Formel 1 Safety fast, safety first


Zu sicher kann es nicht geben. Zu sicher darf sich die Formel 1 nie sein. Diesen Schluss darf man nicht aus dem Horror-Unfall von Montreal ziehen, den BMW-Pilot Robert Kubica nahezu unverletzt überstand. Das macht drastisch klar, dass es in diesem Sport nicht nur um Siege, sondern immer auch um Leben und Tod geht.
Von Elmar Brümmer, Montreal

"Sicherheit", sagt Ralf Schumacher, "ist in der Formel 1 immer eine relative Frage“. Darüber wacht nicht nur der Sprecher der Fahrergewerkschaft GPDA, sondern vor allem ein anderer Deutscher. Der Saarländer Jo Bauer, der seinen Spitznamen "Der Pedant" wie einen Ehrentitel trägt. Der technische Delegierte des Automobilweltverbandes Fia lässt garantiert kein Auto auf die Piste, dass nicht die Gütesiegel aller Crash-Tests hat. Nach jeder Veränderung an der Sicherheitszelle, dem so genannten Monocoque, muss ein Auto wieder neu auf den Prüfstand. Es wird nicht nur gegen die Wand gefahren, sondern auch von oben, den Seiten und von hinten gerammt. Die Obergrenzen für die maximale Verzögerung, Energieaufnahme und Verformung sind genau festgelegt.

Nur weil das Cockpit am Stück blieb, konnte Kubica "den Tod überlisten", wie es die polnische Zeitung "Przeglad Sportowy" bezeichnet. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen ahnt, nachdem sein Pilot den Unfall mit Tempo 280 so glimpflich überstand: "Vor zehn Jahren wäre das wahrscheinlich anders ausgegangen. Es ist wirklich sehr beruhigend, dass auch in solchen Extremsituationen das Monocoque hält." Verantwortlich dafür ist das schwarze Gold der Formel 1 - der aus der Weltraumforschung stammende Verbundwerkstoff Karbon.

Bis zu 60 Lagen Kohlefaser

Das teuerste Material, dass es für den Karosseriebau gibt - aber auch das wertvollste. Denn es rettet Menschenleben. Anfang der 80er Jahre brachte McLaren das erste Karbonauto in der Formel 1 an den Start. Karbon wiegt nur ein Viertel der vergleichbaren Menge Aluminium, ist aber um mehr als das Siebenfache belastbar. Ganze 40 bis 60 Kilo bringt die Schutz-Schale auf die Waage, ein Zehntel des Gewichts des gesamten Rennwagens. In Serienautos kommt das Material nur in den Supersportwagen zum Einsatz - es ist einfach zu teuer. Die Lebensversicherung für die Piloten schlägt aufgrund des aufwändigen Herstellungsprozesses mit bis zu 150.000 Euro zu Buche. Teurer sind nur Motor und Getriebe.

In der Formel 1 aber bestehen etwa 60 Prozent eines Rennwagens aus den in Epoxyharz (CFK) gebetteten Kohlenfasern. Die Kohlefaser-Lagen bestehen aus einzelnen Fasern, von denen jede wiederum aus bis zu 3000 einzelnen Fäden gewunden wird. Die Karbonschichten werden je nach Verwendungszweck geformt und werden dann in riesigen Öfen am Stück gebacken. In Kubicas BMW Sauber F1.07 wurden stellenweise bis zu 60 Lagen Kohlefaser übereinander gelegt, der Backvorgang wurde drei bis viermal wiederholt, um die höchste Festigkeit zu garantieren. Die Matten sorgen auch dafür, dass die physikalischen Kräfte in die gewünschten Richtungen geleitet werden.


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