VG-Wort Pixel

Formel 1 in Ungarn Button triumphiert vor Vettel im Regen-Poker


Ein denkwürdiges Spektakel: Immer wieder einsetzender Regen hat den Großen Preis von Ungarn zu einem Reifenpoker werden lassen. Am erfolgreichsten zockte Jenson Button, der vor Sebastian Vettel und Fernando Alonso gewann. Der große Verlierer auf dem Hungaroring hieß Lewis Hamilton.

Das letzte Formel-1-Rennen vor der vierwöchigen Sommerpause auf dem ungarischen Hungaroring hat ganz großes Spektakel geboten. Dem Regen sei Dank, der immer wieder einsetzte, und das Rennen fast unkalkulierbar werden ließ. Der große Gewinner in diesem Pokerspiel hieß Jenson Button, der seine drei Boxenstopps genau richtig setzte und die richtigen Reifen wählte. Zweiter wurde Sebastian Vettel, der seine WM-Führung ausbaute und so zu den Gewinnern von Ungarn gehörte. Für den Popstar der Formel 1, McLaren-Pilot Lewis Hamilton, war es hingegen ein ganz mieser Tag. Der Brite startete als Zweiter und attackierte den führenden Vettel, bis er erfolgreich war und in der fünften Runde die Führung übernahm - dann verzockte er sich bei der Reifenwahl. Als er schließlich noch eine Dreher inklusive Durchfahrtsstrafe hinlegte, war der Sieg verloren, Hamilton beendete das Rennen auf einem enttäuschenden vierten Platz hinter Fernando Alonso im Ferrari.

Silberpfeil-Pilot Jund Nico Rosberg musste sich in seinem 100. Grand Prix mit Platz neun begnügen. Zwischendurch hatte der Mercedes-Pilot sogar an einem Podestplatz geschnuppert. Für seinen Teamkollegen Michael Schumacher gab es die nächste herbe Enttäuschung: Der Ungarn-Rekordsieger musste seinen Mercedes in der 28. von 70 Runden abstellen. "Der sechste Gang ist letzten Endes ausgefallen", wies der 42-Jährige auf einen Getriebeschaden hin. Adrian Sutil (Gräfelfing) belegte im Force India Rang 14. Timo Glock (Wersau) wurde im Virgin 17.

Heidfeld muss aus brennendem Auto springen


Nick Heidfeld war nach einem unauffälligen Rennen als erster Deutscher in der 25. Runde ausgefallen. Gerade noch rechtzeitig konnte der Mönchengladbacher nach einem Stopp seinen brennenden Lotus-Renault in der Auslaufzone hinter der Boxengasse abstellen und herausspringen. "Es hat noch extremer gebrannt als in Barcelona", berichtete Heidfeld nach seinem zweiten Feuerunfall. "Die Flammen kamen mir etwas näher. Zum Glück ist nichts passiert."

Vettel startete - anders als zuletzt am Nürburgring - glänzend und verteidigte auf der glitschigen Piste seine Pole-Position vor dem McLaren-Duo Hamilton und Button. Hamilton attackierte jedoch trotz des Regens wild und brachte den Weltmeister ständig in Bedrängnis. Im fünften Umlauf hatte der Brite dann Erfolg: Vettel bremste in einer Kurve etwas zu spät, geriet auf den rutschigen Rand und Hamilton zog vorbei.

Silberpfeile starten hervorragend


Hervorragend fuhren auch Schumacher und Rosberg los. Der als Neunter gestartete Rekord-Weltmeister aus Kerpen machte vier Positionen gut, ehe er im Verlauf der ersten Runden wieder auf Rang acht zurückfiel. Jubilar Rosberg preschte vom siebten auf den vierten Platz vor und konnte diesen auch zunächst verteidigen.

Die widrigen Streckenbedingungen bereiteten beinahe allen Piloten einige Probleme, obwohl sie mit Intermediate-Regenreifen unterwegs waren. Reihenweise rutschten sie - teilweise auch ins Gras. Nachdem die Strecke langsam abtrocknete, riskierten die ersten nach elf Runden einen Wechsel auf Slicks.

Mieser Tag für "Popstar" Hamilton


Der führende Hamilton und sein engster Verfolger Vettel ließen zwei Umläufe später Trockenreifen vom Typ "Supersoft" aufziehen. Kurz danach kassierte Button den Red-Bull-Rivalen, der damit nur noch Dritter war. Und Hamilton zog vorne auf und davon. Der zweite Boxenstopp änderte nichts an dieser Reihenfolge.

Dramatik dann in der 47. Runde, nachdem wieder Regen eingesetzt hatte. Hamilton drehte sich und musste Button passieren lassen - und Vettel war wieder dichter dran. Wie schon zu Beginn rutschten die Piloten wild hin und her. Hamilton und Button lieferten sich packende Rad-an-Rad-Duelle um die Spitze: Mal war der eine vorn, mal der andere.

Weil die Bedingungen auf der nassen Strecke immer schwieriger wurde, ließen Hamilton und einige Kollegen sich erneut Intermediates aufziehen. Ein Fehler, wie sich bald herausstellte. Aber im Reifenpoker verloren auch die Chefstrategen den Überblick. Nachdem Hamilton eine Durchfahrtsstrafe kassiert hatte, war seine Siegchance vorbei.

Nach spannenden 306,630 Kilometern siegte Button in 1:46:42,337 Stunden. Vettel lag 3,588 Sekunden zurück. Alonso wies bereits knapp 19,819 Sekunden Rückstand auf.

tis/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker