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Dart-Superstar Phil Taylor: Das Phänomen mit dem Bierbauch

In London findet gerade die Dart-WM statt - und ein Mann steht dabei im Mittelpunkt: Phil "The Power" Taylor. Der Mann, der früher Klopapierhalterungen hergestellt hat, ist für die Engländer ein Idol.

Endlich ist es wieder soweit: Jedes Jahr um Weihnachten zocken die besten Dart-Spieler der Welt bei der WM in England um den Titel. Und einer steht natürlich im Mittelpunkt: Phil "The Power" Taylor.

Das Dart-Genie ist in der Szene längst zum Phänomen geworden. Schon zu seinen Anfangszeiten 1990 sah Taylor weniger nach einem Sportler aus - eher nach einem Kneipengänger.

Am liebsten feiert Phil Taylor seine Siege mit Tochter Natalie (im Bild) und Ehefrau Yvonne. Auch dieses Jahr im Londoner Alexandra Palace werden die beiden wieder mit von der Partie sein und "The Power" bewundern. Taylor wirft seine 26 Gramm schweren Darts mit unglaublicher Präzision aus 2,37 Metern Entfernung in die 8 Millimeter hohen Triple-Felder - meistens zumindest.

Inzwischen ist Phil Taylor, der mit 16 noch für 52 Pfund pro Woche Klopapier-Halterungen herstellte, Millionär, mit Robbie Williams befreundet und für viele Engländer ein Idol. In diesem Jahr stand der Mann aus Stoke-on-Trent sogar auf der BBC-Vorschlagsliste zur Wahl von Englands Sportler des Jahres.

Die "Stimme des Darts", Sid Waddell - einer der berühmtesten TV-Kommentatoren Englands - hat den 15-maligen Weltmeister folgendermaßen charakterisiert: "Taylor würde dir nicht einmal das gönnen, was aus seinen Mundwinkeln tropft, wenn er in ein Bacon-Sandwich beißt".

"The Power" will auch in diesem Jahr natürlich wieder an die Macht und den WM-Titel holen. Und die Fans ölen schon ihre Stimmen. "There's only oooooooone Phil Taylor", wird es wieder minutenlang aus tausenden bierseligen Kehlen donnern, wenn der Favorit die Scheibe ins Visier nimmt.

Im Idealfall kommt kurz danach der große Moment von Russ Bray. Die unverkennbar knarzige Whisky-Stimme des Ansagers ist für das langgezogene "Onehundredandeightyyyyyyy" zuständig, das er durch den Saal röhrt, wenn ein Spieler dreimal in Serie die Triple 20 getroffen hat. Allein im vergangenen Finale gelang Taylor dies beim 7:3 gegen Simon Whitlock (r.) neunmal, ein Hobbyspieler wird es ein Leben lang ohne Erfolg trainieren.

Was am Ende eines Legs, eines Spiels von 501 herunter auf Null, folgt, ist übrigens eine ganz eigene Choreographie. Hunderte springen in Superman-Kostümen auf die Tische, sie tanzen zur immergleichen Bierzelt-Melodie, berauscht nicht nur von den sportlichen Höchstleistungen. Und die englischen Girls lieben vor allem ihn: Phil Taylor.

Vermutlich wird er auch dieses Jahr wieder den WM-Pokal holen - und ganz England wird ihm zu Füßen liegen.

Von Klaus Bellstedt

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