Michael Schumacher Er fährt und fährt und fährt


Keine guten Aussichten für die Konkurrenz: Formel1-Weltmeister Michael Schumacher hat deutlich gemacht, dass ein Rücktritt für ihn auf absehbare Zeit nicht in Frage kommen wird.

Formel-1-Rekord-Weltmeister Michael Schumacher hat bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem vorzeitigen Titelgewinn in Spa-Francorchamps sämtliche Spekulationen über ein plötzliches Karriereende vom Tisch gewischt. "Leider kann ich nicht mit einer Rücktrittserklärung dienen, auch wenn das einige heute von mir erwartet haben", sagte der siebenfache Weltmeister am Mittwoch auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz während der Testfahrten in Monza.

Auch Ferrari-Technikchef Ross Brawn sieht seinen Star-Piloten noch lange nicht aus dem Cockpit klettern. "Ich kann mir im Augenblick keinen Umstand vorstellen, der Michael veranlassen könnte zurückzutreten. Er ist mit dem gleichen Spaß und dem gleichen Eifer bei der Sache, wie am ersten Tag." Selbst den möglichen Zeitpunkt seines Karriereendes nannte Schumacher deshalb nicht: "Vor zehn Jahren habe ich einmal gesagt, noch fünf Jahre. Dann verging die Zeit im Handumdrehen, und es hat immer noch Spaß gemacht. Deshalb habe ich es aufgegeben, mir ein Zeitlimit zu setzen. So lange ich mental und körperlich noch fit bin, bleibe ich dabei."

Auch dass es nach sieben WM-Titeln und 82 Grand-Prix-Siegen Motiviationsprobleme geben könnte, sieht der Weltmeister nicht. "Man muss mich nicht motivieren. Ich bin es, das steckt in mir drin." Seine stille Freude nach dem Titelgewinn in Spa begründete der 35- Jährige drei Tage danach damit, dass er nur auf Platz zwei ins Ziel gekommen war. "Ich musste diesen zweiten Platz erst einordnen. Auch letztes Jahr in Suzuka konnte ich nicht gleich losjubeln, weil das Rennen nicht so lief wie geplant", sagte er in typischer Manier, denn der Perfektionist in ihm verlangt bei jedem Einsatz einen Sieg. "Wenn es in Spa die drei Safety-Car-Phasen nicht gegeben hätte, hätten wir mit Kimi Räikkönen um den Sieg fahren können", meinte er. Der McLaren-Mercedes-Pilot aus Finnland hatte das Rennen gewonnen.

Schumacher weigerte sich, eine Wertung seiner Titel vorzunehmen. "Jeder war wertvoll auf seine Art." Nach einem Tag Pause nach dem rauschenden Titelfest in Spa war Schumacher schon wieder nach Monza geflogen, um für den Grand Prix von Italien (12. September) zu testen. Die letzten vier Einsätze dieser Saison stehen unter dem Motto "freie Fahrt". Der 14-Tage-Rhythmus lässt Schumacher keine Zeit, die historische Dimension seiner Leistung zu werten: "Dazu habe ich dann im Winter drei Monate Zeit."

Indes ist der vor elf Wochen schwer verunglückte Bruder des Weltmeisters, Ralf Schumacher, nach seinem erneut geplatzten Formel-1-Comeback "nicht gerade glücklich." Nachdem der Rennfahrer beim Rückkehrversuch zunächst mehrmals von den Ärzten ausgebremst wurde, stoppte ihn diesmal die Versicherung. Sie bestand auf einer Zwölf-Wochenfrist zur völligen Genesung, die just beim Monza-Grand-Prix ausgelaufen wäre. "Allerdings ist ein Renneinsatz nur nach einem vorhergehenden Test möglich. Der wäre bereits diese Woche gewesen. Für die Versicherung zu früh. Genau um eine Woche zu früh. Keine Ausnahme, keine Freigabe! Kein Rennen. Mir tut dies wirklich Leid", erklärte Ralf Schumacher am Mittwoch auf seiner Homepage.

"Ich habe hart trainiert und das Grüne Licht aus medizinischer Sicht von meinem Arzt für ein Comeback war da. Ich fühle mich absolut fit", sagte der Williams-BMW-Pilot, ehe er doch etwas Gutes an seiner misslichen Situation fand. "Nur einer hat sich darüber gefreut: Mein Sohn David, der mich jetzt noch zwei Wochen länger für sich hat. Dann geht für uns beide die Saison mit Vollgas weiter. Für ihn im Kindergarten, für mich im Rennauto. Endlich!", sagte der 29-Jährige. Sein erstes Formel-1-Rennen nach dem folgenschweren Unfall am 20. Juni in den USA mit Brustwirbelbrüchen und schwerer Gehirnerschütterung will Ralf Schumacher beim Grand Prix von China am 26. September in Shanghai bestreiten.

DPA DPA

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