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Lovechair mit Motor: Im Autokino zurück in die Zukunft

Im Autokino wird das Auto zum luxus Lovechair. So war es jedenfalls früher. Stimmt das auch heute noch? Wir haben den Test in Berlin gemacht. Der Film wurde fast zur Nebensache...

Von Florian Teichert, Köln-Porz

Blick auf die große Leinwand im Autokino in Köln-Porz

Der Filmsound läuft ganz einfach über das Autoradio. Entsprechenden Radiosender einstellen und fertig. 

Mit gewohnter Coolness und kompromissloser Härte sorgt Denzel Washington in "The Equalizer 2" für ein bisschen mehr Gerechtigkeit in der Welt. Der Actionstar ist zwar schon über 60 Jahre alt, dennoch kann er auch 2018 noch als Held auf der Kinoleinwand überzeugen. Das Alter hat er mit der goldenen Zeit des Autokinos gemeinsam. Ob es wohl gleichermaßen gut die Zeiten überdauert hat? Oder sollte man diese cineastische Errungenschaften aus den 50ern lieber in den Ruhestand schicken? Damals, als die Autos noch durchgehende Sitzbänke hatten und "die Karre" für viele die einzige Chance auf halbwegs ungestörten Sex waren. Die massiven Mittelkonsolen dürften dem Treiben im Wortsinn einen Riegel vorgeschoben haben. Doch was lockt die Leute heute ins Autokino, wollte ich wissen. Den neuesten Actionkracher von Regisseur Antoine Fuqua schaute ich mir auf der 540 Quadratmeter Leinwand des Autokino "Drive In" im Kölner Stadtteil Porz an. Eines von bundesweit nur noch 20 Autokinos.

Bei der Einfahrt in das Kino staune ich. An diesem Donnerstagabend ist der große Platz gut besucht.Etwa 50 Autos stehen um mich herum, neben- und hintereinander aufgereiht wie auf dem Gebrauchtwagenhof, mit der Schnauze Richtung Leinwand. Platz wäre indes für ein paar Hundert Autos. Bei der Einfahrt wird eindringlich vor einer erhöhten Unfallgefahr gewarnt. Der Platz ist mit kleinen Hügeln durchzogen, die als abschüssige Auffahrt dienen sollen und so für einen besseren Blick auf die Leinwand sorgen.

Der Eingang des Autokinos Drive In in Köln Porz

"Wo Kino am größten ist" – Herzlich Willkommen im Autokino "Drive In" in Köln-Porz. Gemessen an der Leinwand von 15 mal 36 Metern stimmt das. Kleiner sollte sie auch nicht sein, wenn das Auto 50 Meter von ihr entfernt steht.

 

Bodendellen dank Bodenwellen

Es dauert keine fünf Minuten, da rappelt es zum ersten Mal: ein getunter Audi RS6 will elegant eine Abkürzung Richtung Reihe Eins nehmen. Doch die Platzbegebenheiten haben etwas dagegen: Der Unterboden des Autos küsst den Beton, ohrenbetäubendes Metallscheppern schallt über den Platz. Und so zieht sich der Fahrer nach gründlicher Inspektion scheu auf einen Platz in den hinteren Reihen zurück.

Was für Menschen fahren in so ein Autokino? Ich mische mich unter die verschiedenen Grüppchen, die vor Filmbeginn vor ihren Autos stehen. "Wir sind heute mit drei Autos hier" erzählt Uwe, ein kräftiger Mitvierziger. Seit Jahren treffen sich die drei befreundeten Pärchen wöchentlich zu gemeinsamen Aktionen – diesmal halt Autokino. Regelmäßig sind sie zwar nicht hier, doch das "Drive In" sei immer ein Besuch wert. "Man darf während der Filme rauchen – das ist natürlich ein erheblicher Vorteil im Vergleich zu anderen Kinos", sagt Uwe. "Aber aufs Bierchen müsst ihr verzichten", merke ich an. "An so einem Abend darf dann ruhig auch mal die Frau fahren", entgegnet mir Uwe. Prioritäten setzen!

