski – und man sitzt öfter auf dem Hintern, als einem lieb sein kann.

2. Wie gehe ich bei der Auswahl vor?

Zunächst überlegen, wo der Schuh hauptsächlich zum Einsatz kommen soll. In warmen oder kalten Gefilden? Auf Klettersteigen oder beim Dünenwandern? Die Bedingungen bestimmen Zuschnitt, Obermaterial und Sohlenprofil. Beim Anprobieren gilt: Der Schuh sollte im Vorfußbereich ausreichend breit geschnitten sein, dem Fuß nach vorn rund zwei Zentimeter Platz lassen und guten Fersenhalt bieten. Schuhe für Klettersteige sollten steigeisentauglich sein und eine engere Passform haben als solche für Wandertouren.

3. Worin liegt der Vorteil Wasserdichter schuhe?

Viele Hersteller bieten Schuhe mit wasserdichten Membranen an, zum Beispiel Gore-Tex. Bei nassen und winterlichen Bedingungen können solche Schuhe ein Segen sein. Vorsicht bei flachen Modellen, wenn es mal durch tiefe Pfützen geht. Dann läuft das Wasser oben rein und schwappt um den Fuß herum, weil es durch die Membran nicht richtig ablaufen kann. Alternative für Halbschuhträger: auf Membran verzichten und dafür höher abschließende, wasserdichte Socken tragen.

4. Welche Unterschiede gibt es bei den Sohlen?

Gute Klettersteigsohlen verfügen über einen Steg für Trittleitern, feste Kanten und sind steifer und robuster als Wandersohlen, die flexibler sein müssen – für mehr Bequemlichkeit auf längeren Strecken. Viele Schuhhersteller haben Material von Vibram im Programm. Der Sohlenspezialist aus Italien genießt einen ausgezeichneten Ruf und bietet auch einen Service für Neubesohlung an. Doch keine Sohle gewährt absolute Sicherheit. Entscheidend ist der Mensch, der darauf steht. Und der braucht Übung.

5. Wie pflege ich meinen Schuh am besten?

Die meisten Zwischensohlen sind aus einem Kunststoffgemisch gefertigt, das hervorragend dämpft und für Festigkeit sorgt, aber anfällig für die Aufnahme von Feuchtigkeit ist. Und die kann das Material langfristig schädigen und brüchig machen. Nach dem Tragen die Schuhe trocken und kühl in einem gut belüfteten Raum abstellen und mit einer Bürste reinigen. Bei hartnäckiger Verschmutzung hilft fließendes Wasser. Auf Seife verzichten, sie kann das Obermaterial schädigen. Genauso wie Waschmaschinenreinigung und Schnelltrocknung. Regelmäßige Imprägnierung nach Angaben des Herstellers nicht vergessen.

6. Wie schnüre ich richtig?

Es gibt unterschiedliche Schnürsysteme. Einige Hersteller bieten Modelle mit Quicklaces an, einer simplen Zugschnürung mit Kordelstopper. Wer auf Wanderwegen im Mittelgebirge oder Flachland unterwegs ist, sollte mit diesem System gut zurechtkommen. In den Bergen sind mehr Halt und Stabilität gefragt. Klassische Schnürbänder erlauben da mehr individuelle Anpassung. Die wichtigsten Tipps: Die Lasche muss mittig, die Ferse fest und sicher sitzen. An steilen Anstiegen sollte die Zone am Schaft, also im unteren Schienbeinbereich, lockerer geschnürt sein als bergab. Das ist angenehmer. Klemmhaken erlauben es, den Schuh vom Spann bis zum Schaft unterschiedlich fest zu schnüren.

7. Müssen Wanderschuhe eingelaufen werden?

Unbedingt. Dabei gilt es, starres neues Schuhmaterial auf Geschmeidigkeit zu trimmen und die Feinabstimmung zwischen Fuß, Socken und Schuh zu finden. Am besten stiefelt man mit dem neuen Modell zunächst durch die Wohnung, bevor es für erste Spaziergänge vor die Tür geht. Läuft das alles problemlos, steht einer längeren Wanderung nichts mehr im Wege. Dafür sollten auch Socken zum testweisen Wechseln mitgenommen werden.

8. Kann ein Schuh vor Umknicken schützen?

Halbstiefel umschließen das Sprunggelenk vollständig und bieten deshalb mehr Schutz vor Umknicken als flache Treter, vorausgesetzt, sie sind nicht zu locker geschnürt. Wer seine Füße auf unebenes Gelände vorbereiten will, kann auf einem Wackelbrett oder einer Slackline balancieren oder einbeinig stehen mit geschlossenen Augen. So legt der Körper motorische Muster an, die dabei helfen gegenzusteuern, sobald es unter den Füßen wackelig wird.

9. Wie kann man Blasen vermeiden?

Wer rechtzeitig vor einer Tour mit Fußpflege beginnt, kann das Risiko minimieren, sich unterwegs wund zu laufen. Dazu gehört das sorgfältige Eincremen der Füße vor dem Zubettgehen. Am besten schon eine Woche vor dem Start der Wandertour mit der täglichen Behandlung anfangen. Hirschtalg eignet sich dafür besonders gut. Eine kleine Tube Creme auch mit auf die Reise nehmen und abends auftragen. Außerdem vorab die Zehennägel in Form bringen. Kurz, aber keinesfalls so kurz schneiden, dass schutzbedürftige Ränder der Nagelbettzonen freiliegen und mit der Schnittlinie der Zehenform folgen. Zu einer guten Vorsorge gehören auch faltenlos sitzende Socken und eingelaufene Schuhe sowie Tetanusimpfschutz und ein Erste-Hilfe-Set mit Blasenpflaster, Hautschere und Desinfektionsmittel.

10. Was tue ich, wenn ich mir trotzdem eine Blase gelaufen habe?

Eine frische Blase am besten nicht aufstechen, sondern mit einem Gelpflaster schützen. Offene Blasen desinfizieren, gesäuberte Hautfetzen nicht abreißen, sondern als Schutz nutzen und anschließend alles sorgfältig verpflastern. Schwieriger ist der Umgang mit Blutblasen unter Zehennägeln. Da kann der Leidensdruck bei einer Trekkingtour so groß werden, dass man besser Abhilfe durch Trepanation schafft, also das vorsichtige Anbohren des Nagels mit einer sterilen oder erhitzten Nadel, um den Blutabfluss möglich zu machen. Wenn irgend möglich, sollte der Eingriff von medizinisch geschultem Personal vorgenommen werden.

+++ Lesen Sie auch: "Schweizer Bahnerlebnisweg Albula - Wandern an der Welterbestrecke" +++


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