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1. Bundesliga Gladbach mit Sieg gegen Köln an Tabellenspitze


Mit einem souveränen 3:0 im Derby beim FC Köln hat Borussia Mönchengladbach sich auf Platz eins der Bundesliga geschoben. Mike Hanke traf zweimal - das war neu. Ansonsten alles wie immer: Gladbach perfekt organisiert, Köln verliert das Derby zu Hause. Am Ende strömten die Kölner Anhänger vorzeitig aus dem Stadion.

Im Lied von der schwäbischen Eisenbahn wird ein Ziegenbock hinten an den Zug gebunden, was dazu führt, dass der besitzende Bauer an der nächsten Station nur noch den Kopf des armen Tiers am Seil vorfindet. So ähnlich muss sich auch Stale Solbakken gefühlt haben, nachdem er gesehen hat, wie seine Geißbockelf von einer galoppierenden Fohlenherde überrannt wurde, die sich auf dem Weg an die Tabellenspitze befand.

Zumindest bis Samstagabend steht Borussia Mönchengladbach auf dem ersten Tabellenplatz, was von den anwesenden Fohlenfans in ihren grünen Weihnachtsmannmützen entsprechend gefeiert wurde. Mit 3:0 gewann das Team vom Niederrhein das Derby bei einem enttäuschenden FC, der nach drei Heimsiegen in Folge gegen den Erzrivalen aus Gladbach schon seine 23. Bundesliganiederlage vor eigenem Publikum in einer sehr einseitigen Derbygeschichte erleben musste.

Mike Hanke brachte die Gäste nach 20 Minuten mit seinem ersten Saisontor in Führung, Juan Arango erhöhte mit einem direkt verwandelten Freistoß auf 0:2 (30.), und die endgültige Entscheidung fiel nach einem Konter kurz nach der Pause, den Hanke zum 0:3 verwertete.

Stale Solbakken hatte die Innenverteidigung neu aufgestellt und Kevin McKenna sowie Geromel für den verletzten Ammar Jemal und den gesperrten Henrique Sereno gebracht. Auch Martin Lanig fehlte aufgrund einer Gelbsperre und wurde durch Adam Matuschyk vertreten. Lucien Favres Aufstellung ist hingegen so vorhersehbar wie eine Folge "Marienhof", und so rückte nur Roel Brouwers an Stelle des verletzten Martin Stranzl ins Abwehrzentrum.

Köln hatte seit drei Wochen kein Pflichtspiel mehr bestritten, konnte den Borussen in der Anfangsphase aber noch Paroli bieten. Ein Fehler von Geromel brachte die Gäste dann aber nach 20 Minuten in Führung. Der Abwehrchef verpasste es, einen von Marco Reus nicht all zu präzise gespielten Ball zu stoppen, Patrick Herrmann dankte es ihm, legte auf Hanke zurück, und der Stürmer traf zu seinem ersten Bundesligator seit mehr als 1.000 Spielminuten.

Zehn Minuten später sorgte Juan Arango dann sogar für die Vorentscheidung, als er einen Freistoß aus 25 Metern mit links über die Mauer ins Tor zirkelte. Slawomir Peszko hatte zuvor Herrmann gefoult. Obgleich ein 0:2 zur Pause noch nicht das Ende eines Fußballspiels bedeuten muss, glaubten die Anwesenden aus zwei Gründen kaum noch an die Wende.

Einerseits bot sich wieder einmal das Bild, das FC-Fans zur Genüge von ihrer Mannschaft kennen: "Wenn wir schlecht spielen, spielen wir richtig schlecht", hatte Solbakken unter der Woche im Kicker bekannt und damit unwissentlich einmal mehr das Verhalten seiner Mannschaft im Derby prognostiziert. Auf der anderen Seite lag das Ergebnis zu mindestens gleichen Teilen am gewohnt perfekt abgestimmten Spiel der Borussia, deren Profis bei gegnerischem Ballbesitz präzise die Abstände wahrten und Köln in 90 Minuten nur fünf Torschüsse zugestanden.

Ungeachtet der Pfiffe zur Pause kam Köln noch einmal engagiert aus der Kabine, aber eine Ecke von Lukas Podolski landete nur drei Minuten nach Wiederanpfiff bei Brouwers, der bediente Havard Nordtveit und leitete damit einen Konter ein, der mit einer Drei-gegen-eins-Situation der Gäste vor dem Tor des FC endete. Herrmann scheiterte zunächst noch an einer starken Parade von Michael Rensing, aber im Nachschuss markierte Hanke das 0:3. Diesmal nicht 1.037, sondern nur 28 Minuten zwischen zwei Treffern.

In der Folgezeit schien Gladbach dem 0:4 näher als Köln einem Ehrentreffer, aber es blieb beim 0:3, weil allein Marco Reus drei weitere Chancen vergab - einmal durch eigene Unkonzentriertheit, einmal dank eines Blocks von Geromel, einmal aufgrund einer guten Parade von Rensing.

Bis zum Derby zwischen Dortmund und Schalke zumindest stehen die Gladbacher nun auf dem ersten Tabellenplatz und können sich nun acht Tage lang auf das Topspiel gegen den BVB vorbereiten. Köln hat zwar noch ein Nachholspiel, könnte aber bei ungünstigem Spieltagsverlauf an diesem Wochenende bis auf drei Punkte an die Abstiegsplätze abrutschen. Das nächste Spiel führt den FC nach Stuttgart. Besser nicht mit der schwäbischen Eisenbahn fahren.

Daniel Raecke

sportal.de sportal

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