Kino für Nostalgiker

Sechs Plätze weiter steht ein glänzendes BMW 3er Cabrio. Dieter und seine Ehefrau Erika sitzen drin und erinnern auf den ersten Blick an ein beliebiges Hollywood-Paar aus den 1960ern. "Wir wohnen nur fünf Minuten von hier entfernt", sagt Dieter in astreinem Kölsch und streicht über seinen gezwirbelten Schnurrbart. "So ein Autokino ist einfach kultig", sagt Erika und richtet ihren viel zu großen Schal. Der Kultfaktor spielt im DRIVE IN gemeinhin eine große Rolle. Neben aktuellen Blockbustern, laufen in aller Regelmäßigkeit echte Filmklassiker wie Grease oder Dirty Dancing. Als wollte man die gute alte Zeit erneut heraufbeschwören.

Und wenn wir schon bei Grease sind, darf die Suche nach Sandy und Danny, nach einem Pärchen, welches vielleicht wegen ganz anderen Dingen hier ist, natürlich nicht fehlen. In den 1960ern nannte man Autos liebevoll Knutschkisten. Und auch in Köln-Porz entdecke ich einige Pärchen, die kurz vor Filmbeginn kichernd in ihren Autos sitzen und sich eine Jumbo-Popcorn teilen. Im Auto neben mir hat der junge Mann schon mal seinen Sitz so weit nach hinten gelehnt, wie nur möglich…

Hier kann der Film nur Nebensache sein

Die Snackbar des Autokinos Köln-Porz

Popcorn, Softdrinks, Chips, Burger, Hot Dogs - an der Bar des Autokinos gibt es nicht nur Snacks, sondern auch Standheizungen und Decken.

Die Snackbar in dem kleinen grauen Gebäude etwas abseits, erinnert an ein typisch amerikanisches Highway-Diner. Schachbrettmuster auf dem Boden, knallbunte Servicetafeln an der Wand mit den diversen Essensangeboten – es fehlt eigentlich nur noch die Jukebox aus der Elvis Presleys Jailhouse Rock läuft. Die jungen Mitarbeiter schaufeln und zapfen in gekonntem Tempo und sorgen somit für schnelles Vorankommen an den Kassen.

Der Sound des Films läuft über das Autoradio. Über Ultrakurzwelle 90,5 läuft der Ton einwandfrei und ohne hörbare Verzögerung. Und so schaue ich Denzel Washington zwei Stunden lang zu, wie er einen Bösewicht nach dem anderen ausknipst. in manchen Situationen wünsche ich mir dann doch das moderne Multiplexkino her. Bei schnellen Schnitten und dunklen Bildern ist auf der Riesenleinwand schwierig  detailliert zu erkennen, was gerade vor sich geht. Es ist einfach nicht dunkel genug. Autoscheinwerfer, der Mond, Neon-Reklame. Lichtquellen überall.  Die Bildqualität treibt jedenfalls niemanden hierher.

Ein Lovechair bietet mehr Körperkontakt

Amouröse geht in den Nachbarautos auch nicht zu. Hier und da leuchtet ein Feuerzeug auf, glimmt die Glut einer Zigarette. Der "Lovechair" in einem normalen Kino lässt sicher mehr Nähe zu als moderne Autositze. Ein Autokino samt festinstallierter 50er Jahre Autos wäre vielleicht noch eine Geschäftsidee. Muss ja nicht ein Cadillac sein, ein alter Opel Admiral täte es auch.

Kaum beginnt der Abspann, verlassen auch schon die ersten den Platz. Wie im Kino. Und auch ich mache mich so langsam auf den Heimweg, beeindruckt davon, dass es anscheinend doch noch viele Leute gibt, die sich für das Autokino begeistern können. Gerade als ich den Platz verlasse höre ich im Hintergrund noch ein weiteres Metallscheppern. Autokinos sind nicht für jeden etwas…

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.