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Barca-Krise: Ronaldinho hat sein Lachen verloren

Was ist mit dem FC Barcelona los? Unter der Woche vergeigte die europäische Übermannschaft gegen den Ballack-Club FC Chelsea. Am Wochenende setzte es die nächste Pleite - ausgerechnet im "Classico" gegen den verhassten Erzrivalen.

Der beste Fußballer der Welt hat es derzeit nicht leicht. Ronaldinho verlor am späten Sonntagabend mit seinem Team vom FC Barcelona nicht nur das Schlagerspiel der spanischen Liga bei Real Madrid mit 0:2 (0:1), sondern er präsentierte sich auch als ein Schatten seiner selbst. Dabei hatte sich der Brasilianer im Bernabéu-Stadion, wo er das Publikum vor einem Jahr mit seinen Glanztaten zu Beifall hingerissen hatte, besonders viel vorgenommen: Er wollte die Berichte über seine angebliche Formkrise ein für alle Mal über den Haufen werfen.

Aber ausgerechnet Real Madrid, das die spanische Presse vor einer Woche nach der 0:1-Schlappe beim FC Getafe schon als hoffnungslosen Fall abgeschrieben hatte, zeigte dem Meister und Champions-League-Sieger am Sonntagabend seine Grenzen auf. Trainer Fabio Capello hatte eine einfache Erklärung dafür, dass aus der behäbig und lustlos wirkenden Elf zum Derby gegen den Erzrivalen plötzlich ein Team wurde, dass vor Kampfgeist sprühte: "Ich habe den Spielern eine Standpauke gehalten, die sie sich zu Herzen genommen haben. Jetzt sind wir wieder eine wirkliche Mannschaft."

Selbstkritische Katalanen

Sergio Ramos, eigentlich mit der Bewachung Ronaldinhos beauftragt, leistete sich in der 2. Minute den Luxus, nach vorne zu stürmen und eine Flanke zu schlagen, die Kapitän Raúl zum 1:0 für die "Königlichen" nutzte. "Das frühe Gegentor war spielentscheidend", räumte Ronaldinho betreten ein. Der Weltfußballer des Jahres 2005, der seit der WM seiner Form hinterher läuft, trat in der gesamten Partie kaum in Erscheinung. Er soll nun ein Aufbautraining absolvieren, damit er zu seiner alten Schnelligkeit zurückfindet.

Real zog sich nach der Führung in die Abwehr zurück, blieb mit Kontern aber stets gefährlich. Ruud van Nistelrooy (50.) verwandelte eine Vorlage des glänzend aufgelegten Robinho zum 2:0. Barça (16 Punkte) verteidigte trotz der Niederlage die Tabellenführung vor dem FC Valencia (16), dem FC Sevilla (15) und Real Madrid (14). Capello blieb mit dem Sieg im spanischen "Fußball-Klassiker" nicht nur in 29 Pflichtspielen mit Real im Bernabéu-Stadion ungeschlagen, sondern er erteilte auch seinem Ex-Schüler Frank Rijkaard eine Lehrstunde. Das musste auch der Niederländer zugeben: "Wir müssen Selbstkritik üben, ich an allererster Stelle."

Eto'o wird schmerzlich vermisst

Der Barça-Coach hatte überraschend ein Mittelfeld ohne Defensivkraft aufgeboten. Mit den "Drei Kleinen" (Xavi, Deco und Andrés Iniesta) kontrollierten die Katalanen zwar das Spiel, aber sie waren anfällig in der Abwehr und im Sturm ohne Biss. Real hätte bei zwei Lattentreffern von Raúl und van Nistelrooy sogar noch höher gewinnen können. Der gesperrte Ronaldo wurde nicht vermisst. David Beckham ist nur noch zweite Wahl. Der Engländer durfte in den Schlussminuten eingreifen und kam so auf sein 100. Spiel im Real- Trikot.

Barcelona vermisst derweil immer schmerzlicher seinen Torjäger Samuel Eto’o. Der Kameruner fällt wegen eines Kreuzbandrisses für sechs Monate aus. Nach dem 0:1 in der Champions League beim FC Chelsea blieben die Blauroten im zweiten Spiel ohne Treffer. "Eto'o, werde schnell gesund!", schrieb das Fachblatt "Sport". "Der Ersatzmann Eidur Gudjohnson ist kein Mittelstürmer für dieses Barça." Im Sturm ging allein vom quirligen Lionel Messi Gefahr aus. "Der Argentinier spielte seine Gegenspieler schwindelig, aber er fand keinen Ronaldinho und schon gar keinen Eto’o", stellte das Sportblatt "Marca" fest.

DPA

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