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Ailton vor Wechsel?: Störgeräusche auf Schalke

Nur vier Tage vor dem Pokalfinale gegen den FC Bayern München in Berlin sorgt Ailton beim FC Schalke 04 einmal mehr für Aufregung: es könnte das letzte Spiel in Königsblau für den Brasilianer werden.

Finanzchef Josef Schnusenberg bestätigte Überlegungen, den bis 2006 an Schalke gebundene Angreifer Ailton gehen zu lassen. "Wenn denn Ailton keine Lust hat, auf Schalke zu spielen und einen Verein bringt, der eine ordentliche Ablösesumme bezahlt, dann wären wir sicherlich bereit, ihn abzugeben", sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende.

Wackeliger Fahrplan

Das Bekenntnis von Schnusenberg löste beim Revierclub Verwirrung aus. Gereizt reagierte Ralf Rangnick nach dem Training auf Fragen zum Dauerthema der letzten Tage: "Ich weiß nichts von einer Freigabe". Wenige Stunden zuvor hatte auch Teammanager Andreas Müller Meldungen über einen Geheimbeschluss dementiert: "Es gibt keinen Geheimplan und keine Veranlassung für uns, ihn abzugeben. Er ist unser bester Torschütze. Wir bleiben bei unserem Fahrplan."

Dieser Fahrplan sieht eigentlich vor, dass erst nach dem Duell der beiden besten Bundesliga-Mannschaft in Berlin klärende Gespräche zwischen den Vereinsvertretern und Ailton stattfinden sollen. Doch die täglichen Schlagzeilen sind der Vorbereitung auf die Partie im Berliner Olympiastadion wenig zuträglich. "Der Mannschaft geht das sicher irgendwann mal auf den Sack, wenn nur über einen Spieler gesprochen wird"sagte Rangnick.

Der Gesprächsbedarf ist groß. Denn von einer Musterehe zwischen dem Revierclub und dem zu Saisonbeginn ablösefrei verpflichteten Ex-Bremer kann nicht die Rede sein. Schon vor seinem Dienstantritt verärgerte er die Schalke-Fans in einem Radio-Interview mit Äußerungen über das seiner Einschätzung nach wenig lebenswerte Gelsenkirchen. Ende August ohrfeigte er im zweiten Heimspiel die Rostocker Profis Joakim Persson und Uwe Möhrle. Zwar gelobte Ailton nach seiner Roten Karte Besserung, fiel aber weiter unangenehm auf. Auch sein zwischenzeitlicher Plan, für die Nationalmannschaft von Katar zu spielen, sorgte für Befremden.

Problemfall Freibad-Toni

Zwei jeweils einwöchige Sonderurlaube in Brasilien, die ihm Rangnick während der Saison großzügig gewährte, zeigten kaum läuternde Wirkung. "Er lag da wie im Freibad", schimpfte der Schalke- Coach nach dem 3:3 am 31. Spieltag gegen Bayer Leverkusen, als der Ersatzspieler nur wenig Lust verspürte, sich 20 Minuten vor dem Abpfiff zusammen mit den anderen "Bankdrückern aufzuwärmen. Spätestens nach dieser Trainerschelte mutierte "Freibad-Toni" endgültig zum Problemfall.

Gleichwohl gibt es auch Argumente, die für seinen Verbleib sprechen: Immerhin 14 Mal traf Ailton ins Schwarze - auch dann, wenn es eng wurde. In Dortmund erzielte er das einzige Tor, in Rostock den Ausgleich in der Nachspielzeit. Wirtschaftliche Gründe sprechen ebenfalls nicht unbedingt für einen Transfer: Noch liegt den Schalkern kein interessantes Angebot für den Torschützenkönig der Saison 2003/2004 vor.

Dietmar Böhne/DPA / DPA

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