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Bundesliga: "Schnäppchen" Mintal ist Torschützenkönig

Fußball-"Phantom" Marek Mintal hat das Wettschießen mit Roy Makaay gewonnen und als erster Bundesliga- Torschützenkönig des 1. FC Nürnberg Geschichte geschrieben.

Mit 24 Treffern sicherte sich der 27-jährige Slowake als Nachfolger von Ailton die Torjägerkanone vor dem Stürmer-Star (22) von Meister FC Bayern München, der sich wie im Vorjahr mit Platz zwei trösten musste. "Er hat viele wichtige Tore geschossen und großen Anteil am Klassenerhalt", gratulierte Michael A. Roth. Mit dem Präsidenten hoffen alle "Clubberer", dass Mintal auch in der kommenden Saison für den neunmaligen deutschen Meister auf Torejagd geht.

"Ich bin das erste Jahr in der Bundesliga und gleich Torschützenkönig, das ist fantastisch", sagte Mintal nach der 1:2- Heimniederlage am Samstag gegen den FSV Mainz 05. Schon in den kommenden Tagen will die "Club"-Führung um Roth, Sportdirektor Martin Bader und Trainer Wolfgang Wolf die wichtigste Personalie besprechen. Die Nürnberger wollen den schweigsamen und medienscheuen Top- Torjäger, der in seiner Heimat zwei Mal Meister und drei Mal Torschützenkönig wurde, unbedingt halten und langfristig an sich binden. "Wenn Mintal in der nächsten Saison wieder 15 Tore machen wird, und dazu ist er in der Lage, werden wir hier nie Ruhe reinbekommen", sprach sich Wolf für eine vorzeitige Verlängerung des bis 2008 befristeten Vertrages aus.

Einkauf für 150.000 Euro

Offizielle Angebote für Mintal, der vor zwei Jahren für eine Ablöse von 150.000 Euro als "Schnäppchen" vom slowakischen Provinzverein MSK Zilina an den Valznerweiher kam und auf Anhieb Torschützenkönig (18 Treffer gemeinsam mit dem Hachinger Copado) in der zweiten Liga wurde, liegen nicht vor. Doch allein die aktuellen Spekulationen treiben Fans und Funktionären den Angstschweiß auf die Stirn, kein deutscher Proficlub ist so abhängig von seinem Torgaranten wie der FCN. Mintal ist, so erklärt Mitspieler Sven Müller, "unsere Lebensversicherung". Der Umworbene blieb am Samstag einsilbig. "Ich habe einen Vertrag bis 2008", sagte er lediglich.

Angeblich haben der FC Liverpool und Besiktas Istanbul ein Auge auf den Mittelfeldakteur geworfen, der äußerst unspektakulär spielt, Dribblings und Zweikämpfe vermeidet, scheinbar unbeteiligt über den Platz läuft - um dann eiskalt zuzuschlagen. Peter Hammer, Autohändler in Röthenbach bei Nürnberg, verfolgt die Entwicklung seines Schützlings mit besonderem Interesse. Bei einer Geschäftsreise hatte er den slowakischen Nationalspieler entdeckt und den Billig-Transfer zum "Club" eingefädelt. Auf 7,5 Millionen Euro wird heute sein Marktwert geschätzt.

Eine Summe, bei der der FCN schwach werden könnte, auch wenn der einst hoch verschuldete "Club" laut Manager Bader nicht mehr auf Transfererlöse angewiesen ist. "Wenn Marek wechseln will, würden wir ihm keine Steine in den Weg legen", erklärte Bader, "wir werden ihn hier nicht festbinden." Mintal selbst betont immer wieder, dass er sich in Franken sehr wohl fühle, aber über seine Zukunftspläne hüllt er sich in Schweigen. Niemand würde sich jedoch wundern, wenn das "Phantom" demnächst auf der internationalen Fußballbühne auftaucht.

Gerd Münster/DPA

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