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FORMEL 1: Schumi II: »Wir haben einen großen Überlebenstrieb«

Nach seinem zweiten Saisonerfolg werden immer mehr Stimmen laut, die Ralf Schumacher direkt auf den Thron mit seinem Bruder Michael heben.

Nach seinem zweiten Saisonerfolg werden immer mehr Stimmen laut, die Ralf Schumacher direkt auf den Thron mit seinem Bruder Michael heben. Manche sehen das ungleiche Brüderpaar sogar im gleichen Team. Ralf Schumacher über Erfolge, Erwartungen und seine Hochzeit.

Hatten Sie etwas Zeit, Ihren Sieg von Montreal zu feiern?

»Wir haben nicht großartig gefeiert, weil wir direkt los sind. Ich wollte so schnell wie möglich nach Hause.«

Eigentlich schade. In diesem Geschäft arbeitet man so lange auf etwas hin und kann es dann nicht genießen.

»Das liegt am Zeitplan. Gerade in Übersee wollte jeder weg. Aber dafür machen wir irgendwann eine gute Feier nach der Saison. Ist ja kein Problem. Im Dezember ist die Weihnachtsfeier.«

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Wie wichtig war dieser Sieg für die Vertragsverhandlungen?

»Die waren sowieso in vollem Gang. Und das Interesse ist von vielen Seiten da. Deshalb glaube ich nicht, dass es eine Rolle spielt. Aber es schadet in keinem Fall.«

Wie lange dauert es noch, bis Sie Ihren Bruder auch beim Verdienst eingeholt haben?

»Erstens ist das kein Haupt-Ziel von mir. Und zweitens: Kommt Zeit, kommt Rat.«

Teamchef Jean Todt meinte unlängst, Sie wären ein guter Nachfolger für Ihren Bruder bei Ferrari. Ehrt Sie das?

Ralf Schumacher: »Prinzipiell ehrt einen das immer, wenn Teamchefs davon reden, dass man sich den Fahrer in seinem Team vorstellen könnte. Ob das dann irgendwann mal so ist, bleibt dann abzuwarten.«

Der Grand Prix am Nürburgring findet ganz in der Nähe von Kerpen statt. Welche Bedeutung hat für Sie ein »Heim-Rennen«?

»Es ist natürlich schön, vor deutschen Fans zu fahren. Wobei das bisher ja immer sehr rot-lastig war. Vielleicht ändert sich das jetzt ein bisschen. Die Erwartungshaltung der deutschen Fans, dass sie Ähnliches wie am letzten Rennwochenende geboten bekommen, ist natürlich jetzt sehr hoch. Ich hoffe mit Michael, dass wir das wiederholen können.«

Waren Sie als Kind öfter am Nürburgring? Hat die Nähe der traditionsreichen Strecke womöglich zu Ihrer Berufswahl beigetragen?

»Überhaupt nicht. Ich war das erste Mal mit 14 oder 15 bei einem Kartrennen am Ring. Aber es hat mich auch nie sonderlich interessiert. Es war sowieso keine schöne Kartrennstrecke, die sie da haben. Aber der Ring an sich ist sehr schön.«

Sie haben einen lebensgefährlichen Beruf, und auf der Strecke kann es zwischen Ihnen und Ihrem Bruder heikel werden. Hat Ihre Mutter schon mal ein Machtwort gesprochen?

»Nein. Die sind das gewohnt. Wir sind im Motorsport, mehr oder weniger seit wir denken können. Meine Eltern kennen das gar nicht anders. Deshalb haben sie nie was gesagt. Aber Michael und ich haben einen relativ großen Überlebenstrieb. Von daher werden wir da auch vorsichtig sein.«

Wundert es Sie selbst manchmal, wie schnell sich BMW nach dem Einstieg in der Formel 1 bewährt hat?

»Man sagt ja immer so schön, die Deutschen sind Pedanten. Ich glaube, das kommt einem in so einem Fall zugute. Wenn man sich anschaut, was BMW in den letzten zwei Jahren geleistet hat. Wenn ich überlege: Letztes Jahr, als wir mit dem Motor angefangen hatten, habe ich keinen Pfennig drauf gesetzt, dass wir überhaupt Rennen zu Ende fahren.«

Für einen Sponsor wirken Sie in einem Fahrsicherheits- Lehrfilm für Jugendliche mit. Wie finden Sie sich als Fahrlehrer?

»Ich mache so etwas eigentlich nicht besonders gerne, weil ich nicht vorhabe, eine Leitfigur für irgendetwas zu spielen. Ich fühle mich auch nicht als Vorbild für irgendjemanden.«

Gerüchten zufolge wollten Sie unmittelbar nach dem Montreal- Sieg heiraten. Schon heimlich unter der Haube?

»Ach Quatsch.«

Von Andrea Wimmer (dpa)

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