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Wer steckt hinter ...: ... dem Skilift?

Wie kommt man auf den Berg, ohne zu laufen? Sein Urgroßvater fand die Lösung. Enkel Michael Doppelmayr verdient damit heute Millionen von Malaysia bis Marokko.

Wenn Michael Doppelmayr auf Geschäftsreise geht, führt es ihn selten in Großstädte. In letzter Zeit waren es eher südamerikanische Nationalparks, die Wüste von Marokko oder der Dschungel Malaysias. Die Firma des Österreichers ist Weltmarktführer im Bau von Seilbahnsystemen: Ihre Lifte stehen in 77 Ländern - und auf fünf Kontinenten.

Angefangen hat alles vor 70 Jahren in Vorarlberg, wo die Doppelmayrs noch immer ihren Firmensitz haben. Für ein paar Minuten Fahrspaß musste man damals stun-denlang den Berg hinaufsteigen. Doppelmayrs Urgroßvater beschloss, eine Lösung für das Problem zu finden. Die Familie führte seit 1892 in Wolfurt bei Bregenz einen Betrieb für Aufzugtechnik - und warum sollte das System nicht an einem Skihang funktionieren? 1937 war es so weit. In Zürs am Arlberg, auf 1700 Metern über dem Meeresspiegel, entstand der erste Schlepplift der Welt.

Die Zeiten der Klappbügel sind vorbei

Heute hat sich das Unternehmen auf den Bau von Liften spezialisiert. 13.500 Doppelmayr-Anlagen gibt es weltweit, drei Milliarden Menschen befördern sie im Jahr. 2004 hat das Unternehmen damit 489,7 Millionen Euro umgesetzt, 5,5 Prozent mehr als in den zwölf Monaten zuvor. Ein Gewinn, den Michael Doppelmayr mit einer einfachen Strategie erklärt: "Neue Skigebiete zu erschließen ist fast unmöglich. Wir konzentrieren uns darauf, die alten Anlagen zu modernisieren." In Skiorten wie Ischgl sind die Zeiten der metallenen Zweisitzer mit Klappbügel lange vorbei. Hier hängen heute gepolsterte Achter-Gondeln mit Glasdach von den Seilen. In Lech am Arlberg sogar mit Sitzheizung.

Seit 1994 ist Michael Doppelmayr Vorsitzender des Vorstands. Nicht nur die Familientradition hat ihn dazu verpflichtet - auch seine Liebe zu den Bergen. Der Österreicher ist begeisterter Skifahrer und wurde beim österreichischen Bundesheer zum Gebirgsjäger ausgebildet.

Lifte - nicht nur für Skifahrer

Immer öfter bekommt Michael Doppelmayr heute Anfragen aus Großstädten - mit dem Know-how aus dem Seilbahnbau lassen sich schließlich nicht nur Skifahrer befördern. In Wuhan (China) pendeln Doppelmayr-Gondeln zwischen einem Wolkenkratzer und einem Park. Und in Las Vegas verbindet ein Shuttle drei Häuser einer Hotelgruppe. Die Waggons laufen auf Schienen, aber werden von Seilen gezogen. Ein System, das auch die Flughäfen von Birmingham, Toronto und Mexiko City gekauft haben.

Um neue Produkte zu entwickeln, arbeitet der 48-jährige Junggeselle eng mit seinen Kunden zusammen. Auch die erste Seilbahn für Autos ist so entstanden: Ein Vorsitzender von Volkswagen war beim Skifahren in Ischgl mit einem Lift gefahren. Später fragte er sich: Wäre das nicht etwas für unser Werk in Bratislava? Doppelmayr reiste an. Und seit 2002 schweben dort die frisch produzierten Wagen per Doppelmayr-Technik von der Werkshalle zum Testgelände - rund 15 Meter über der Erde.

Iris Hellmuth / print

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