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Trainer-Wutrede: "'Scheißtürke' ist kein normaler Fall mehr"

Der Trainer vom SV Babelsberg 03, einem Klub in der 4. Liga, hat sich nach einem hitzigen Duell gegen den FSV Zwickau in Rage geredet. Seine Mannschaft sei ausländerfeindlich beleidigt worden.

Babelsberg-Trainer Cem Efe

Fordert ein bisschen mehr Respekt - von beiden Seiten: Babelsberg-Trainer Cem Efe

Zwischen dem SV Babelsberg 03 und dem FSV Zwickau ging es hitzig zur Sache. Der Schiedsrichter verteilte sechs Gelbe Karten und einen Platzverweis gegen den Babelsberger Kapitän Bilal Cubukcu wegen einer Tätlichkeit. Nur ein Tor sollte in dem Duell in der Regionalliga Nord/Ost nicht fallen, dafür aber offenbar haufenweise gegenseitige Beleidigungen. Dass die Zwickauer dabei mutmaßlich auch rassistisch wurden, brachte den Babelsberger Trainer Cem Efe auf der anschließenden Pressekonferenz in Rage.

Der Grund: Ein Journalist möchte von Zwickau-Trainer Torsten Ziegner ein Statement zu einem Vorfall hören, der sich auf dem Weg der Spieler in die Kabine ereignet haben soll. Demnach hat ein Zwickauer Akteur gesagt: "Alles Ausländer hier". Ein anderer Journalist will sogar das Wort "Kanaken" gehört haben. Ziegner ist die Situation sichtlich unangenehm. Man müsse immer zwei Seiten betrachten, meint er: "Ich könnte auch erzählen, was meine Spieler zu hören kriegen."

Efes Rede endet versöhnlich

Das ist zu viel für den Babelsberger Coach Cem Efe. Er konterte aufgebracht: "Ich bin doch dabei. Wenn du sagst 'Scheiß Türke', dann ist das doch kein normaler Fall mehr, Mann!" Die Beleidigung soll in der ersten Halbzeit gegen Babelsberg-Spieler Enes Uzun gefallen sein. Cem ereifert sich weiter: "Du kannst alles sagen, aber doch nicht diskriminieren. Sag dem: 'Du Flasche, du kannst keinen Fußball spielen', oder was auch immer!" Sein kleiner Sohn komme gerne ins Stadion, sagt Efe. "Der muss ein Vorbild da draußen sehen."

Auf den Einwand eines Journalisten, offensichtlich aus Zwickau, auch die Babelsberger hätten provoziert, antwortet Efe noch aufgebrachter:  "Da ist der Co-Trainer der Erste, der meine Spieler angeht. Und es geht noch weiter in der Kabine, es geht noch weiter in den Katakomben. Das ist das Schlimme." Am Ende schließt er halbwegs versöhnlich. Er wünsche sich, dass man in der Zukunft respektvoll miteinander umgehen könne: "Da gehören immer zwei Seiten dazu, das hab ich in der Kabine auch schon gesagt. (...) Am Ende ist es nur Fußball."


Tim Schulze
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