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Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer: "Schumacher macht Ferrari nicht schneller"

Das Schumacher-Comeback schlägt in der Formel-1-Szene weiter hohe Wellen. Sky-TV-Experte und Ex-Rennfahrer Marc Surer spricht im stern.de-Interview über die Erfolgsaussichten von Ferrari mit Schumacher im Cockpit, Gefahren fürs Image - und über unfeine Reaktionen im Fahrerlager.

Herr Surer, sind Sie sehr überrascht, dass Michael Schumacher wieder ins Ferrari-Cockpit steigt?

Schon ein bisschen, vor allem aber hätte ich nicht gedacht, dass er schon beim nächsten Rennen in Valencia wieder mit dabei ist. Spa ist Schumachers Lieblingsstrecke, das ist eine Woche später. Das hätte in meinen Augen mehr Sinn gemacht. So wie es jetzt gelaufen ist, kann man ruhig von einer schallenden Ohrfeige für Testfahrer Marc Gene sprechen. Der wäre jetzt eigentlich mal dran gewesen - zumal vor eigenem Publikum in Spanien. Aber so ist das eben mit Schumi...

Was hat Schumacher dazu bewogen, wieder als Aktiver in den Formel-1-Zirkus zurückzukehren?

Er fährt Motorrad und er fährt Kart. Also ist ihm langweilig. Mir scheint zudem, dass Schumacher nicht richtig loslassen kann. Da kommen wirklich viele Dinge zusammen. Luca di Montezemolo, der Boss von Ferrari, hat ihn gefragt. Er hat ihn gebeten. Da konnte er nicht Nein sagen. Schließlich geht es auch um die berufliche Zukunft von Schumacher bei Ferrari. Der will da noch was werden.

Hat Schumacher denn überhaupt realistische Chancen auf Anhieb wieder vorne mitzufahren?

Der Ferrari wird nicht plötzlich schneller weil Michael Schumacher da drin sitzt. Insofern sind die Erfolgsaussichten für die Scuderia nicht wirklich rosig. Vielleicht packt er einen Platz unter den ersten zehn. Das wäre schon ein Erfolg. Sie dürfen nicht vergessen, dass die Performance von Ferrari in dieser Saison bis jetzt eher dürftig war, um es mal vorsichtig auszudrücken. Nein, von Schumacher wird man keine Wunderdinge erwarten können.

Welche Gefahren sind denn mit dem Comeback verbunden?

Michael hat einen Ruf zu verlieren, auch wenn er niemandem mehr etwas beweisen muss. Die Erwartungen in Deutschland sind doch jetzt schon wieder riesig. Jeder erwartet gleich wieder Siege von ihm. Aber wie gesagt, das ist eher unwahrscheinlich. Und falls Schumacher in den Rennen, die er für Massa bestreitet, um die Ohren bekommt, dann bleibt das hängen. Darin sehe ich die größte Gefahr für ihn.

Hat er es denn fahrerisch überhaupt noch drauf? Sein letztes F-1-Rennen liegt ja nun auch schon fast drei Jahre zurück...

Das wird kein Problem sein. Schumacher war immer einer der Fittesten. Jetzt müssen noch drei, vielleicht vier Kilo runter. Aber das packt er locker in der Rennpause bis Valencia. Und auch sonst wird er keine Probleme bekommen. Schumacher kann die Möglichkeiten des Autos genau einschätzen, er ist ja voll involviert bei Ferrari. Das Fahren verlernt man als Rennfahrer sowieso nie. Das hat Schumacher auf der Festplatte gespeichert.

Was glauben Sie, Herr Surer, wie reagiert das Fahrerlager, wenn da plötzlich wieder Michael Schumacher mit von der Partie ist? Vor allem: Wie wird sein neuer Teamkollege Kimi Räikkönen reagieren?

Kimi ist das so derartig wurscht. Der wird Hallo sagen und das war es dann auch (lacht). Na ja und die anderen... . Die jungen Wilden wie Vettel und Co. werden das ganz cool und nüchtern aufnehmen. Man darf nicht vergessen, Schumacher hatte nie viele Freunde in der Szene. Einer fällt mir doch noch ein: Mark Webber. Der freut sich bestimmt über Schumis Comeback.

Interview: Klaus Bellstedt

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