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DFB/Uefa-Treffen: Zwanziger und Platini ausgesöhnt

Schluss mit den Giftpfeilen: Bei gegrillten Garnelen und grünem Spargel haben DFB- Präsident Theo Zwanziger und der neue Uefa-Boss Michel Platini das Kriegsbeil begraben und sich auf eine bessere Kooperation zwischen den Verbänden verständigt.

Nach den verbalen Anfeindungen der vergangenen drei Monate zwischen den Führungsfiguren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Europäischen Fußball-Union (Uefa) wurden die seit der Wahl Platinis herrschenden Dissonanzen nach einem gemeinsamen Mittagessen im Uefa-Hauptquartier in Nyon offiziell für beendet erklärt. "Wir hatten ein gutes Gespräch in angenehmer Atmosphäre. Alles, was gewesen ist, spielt keine Rolle mehr", sagte Zwanziger nach dem Friedensgipfel am Genfer See.

Platini sieht knapp ein Vierteljahr nach seinem Amtsantritt die Basis für eine gedeihliche Zusammenarbeit mit der DFB-Spitze nun gelegt. "Der deutsche Fußball spielt eine wichtige Rolle bei allen Dingen, die wir vorantreiben", sagte der Franzose. Auch Gerhard Mayer-Vorfelder, Uefa-Vizepräsident und einstiger DFB-Chef, auf dessen Initiative die Elefantenrunde überhaupt erst zu Stande gekommen war, zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen. "Wichtig ist, dass die Dinge vom Wahltag nun beerdigt sind", betonte "MV".

Spannungen nach der Wahl

Zwanziger hatte Platini nach dessen Wahl im Januar beim Kongress in Düsseldorf mehrfach kritisiert und so die Spannungen zwischen den Verbänden ausgelöst. Unter anderem hatte der Jurist den Wahlmodus in Frage gestellt und Platini unterstellt, nur durch die Stimmen der kleinen Verbände - die er mit Wahlversprechen gelockt habe - ins Amt gekommen zu sein. "Ich habe manchmal ein schlechtes Gedächtnis. Ich weiß gar nicht mehr, für wen Deutschland gestimmt hat", scherzte Platini nun. Der DFB war stärkster Unterstützer von Platini-Gegner Lennart Johansson (Schweden) gewesen.

Platini sieht den im Herbst seiner Funktionärskarriere plötzlich zum Chefdiplomaten avancierten Mayer-Vorfelder bis zum Ausscheiden aus der Uefa-Exekutive in zwei Jahren als unverzichtbare Größe im Verhältnis zwischen DFB und Kontinental-Verband. "Er ist das beste Zeichen für die deutsch-französische Freundschaft und die guten Beziehungen, die wir pflegen", so Platini. "Er hat so viel Erfahrung. Erfahrung, die mir teilweise noch fehlt", lobte der Chef seinen Vize.

Kein reuiger Bittsteller

Fast zwei Stunden tagten die Fußball-Funktionäre in dem modernen Glasbau der Uefa direkt am Ufer des mit Sonnenschein überfluteten Genfer Sees. Die pittoreske Landschaft hielt sie jedoch gewiss auch nicht von klaren Worten ab. Zu groß war der Redebedarf nach den Animositäten des Frühjahrs. Doch nach dem Treffen wollte Zwanziger nur noch nach vorne schauen. Mit Interesse habe Platini seinen Ausführungen über den vom DFB geplanten Bau von 1000 Bolzplätzen und den Bewerbungsplänen für die Frauen-WM 2011 gelauscht.

Das Meeting in Nyon wollte Zwanziger darum auch nicht als Gang nach Canossa verstanden wissen. Als reuiger Bittsteller muss sich der DFB-Chef auch nicht fühlen. Beide Seiten, Kontinentalorganisation und größter nationaler Verband, haben ein Interesse an funktionierenden Beziehungen. Platini will beim Außerordentlichen Uefa-Kongress am 28. Mai in Zürich seine Präsidialmacht durch eine Reform der Uefa- Strukturen manifestieren. Unterstützung seiner "deutschen Freunde" kann der einstige Mittelfeldstratege dabei nur zu gut gebrauchen.

Arne Richter/DPA / DPA

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