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Formel 1: Die Timo-Glock-Kolumne 2011 - Teil 16

Erst brach ein Gang, dann verabschiedeten sich der Frontflügel und das Bodywork bekam ebenfalls viel ab. In seiner Kolumne auf sportal.de berichtet Timo Glock von dem frühen Aus in Indien, wie es überhaupt dazu kam, warum man ihn auch ab und an mit dem Bike auf der Strecke sieht und was seine Mutter für gute Ratschläge parat hat.

Hi Leute,

so ein Rennwochenende kann schon verrückt verlaufen. Die Einreise war sehr langwierig, da wir ja Unmengen von Papierkram erledigen mussten. Und im Endeffekt war das Rennen dann so kurz. Dabei lief es vorher blendend. Das freie Training war gut und auch am Samstag hatte ich ein gutes Gefühl. Doch dann ist mir im Qualifying der Gang gebrochen und wir mussten erst einmal herausfinden, warum das passiert ist.

Dabei hatte ich mich auf das Rennen gefreut, denn die Strecke ist wirklich sehr gut zu fahren. Das Layout ist einfach super. Von außen mag gerade der erste Teil etwas langweilig aussehen, aber das kann ich absolut nicht bestätigen. Die Kurven haben einen sehr weiten Eingang und das ist eine Herausforderung. Denn es gibt viele Möglichkeiten, eine gute Linie zu fahren. Der zweite Sektor ist dann sehr flüssig.

Normalerweise fahre ich die Strecke auch vorher mit dem Bike ab, aber diesmal hatte ich es nicht dabei. Auffällig war jedenfalls, dass der Asphalt unheimlich viel Grip entwickelt hat. Natürlich ist die Strecke neu, aber wie schon in Korea war es ein tolles Fahrgefühl. Einzig die Staubschicht hat es uns am Anfang ein wenig schwierig gemacht.

Aus der Vorfreude wurde aber nichts, denn direkt am Anfang hat es dann gekracht. Rubens Barrichello ist Pastor Maldonado draufgefahren und die ersten Teile sind sofort durch die Luft geflogen. Direkt vor mir ist dann Heikki Kovalainen sehr früh oder sehr stark in die Bremse gestiegen und ich musste ausweichen. Dabei bin ich an den Randstein gekommen und mein Vorderrad blockierte.

So bin ich sehr weit in die erste Kurve gekommen. Kamui Kobayashi musste in dem Gedränge auch irgendwo hin und ist ärgerlicherweise "stumpf“ zurück auf die Strecke gefahren. Dabei hat er mich erwischt und mir ist der linke Frontflügel kaputt gegangen. Im Endeffekt hat das Bodywork links ebenfalls viel abbekommen, sodass mein Team entschieden hat, das Rennen zu beenden.

Das kann natürlich passieren. Man muss solche Dinge schnell abhaken und sich auf das kommende Rennen konzentrieren. Ärgerlich ist es natürlich schon. Und dabei geht es nicht darum, dass wir nun das große Ziel verpasst haben. Es geht mehr darum, dass viel Arbeit investiert wurde und das Wochenende dafür definitiv zu kurz ausgefallen ist.

So würde man meinen, dass ich viel Zeit gehabt hätte, um mir etwas von der Stadt anzusehen. Aber, wie eigentlich immer, gab es dafür keine Gelegenheit. Wir waren in einem Hotel nah an der Strecke und deswegen habe ich nicht viel gesehen. Es ist aber schon ein wenig komisch, denn abseits der Strecke sieht man das andere Indien, wo die Leute auf der Straße leben …..

Aber es waren sehr viele Leute beim Rennen und es wirkte so, als ob sie wirklich heiß auf ein Formel 1-Rennen gewesen wären. Das wird in New York 2013 nicht anders werden. Ich habe mich sehr gefreut, als ich das gehört habe. Die Strecke wird unter Garantie ein Highlight und ich denke, jeder Fahrer freut sich darauf.

Nicht so schön waren hingegen die Ereignisse der letzten Wochen, als Dan Wheldon und Marco Simoncelli verstorben sind. Diese Nachricht hat uns alle sehr betroffen gemacht. Während des Wochenendes war es unter den Fahrern jedoch nicht das große Thema, da man sich in seinen Rhythmus begeben muss. Aber bei der Fahrerbesprechung haben wir darüber gesprochen, als es um das Thema Sicherheit ging.

Ich erinnere mich natürlich noch gut an meinen Unfall bei der Champ Car Serie. Das war eine Testfahrt und ich habe mir damals das Schlüsselbein gebrochen. Da habe ich die schlechten Seiten des Ovals schnell kennengelernt. Man kann eben schwer die Situationen voraussehen und wenn etwas passiert, dann kann es leider richtig schiefgehen. Bei uns kann ein Fahrer immer noch ausweichen und es sind nicht gleich zehn Autos in den Unfall verwickelt.

Zwar hat sich meine Familie an die Risiken gewöhnt, aber meine Mutter sagt mir immer noch hie und da, dass ich ein wenig langsamer fahren soll. Für mich beginnt jetzt trotzdem wieder der Alltag und bis zum nächsten Rennen in Abu Dhabi steht nicht sonderlich viel in meinem Terminkalender. Nächsten Mittwoch fliege ich hin und bis dahin werde ich ein wenig trainieren und mir die Kälte hier aus den Knochen treiben – an diese Temperaturen muss man sich erstmal gewöhnen.

Das war´s soweit von mir… Schöne Tage wünsche ich Euch.

Bis in zwei Wochen, Euer Timo

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