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1. FC Köln vs. OGC Nizza Hooligans randalieren in Nizza: Chronik eines Fußball-Skandals

Fans des 1. FC Köln zünden im Stadion des OGC Nizza eine Leuchtfackel
Die Ausschreitungen im Stadion dauerten minutenlang an. Mindestens 32 Menschen wurden verletzt.
© DPA
Es sollte ein Fußballfest werden. Doch das Conference League-Spiel des 1. FC Köln in Nizza wurde zum Skandal. Schon vor dem Anpfiff gab es Ausschreitungen, im Stadion folgten minutenlange Randale. Mindestens 32 Menschen wurden verletzt.

Christian Keller redete nicht drumherum. "Das geht mir richtig auf den Sack", sagte der Geschäftsführer des 1. FC Köln am Donnerstag nach dem 1:1 beim OGC Nizza in der Conference League. Der Eindruck der Bilder der Ausschreitungen überlagerte auch kurz vor Mitternacht an der Cote d'Azur alles, auch wenn das Spiel trotzdem stattgefunden hatte und der FC sich einen verdienten Achtungserfolg erkämpft hatte.

Keller stellte klar, dass der Verein "mit aller Härte und Entschlossenheit" versuchen werde, die Beteiligten an den Krawallen zu ermitteln. "Ich weiß nicht, ob das 50, 60 oder 70 waren. Es waren auf jeden Fall sehr, sehr wenige", sagte er. "Aber wir werden alles probieren, um möglichst viele rauszuziehen. Und die schließen wir dann aus, die werden nix mehr machen." Die Konsequenzen für den Verein seien "noch nicht abzusehen. Ich will auch nicht spekulieren. Da gibt es sicher eine große Bandbreite."

Randale beim Spiel des 1. FC Köln in Nizza: Chronik eines Skandals

Eigentlich sollte das Auswärtsspiel des "Effzeh" an der Cote d'Azur zur Fanparty werden. Schon am frühen Nachmittag zogen fast 10.000 Fans der Kölner mit Karnevalsmusik durch Nizza. Schnell beschwerte sich Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi darüber, dass die Kölner Fans oftmals Müll in den Straßen der Stadt zurückgelassen und sich nicht benommen hätten. Bei Twitter schrieb er: "Ich bedauere das unhöfliche und skandalöse Verhalten der Kölner Fans und den mangelnden Respekt gegenüber der Stadt, die sie großzügig und brüderlich empfängt." 

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Auf Videos in den sozialen Netzwerken ist unter anderem zu sehen, wie Kölner Fans Gebäude in der Innenstadt beschädigen. 

Nach der Party in der Innenstadt machten sich die Kölner Anhänger auf einen Fanmarsch zum Stadion. Dabei kamen sie auch am Team-Hotel vorbei, an dem sie Trainer Steffen Baumgart frenetisch bejubelten.  

Doch die Stimmung kippte schnell. Während des Fanmarsches sollen sich den Kölnern auch Anhänger von Paris Saint Germain angeschlossen haben. Eine Fanfreundschaft zwischen den beiden Vereinen besteht seit Jahrzehnten. Gleichzeitig sind die Fanlager von PSG und des OGC tief verfeindet. 

Bei der Ankunft am Stadion soll der Fanmarsch von lokalen Fans angegriffen worden sein. Einige Fans in sozialen Medien und Fan-Blogs berichteten von Attacken mit Eisenstangen und Messern. Zwei Personen sollen niedergestochen worden sein. Das berichtet RTL.de.

Fangruppen trafen auf Haupttribüne aufeinander: Polizei schritt minutenlang nicht ein

Laut Informationen des 1. FC Köln sollen im Stadion zunächst Anhänger des OGC Nizza versucht haben, in den Kölner Fanblock vorzudringen. Anschließend stürmten etwa 100 teils maskierte Kölner über die Haupttribüne in Richtung Nizza-Fanblock. Direkt vor der Loge, in denen auch Trainer Baumgart saß, weil er für das Spiel gesperrt worden war, trafen bei Gruppen aufeinander.  

Dabei beschossen sie sich mit Leuchtraketen und anderen Wurfgegenständen. Auf Amateurvideos ist zudem zu sehen, wie Männer in den Kölner Farben einen Mann über die Brüstung des Oberranges schieben. Der Mann stürzte knapp fünf Meter in die Tiefe und wurde schwer verletzt. Er schwebte am Abend in Lebensgefahr, soll sich mittlerweile aber stabilisiert haben. 

Viele Stadionbesucher kritisierten die örtlichen Behörden, nicht schnell genug eingegriffen zu haben. Das Stadion – so schien es – war minutenlang ein rechtsfreier Raum. Erst dann konnten Polizeikräfte die beiden Fangruppen voneinander trennen. 

Kölner Mannschaft schwor sich vor Anpfiff erneut ein

Von ihren Profis hatten die FC-Verantwortlichen die Bilder von den Geschehnissen fern gehalten. Die Nachrichten, die durchsickerten, waren belastend genug. Und dann leistete die Mannschaft vor dem um 55 Minuten verspäteten Anpfiff einen Schwur. "Wir haben der Mannschaft gesagt: Denkt an die friedlichen 7900 Jungs und versucht, alles so gut wie möglich für sie auszublenden", sagte der etatmäßige Co-Trainer André Pawlak, der seinen gesperrt auf der Tribüne sitzenden Chef Steffen Baumgart vertrat.

Stürmer Steffen Tigges, der beim 1:1 in der 19. Minute die Kölner Führung erzielt hatte, hatte sich mit den Bildern vom friedlichen Fanmarsch am Mittag durch die Stadt motiviert. "Diese Bilder bleiben", sagte der Ex-Dortmunder: "Die haben uns gepuscht. Denn, dass die paar Chaoten für den Verein stehen, stimmt nicht. Die Fans, die richtig Stimmung gemacht haben, die stehen für den Verein."

Der wie in den Wochen häufig überragende Torhüter Marvin Schwäbe sah es ähnlich. "Einerseits ist das, was da passiert ist, nicht wert, dass man drüber redet, denn das gehört nicht in den Fußball", sagte er: "Andererseits muss man sich auch klar von sowas distanzieren und sagen, dass diese Leute im Stadion nix zu suchen haben." Immerhin, so stellte Schwäbe klar: "Hier waren 8500 Fans, und die Mehrheit hat eine klare Birne."

Quellen: RTL.de, Mit Material von DPA und AFP

pgo / pg

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