Kommentar Sieg abseits der Strecke


Nick Heidfeld wurde beim Chaos-Grand-Prix von Monaco viermal überrundet und nach gutem Start abgeschlagen Letzter. Dennoch gehört der in den letzten Wochen so Leidgeplagte zu den Gewinnern des Wochenendes. Und zwar in Sachen Menschlichkeit in der PR-Maschine Formel 1.
Von Jens Fischer

0:6 – im Fußball eine Niederlage, die eine Mannschaft nur schwer verdaut. In der Formel 1 ist das ähnlich - davon kann Nick Heidfeld in diesem Jahr ein Lied singen.

Der deutsche BMW-Sauber-Pilot hat in diesem Jahr alle sechs Qualifikations-Duelle gegen seinen teaminternen Konkurrenten Roberto Kubica verloren. Egal auf welchem Kurs, egal unter welchen Bedingungen: "Quick Nick" ist zu langsam und leidet unter einem enormen Druck, zumal er auch in der Fahrer-WM-Wertung hinter Kubica zurückgefallen ist.

Sportlich ist Heidfeld am Boden, aber spätestens seit dem Wochenende gehört er trotzdem zu den Gewinnern. Und zwar was Ehrlichkeit, Selbsterkenntnis und Offenheit betrifft. "Man braucht da keine Krise herbeizureden, es ist offensichtlich, dass ich im Moment nicht klar komme, nicht die Geschwindigkeit fahren kann, die das Auto hat." Eine bemerkenswerte Antwort auf eine Frage, eine Antwort, die ihn zu einem Gewinner macht. In Sachen Menschlichkeit.

Denn: Keine andere Sportart ist so professionell und so abgebrüht darin, menschliche Emotionen zu vertuschen, wie die Formel 1. Kein Empfinden steht über der Marke, nichts ist wichtiger, als bedingungslose Solidarität mit dem jeweiligen Arbeitgeber. Es ist zu viel Geld im Spiel, um Schwäche zu zeigen. Stärke ist die Doktrin, wer diesen Weg nicht gehen will, parkt schnell im Abseits.

Umso schöner sind solche Reaktionen wie die von Nick Heidfeld. Natürlich: Der Mönchengladbacher ist außer Form, natürlich: Er hat seinen Wagen nicht im Griff, natürlich: Er muss sich steigern, um seinen Arbeitsplatz zu retten. Logisch. Aber das ist nur die eine Seite. Mal nicht wortlos zu verschwinden, mal nicht alles schön zu reden, mal nicht der Presse alles in die Schuhe zu schieben – das ist die andere. Genau das hat Heidfeld in Monaco getan. Und dafür gebührt ihm Dank.


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