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Gerichtsentscheidung: Pilot darf betrunkenen Passagier abweisen

Immer wieder kommt es auf Flügen zu Vorfällen mit betrunkenen Passagieren. Der Pilot darf sich aber weigern, alkoholisierte Reisende mitzunehmen. Auch Stewardessen dürfen bei Betrunkenen durchgreifen.

Steigen Passagiere in ein Flugzeug, übt der Pilot dort "luftpolizeiliche Hoheitsgewalt" aus

Steigen Passagiere in ein Flugzeug, übt der Pilot dort "luftpolizeiliche Hoheitsgewalt" aus

Der Pilot eines Flugzeuges muss einen stark alkoholisierten Fluggast nicht befördern. Stewardesssen dürfen darüber hinaus betrunkenen Passagieren deren alkoholische Getränke wegnehmen. Das geht aus einem Urteil des Amtsgericht Wedding hervor über das die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" berichtet.

Im Detail ging es um folgenden Fall: Ein Mann hatte Flüge nach Riga und Tel Aviv gebucht. Während des Fluges nach Riga legte er sich mit dem Bordpersonal an. Er wechselte eigenmächtig seinen Sitzplatz und trank Wodka aus einer im Duty-Free-Bereich gekauften Flasche. Die Stewardessen untersagten ihm dies und wollten ihm den Wodka wegnehmen, da er sich uneinsichtig zeigte. Dabei kam es zu einer Rangelei.

Verhalten von Pilot und Besatzung rechtens

In Riga angekommen informierte der Pilot die Polizei über den Vorfall und die Beamten brachten den betrunkenen Fluggast auf das Polizeirevier. Dort wurde der Mann nach eigener Aussage nicht korrekt behandelt. Er gab später an, nichts zu essen bekommen zu haben. Seinen Anschlussflug nach Tel Aviv erreichte er nicht rechtzeitig.

Das wollte der Mann nicht auf sich sitzen lassen und klagte vor Gericht. Neben den 520 Euro für ein Ersatzticket forderte er Schmerzensgeld wegen der Behandlung auf der Polizeiwache. Das Gericht wies seine Klage ab. Der Kläger hätte den Anweisungen der Besatzung folge leisten müssen, da der Pilot luftpolizeiliche Hoheitsgewalt an Bord einer Maschine ausübe. Dieser dürfe daher auch Reisende vom Weiterflug ausschließen, wenn diese betrunken seien. Die Polizei am Zielort zu informieren sei ebenfalls rechtmäßig. Selbst für den Fall, dass der Mann auf der Polizeiwache unangemessen behandelt worden sei, falle dies nicht mehr in den Verwantwortungsberiech der Fluggesellschaft.

fin

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